Safety first! 

Sicherheitstraining – der Beginn!

Am Donnerstag, den 6. April 2017 war es mal wieder so weit. Nach dem eigentlichen Start in die Motorradsaison habe ich auch meine Sicherheitsstrainings-Saison begonnen.

Aufbauend auf diesem Training zu Beginn der Saison folgen meistens über den Sommer dann noch so das ein oder andere…

Zu gewohnter Uhrzeit wie immer in einer Arbeitswoche ging es diesmal nicht mit 4 Rädern ins Büro, sondern auf zwei Rädern mal wieder Richtung Grevenbroich, zum Fahrsicherheitszentrum des ADAC. Aber anders als fürs Büro musste heute an ganz andere Dinge gedacht werden, die Kopfhörer eingepackt werden, an der neuen Jacke jede Tasche sechs Mal gesucht und dann sieben Mal kontrolliert werden. Dann hatte ich aber alles und es konnte losgehen.

Die Wettervorhersage am Vorabend war vielversprechend: Zwar kühl, aber trocken. Eben dieses trockene Wetter verteilte sich im Fahrtwind in feinen Fäden auf meinem Visier. Egal, wenn es jetzt nieselt, dann ist es nachher vorbei! Aber irgendwie ist man ja verrückt. Da bucht man für viel Geld ein Sicherheitstraining mit Übungen, die sich jemand mit viel Aufwand mal ausgedacht hat und die meistens auch noch aufwendig aufgebaut werden müssen. Dabei würde so ein komplett durchregneter Tag einem ein ganz anderes Trainingserlebnis bringen, ganz ohne Aufwand, ganz ohne viel Ausdenken, aber mit unglaublich viel Lernerfahrung ….

Diesen Gedanken spinne ich aber lieber ein andermal weiter, denn heute möchte auch ich lieber trocken bleiben.

Punkt 8 Uhr rolle ich auf den noch fast menschenleeren Parkplatz des FSZ-Grevenbroich. Nur langsam abtrocknend liegen die Fahrspuren und Gleitflächen des Geländes im diesigen Morgenlicht.

 

Einsam….

 

Fast menschenleer, denn Truder war auch schon da. So warten die GS und die Suzi auf die anderen Teilnehmer und ruhen sich noch ein wenig aus.

Die Pferde warten auf den Ausritt…

 

Kaum betritt man das Gebäude des ADAC, hellt sich die Laune auf. Der Duft von leckeren Kaffeespezialitäten lädt einen zu einem zweiten Morgengetränk ein, die Trainer der verschiedenen Gruppen mischen sich unter die langsam eintrudelnden Teilnehmer und der sich – wenn auch nur langsam – aufhellende Himmel macht Vorfreude auf den Tag.

Tom aus dem BMW-Forum fehlt zwar noch, aber pünktlich um 8:30 Uhr werden wir zu einer ersten Vorstellungsrunde in unseren Raum gerufen.

Ich konnte mein Glück kaum fassen, dass ich wieder an mein Lieblings-Trainergespann geraten bin. Bei Ralf (Berlin) und Ralf (Gottwald) habe ich bereits das ein oder andere Training gemacht, aber gemeinsam sind sie unschlagbar.

Aber auch die anderen 10 Teilnehmer neben Truder und mir machten in der Vorstellungsrunde schnell klar, dass dies ganz sicher ein sehr netter, sehr sehr (sehr) lustiger und ganz sicher total ereignisreicher Tag werden würde. Viele sind wie Truder und ich Wiederholungstäter, die Erwartungen daher ganz ähnlich und so konnten wir direkt starten.

Schnell wurden noch die Funkgeräte verteilt, alles gut verstaut, verstöpselt und ausprobiert und nach dem obligatorischen Kursfoto durften dann wirklich endlich die Motoren angelassen und hinter den Trainern her auf das Gelände gerollt werden.

Der ADAC hatte es sich nicht nehmen lassen, für realistische Übungszwecke einen Trupp Wohnmobilfahrer zu bestellen, damit wir das zügige Überholen auf Landstraßen und das Innen-Überholen in engen Passkehren üben konnten.

Übungsspielzeug

 

Vielleicht machen die auch einfach nur ein Wohnmobiltraining auf dem Platz. Auch möglich, aber meine Variante fand ich lustiger! 😉

Schnell stellte sich heraus, dass im Winter doch das ein oder andere vergessen wurde, wieder eingeschlafen ist oder man beim letzten Mal in der Theorie doch nur mit einem Ohr zugehört hat. Klar, Sitzhaltung kennen wir alle, Fußhaltung auch, aber dennoch war der ein oder andere der festen Überzeugung, es läge nur am Motorrad und niemals an ihm selber!

Aber in den ersten Einführungsrunden auf dem Platz konnte man all dies wieder mal in Ruhe korrigieren, an sich selber prüfen und den Korrekturen im Ohr lauschen.

Die erste Tageshälfte war vom Kurvenfahren geprägt. Langgezogene Kurven, enge Kurven, schnelle Kurvenwechsel, lange Kreisradien, links rum, rechts rum… So trockneten wir mit unseren Maschinen langsam die feuchte Fahrbahn mehr und mehr, so dass sich auch in den etwas rutschigeren Kurven langsam das „Feeling“ einstellen konnte.

Bis auf zwei Yamahas und eine Honda war es neben meiner Suzuki wieder ein BMW-Training, aber zumindest nicht so GS-lastig wie auf vielen Pässen! 😉 Aber die Aufzählung aller bei diesen Maschinen in Summe vorhandenen Assistenz-Systeme hätte vermutlich die Vorstellungsrunde zu Beginn bis weit nach der Mittagspause ausgedehnt! 😉

Wisst ihr, wofür SUZUKI steht? „Suche unter Zeitdruck ulkige Kiste“ … Pffffffffftttttttt!!!! 😉

 

zeitgenössisches ADAC-Stillleben

Sicherheitstraining – schon die erste Hälfte vorbei?

Die Zeit verging wie im Flug und schon war es Zeit für eine kleine Aufwärm- und vor allen Dingen Stärkungspause.

Perfekt organisiert durften wir uns an den gemachten Tisch setzen und die schon morgens bestellten Essen kamen super schnell und lecker und frisch zubereitet an den Tisch.

 

Im Vordergrund: „Der Tisch“, im Hintergrund „Ralf und Ralf“

 

Nach dem Mittagessen zog aber jemand gewaltig an den Augenlidern! Daher wurde noch eben der ein oder andere Espresso als legales Dopingmittel eingeworfen.

Haben wir uns vormittags schwindelig gekurvt, so durften nun die Bremsen zeigen, warum man sie eigentlich ans Motorrad gebaut hat.

Starteten wir noch einfach bei „einfachen“ Sachen wie

  • Ausweichen ohne Bremsen
  • Ausweichen mit Bremsen

ging es kurz darauf schon zu „Bremsen mit Ausweichen bis zum Stillstand ohne ABS“ über.

HÄ?! Ja genau! Schon der Titel ließ einen überlegen, ob dies drei getrennte Übungen sind oder es tatsächlich nur eine Übung ist! 🙂

Mein Gehirn hat darauf hin auch beschlossen, dass es sich auf das Wesentliche konzentriert und die wichtigste Grundlage „in Gefahrensituationen immer Kupplung ziehen“ schon mal einfach vergisst.

Ja, man kommt auch so irgendwie zum Stehen, aber ich sage euch, MIT gezogener Kupplung deutlich schneller, deutlich entspannter und deutlich mehr zur Zufriedenheit der Trainer! 😉

Also habe ich meinem Gehirn flugs einmal die Leviten gelesen und diesen Teil der Übung mal wieder allem anderen voran gestellt.

HA – klappt! 🙂

Auf unserem sich je nach Übung immer wieder verändertem Rundkurs stand bei den Bremsübungen auf der Gegengeraden ein weiteres Highlight bereit.

  • Bahn 1: Bremsen bis zum Stillstand mit ABS aus hoher Geschwindigkeit
  • Bahn 2: Bremsen bis zum Stillstand mit ABS aus hoher Geschwindigkeit über zwei Metallstreifen in der Fahrbahn (wie Brückenköpfe z.B.)
  • Bahn 3: Bremsen bis zum Stillstand mit ABS aus hoher Geschwindigkeit über ca. 4 Meter Quarzsand (Stillstand natürlich erst dahinter!)

Wer mir erzählt, dass er die Übung auf Sand beim ersten Mal aus dem Ärmel schüttelt, dem glaube ich einfach nicht. Es ist etwas ganz anderes, gefühlvoll beim Endurofahren etwas bremsen zu müssen, oder mit 80 – 90 km/h auf Sand zuzuschießen und genau auf dem Sand ins ABS zu greifen!

Aber da ich beim letzten Training hier schon meine Ober-Muffe abgebaut hatte, konnte ich es diesmal (fast) genießen! 😉

Kennt ihr eine GS mit Känguruh-Benzin? Ich auch nicht, aber anders als mit Känguruh-Benzin war laut Trainer bei dem ein oder anderen Versuch das wilde Hoppeln nicht zu erklären! 😉

Viel zu schnell ging wieder einmal die Zeit um, so dass es schon wieder Zeit (und das dringende Bedürfnis) für eine Kaffeepause war.

Bereit zum Kaffeetrinken

 

Die letzten Übungen des Tages waren auf zwei variierenden Kursstrecken einmal das Bremsen und Ausweichen in der Kurve (wahlweise auch stattdessen das Überfahren einer Holzlatte) oder auf der anderen Bahn das Bremsen in der Kurve bis zum Stillstand.

Dies hat bei allen sehr gut geklappt, auch wenn von Runde zu Runde die Konzentration schon merklich nachließ. Das „Ausweichen ins Gelände“ mussten wir angesichts des aufgrund des Regens sehr weichen Bodens ausfallen lassen, aber auch so waren wir rechtschaffend müde, als es auf ein paar gemeinsame Abschlußrunden unter Vorausfahrt und Anleitung unserer Trainer ging. Dennoch war bei allen der Erfolg zwischen den ersten Runden am Morgen und denen jetzt zum Schluss deutlich spürbar.

 

Sicherheitstraining – schon wieder vorbei! 🙁

So war es auch wenig verwunderlich, dass das anschließende Feedback im Kursraum ausnahmslos positiv war. Jeder Teilnehmer bekam hier auch noch mal individuelle Tips für weitere Übungen oder Anschlusstrainings, um das ein oder andere im Detail noch mal zu trainieren.

Zwei Tips, die für alle gelten:

  • Bei Regen hilft Singen! So wird man automatisch wieder lockerer und hat eine Chance, die stabile Kopfhaltung zwischen zwei hochgezogenen Schultern auch bei Mistwetter wieder aufzugeben.
  • Mehr Toleranz im Straßenverkehr! Machen wir jeden Tag immer alles richtig? Oder hat auch schon mal die Umsicht eines anderen Verkehrsteilnehmers uns geholfen? In diesem Sinne weniger schimpfen und sich mehr freuen, wenn es einfach durch die eigene Umsicht vielleicht mal gut gegangen ist! Keep smiling! 🙂

 

Anmerkung 1:

Ja, Sicherheitstrainings sind langweilig. Und zwar immer dann, wenn man sie mit der falschen Einstellung beim falschen Unternehmen mit den falschen Trainern besucht. Aber selbst dann lernt man meistens noch was. Also hört euch um, wer wen empfiehlt und bucht dann einfach ein Training mit ein paar Freunden gemeinsam.

So sehen gelangweilte unglückliche Teilnehmer aus….

 

Anmerkung 2:

Ihr kommt aus der Nähe von Köln, Düsseldorf, Aachen, Duisburg? Dann bucht direkt beim FSZ-Grevenbroich vom ADAC. Ich habe da schon 6-8 Trainings absolviert, die neben unglaublich viel Wissensvermittlung auch jedesmal total kurzweilig und wirklich toll waren. Und nein – ich bekomme keine Provision für diese Werbung. Ich mache das einfach aus Überzeugung.

 

Anmerkung 3:

Ich (also eher mein Blog) wurde zum ersten Mal von jemandem wildfremden wiedererkannt. Die liebe Brigitte kannte meinen Blog und hat mich drauf angesprochen. Kurz: Ich freu mich!

 

Anmerkung 4:

Nein, ich mache nicht das 6. bis 8. Training, weil ich es immer noch nicht verstanden habe. Ich mache das, weil ich immer noch viel dazu lerne und mich von Mal zu Mal auch einfach auf neue Dinge konzentrieren kann. Mir macht auch einfach jedes Training wirklich einfach nur Spaß!

 

Anmerkung 5:

Ralf und Ralf: Ihr gehört auf die Comedy-Bühne!

 

Anmerkung 6:

Nach vielen ganz unterschiedlichen Trainings empfehle ich heute jedem ein Training mit Funkgerät und Kopfhörern mit Hör-Verbindung zum Trainer. Diese Trainings sind zwar etwas teurer, da die Betreuung intensiver und daher entweder die Gruppen kleiner oder die Anzahl der Trainer höher ist. Mir bringen diese Trainings aber auch einfach um ein vielfaches mehr. Warum? Schnell (oder auch nicht so schnell) erklärt:

Wenn mir nach 5 Durchgängen jemand sagt: „Du musst auch mal darauf achten, die Arme nicht so durchzustrecken.“, dann nehme ich das zwar wahr, aber so richtig kann ich mich nicht erinnern, was ich bei welchem Durchgang denn genau gemacht habe. Was genau soll ich jetzt anders machen und hoffentlich weiß ich beim nächsten Mal noch, was genau er meinte.

Wenn ich aber bei jeder Übung direkt eine Korrektur bekomme wie „streck die Arme nicht so durch“ und dann beim nächsten Mal vielleicht „viel besser, merkst Du den Unterschied ?“, dann kann ich damit tatsächlich etwas anfangen. So habe ich nämlich bei allen weiteren Durchgängen die Chance, genau das eben verbesserte Verhalten weiter zu üben und zu festigen, und das auch noch unter ständiger Kontrolle, nicht doch wieder was falsch zu machen.

Aber keine Sorge! Wer jetzt den Eindruck bekommen hat, hier wird einem 8 Stunden lang Kritik ins Ohr genörgelt, der liegt komplett falsch. Auch nette und lustige Sprüche bei einer vielleicht einmal auch total missratenen Übung lässt nie ein oberlehrerhaftes oder schlechtes Gefühl aufkommen, sondern auch einfach mal mit einem Augenzwinkern das Verbissene auflockern!

Mein Highlight beim letzten Training, als ich aus einer Geschwindigkeit von ca. 70 km/h eine Notbremsung auf Quarzsand (ca 5-8 Meter lang) bis zum Stillstand unter voller Ausnutzung des ABS machen musste? Ich hatte vorher echt Panik vor der Aufgabe! Aber nachdem ich das das erste Mal versucht hatte, hörte ich im Kopfhörer nur: „Sehr schön gemacht. Nun nur noch weiter atmen und immer schön lächeln!“ 🙂 Das nimmt wirklich ganz viel Anspannung aus Armen, Schultern und dem ganzen Körper, wenn man daraufhin fröhlich grinsend zum nächsten Durchgang fährt.

 

8 comments on “Safety first! 

    1. Das wird sicherlich super! Es gibt da tolle Trainings mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten! Bei dem Abendtraining (18-22 Uhr) würde ich an dem Tag aber trotzdem nicht arbeiten gehen. Ich persönlich wäre nach einem Arbeitstag nicht mehr in der Lage, in 4 Stunden hochkonzentriert Motorrad zu fahren. Zum Spaß immer und jederzeit, aber nicht mit Wissensbetankung im Hochdruckverfahren! 🙂

  1. Hab ja schon einige Trainings (auch beim ADAC) mitgemacht, aber noch nie auf Sand gebremst, noch nie mit Kopfhörern und noch nie in Grevenbroich. Klingt aber nach einer spannenden Erfahrung. Welches Training hast Du denn gebucht, ein „ganz normales“ Sicherheitstraining?

  2. Ich finde Deinen Schreibstil sehr ‚lesenswert‘, soll heißen, es wird nie langweilig 🙂
    Falls Du mal wieder ein Training buchst, schreib mal, vielleicht komme ich/wir mit …

    Viele Grüße
    Raven

  3. Also ich habe bei einem Sicherheitstraining meine Fahrqualität um 100% gesteigert. Blickführung und richtiges bremsen sind ja nicht ganz unwichtig, machte ich aber vor dem Training nicht gerade optimal. Habe das ganze beim ADAC in Lüneburg gemacht. Den Trainer fand ich zwar nicht so prall (hatte wohl am meisten Bock auf seiner Daytona um den Kurs zu rasen), insgesamt war das ganze jedoch wirklich lohnenswert.
    Dort wird auch ein Tages-Offroadtraining abgeboten. Für 99,- Euro inkl. KTM Freeride Leihgebühr lernt man dort, was man mit einem Motorrad noch so alles machen kann. Kann ich jedem empfehlen!

    1. Das ist der Unterschied zu uns Trainern in Grevenbroich, wir lassen unsere Teilnehmer fahren damit die sich weiter entwickeln können. Wenn dann fahren wir die Strecke vor oder fahren KurvenLinie vor und geben dann das Feedback von der Seite um weiter zu bringen.

      1. Naja, so war es bei uns auch. Ich fand nur, dass der Trainer etwas sportlich zu Werke gegangen ist…So kam es auch zu stürzen und ich pers. konnte das „Verfolgertempo“ nicht fahren. Egal, so oider so ist dieses Trining sehr wertvoll und hilft die fahrerischenK ompetenzen zu verbessern.

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