Fremdgegangen mit den Briten

Ich bin fremdgegangen,

aber so richtig, 30 Mal an einem Tag, oder sogar noch öfter!

Aber mal von vorne…

Am 13. und 14. Mai 2017 fanden in Boxberg auf dem Bosch Testgelände die Triumph Media Days statt. Journalisten, Blogger und andere Medienvertreter waren geladen, um einen Tag lang die aktuellen Modelle ausgiebig Probe zu fahren und einmal auf Herz und Nieren zu testen.

Da ich am Samstag noch bis spät abends einen Termin hatte, kam ich Sonntags todmüde in Boxberg an. Eigentlich kein guter Start in den Tag. Aber die herzliche Begrüßung von Rainer vom  Motorrad Action Team an der Schranke ließ mich doch wieder strahlen, ein erstes bekanntes Gesicht!

Nach der Anmeldung und dem Ankommen gab es zunächst einmal einen wirklich kurzen und netten Film über die Geschichte der Firma Triumph.

Aber dann ging es auch schon los. Für den Vormittag standen die „modernen Klassiker“ auf dem Programm. Je ein Tourguides des Action Teams und ein Triumph Mitarbeiter begleiteten die beiden „Landstraßen-Gruppen“ kreuz und quer durch die Gegend, über die Jagst, dreimal links und viermal rechts.

Das große Highlight war die Möglichkeit, hier wirklich einmal bei jedem Stopp wieder die Motorräder durchzutauschen, gleiche Modell mit unterschiedlichen Motoren oder unterschiedlichen Ausstattungsvarianten und Designpaketen zu testen.

Ich habe mich spontan auf die Street Scrambler gestürzt, um mich mit ihr todesmutig vom Testgelände runter in den Straßenverkehr zu wagen.

 

Meine etwas hochbeinigere V-Strom gewöhnt, musste ich mich kurz mit der ungewohnten Sitzhaltung vertraut machen, aber ansonsten befand sich für mich alles da, wo ich es erwartet habe. Die Füße traten nicht ins Leere auf der Suche nach Bremse und Schalthebel, die Proportionen und die gesamte Ergonomie gefielen mir sehr gut.

Sie hängt auch freudig am Gas und macht alles brav mit, aber um ihr die Sporen zu geben, braucht man auch Drehzahl. Sie ist wahrlich nicht langsam, aber mir fehlte ein wenig die Spritzigkeit, die ich eigentlich erwartet hatte, angesicht doch einer eher schlanken Silouhette im Vergleich zu einigen anderen „Klassikern“.

Beim ersten Stopp wollte ich auf Thruxton wechseln, ein Café Racer mit 1200 cm³. Im ersten Anlauf habe ich aber das umgebaute Modell mit dem extrem niedigen und gekröpften Lenker erwischt, so dass ich mit einem treuen Augenaufschlag auf die Street Twin wechseln durfte.

(Anmerkung des Autors: die zweite Thruxton hat bei unserer Gruppe wahre Jubelstürme verursacht. Alle waren total begeistern von Fahrwerk, Fahrspaß und überhaupt dem ganzen Motorrad. Ich dagegen ärgere mich immer noch, dass ich mich nicht später noch mal an eben diese Thruxton heran gewagt habe. Aber die Sitzhaltung auf der ersten hatte mich schon nachhaltig verschreckt. )

Die Street Twin mit ihren 900 cm³ machte direkt so viel mehr Spaß als die Screambler. Sie wirkte noch agiler, viel drehfreudiger und brauchte meines Erachtens auch nicht ganz so viel Fleiß im linken Fußgelenk.

 

Sie hing am Gas, wenn sie am Gas hängen sollte, sie ließ mich cruisen, wenn das erforderlich war, flitzte durch enge Kurven und blieb spurtreu bei weiten schnellen Kurven. Im Vergleich zur Scrambler wäre dies eher mein Favorit. Aber der Modelltest war ja noch nicht zu Ende.

Das nächste Motorrad war aus der Bonneville-Reihe die T100, bei der ich mich noch ein bißchen wohler gefühlt habe als auf den beiden vorhergehenden Modellen. Ich gebe aber auch ganz offen zu, dass ich mich von Motorrad zu Motorrad leichter getan habe, mich an die neue Sitzposition, das andere Fahrwerk, den anderen Motor etc, zu gewöhnen. Vielleicht macht auch dies das immer bessere Abschneiden jedes weiteren Bikes aus. Vielleicht sollte ich öfter mal „fremdgehen“..?!

 

 

Die T100 fand ich optisch schon sehr gelungen und das soll ja – Gerüchten zufolge – bei Frauen kein ganz unwichtiges Thema sein. Aber auch sonst gefiel sie mir vom Sound, vom Fahrwerk und ihrem ganzen „Benehmen“. Das hört sich jetzt vielleicht alles so brav und bieder an, aber eigentlich ganz im Gegenteil, die T100 ließ mich verstehen, was andere an Naked Bikes und  „modernen Klassikern“ finden.

Mein letztes Experiment war die Bobber. Optisch ein Knaller mit dem kurzen Heck, dem Einzelsitz, dem breiten Lenker und dem bulligen Auftreten. Bobber heißt sie von der Bob-Frisur, die auch hinten so kurz geschnitten ist. Ich glaube das aber nicht. Sie heißt Bobber, weil bei Frauen soviel „Bobbes“ auf dem Einzelsitz zu sehen ist! 😉 Unvorteilhaft, unvorteilhaft! 😉

 

 

Beim Fahren habe ich mich bei ihr am Schwersten getan. Aber keineswegs wegen des Motorrads an sich, dem Fahrwerk oder etwas anderem, dass ein echter Kritikpunkt sein könnte. Aber die Sitzposition war so gar nicht meins. Meine Füße dauerhaft VOR meinem Körperschwerpunkt zu haben, kann nur ein echter Chopperfahrer genießen. Für mich war es definitiv ungewohnt, dass die ein oder andere tiefe Bodenwelle mich von meiner ledernen Sitzschale hob.

Zwei Erkenntnisse hatte ich: Durch das warme Wetter hatte mein Helm Mücken, ich durch die ungewohnte Haltung ein bißchen Rücken! Und wenn sich solche Gedanken reimen, ist es höchste Zeit für eine Pause! 😉

Aber wir waren eh schon auf dem Weg zurück zum Testgelände und der verdienten Mittagspause!

Die Motorräder durften wir wie beim Boxenstopp zum Volltanken und „umlabeln“ einfach stehen lassen, der Hunger hätte uns aber auch so schnell wieder ins Haus getrieben.

Immer noch untreu…

Gut gestärkt startete die zweite Tageshälfte mit einer wirklich tollen und spannenden Einführung in den Aufbau und die Zusammenhänge der einzelnen Modellreihen. Gebe ich doch zu, dass ich vor den MediaDays versucht habe, mir die Theorie der Modelle in mein Gehirn zu prügeln (leider ohne Erfolg), schaffte Miles Perkins als Brand Manager dies spielend!

Aber schon ging es weiter bei den Zweirädern. Durfte die „Testgelände“-Gruppe vom Vormittag nun die Klassiker auf der Straße testen, so ging es für uns Cruiser nun auf den Adventure- und Street-Modellen auf das Testgelände.

Angefangen haben wir auf einem eigentlich nur bedingt anspruchsvollen Parcour. Ein bißchen Ausweichen, ein paar enge und weitere Kurven und eine langgezogene Tempokurve ließen einem die Möglichkeit, sich für ein paar Runden auf das jeweilige Motorrad einzuspielen. Feige wie ich bin habe ich mit der für mich leichtesten Variante begonnen, einer Tiger 800. Hier fühlte ich mich sofort zuhause, ein bißchen Reise, ein wenig Enduro und eine Prise Spritzigkeit ließen mich begeistert um die Kurven fahren.

Schon habe ich auf die Tiger Explorer gewechselt. Obwohl ich gefühlt so viel mehr Motorrad unter mir hatte, fuhr sie sich wie ein Fahrrad und machte mehr als willig jedes Fahrmanöver mit. Einzig mit der Einstellung der Kupplung hatte ich zu kämpfen. Da dies aber von allen Motorrädern über alle Modellreihen hin das einzige Motorrad mit diesem „Problem“ war, halte ich es für eine ganz individuelle Einstellungssache, die man nicht dem Motorrad an sich, nur genau diesem Testfahrzeug (und meinem Unvermögen, mich daran zu gewöhnen) anlasten kann.

Foto von MOTOR RAUSCH

Noch eben auch die Tiger Sport ausprobiert, die mit ihren gut 200 cm³ vermutlich die Lücke zwischen Tiger 800 und Tiger Explorer schließen soll. Ich persönlich finde da aber die Tiger 800 vollkommen ausreichend und hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass mich die Tiger Sport besser, schneller oder sportlicher ans Ziel bringen würde.

Nach dem Besuch meiner Komfortzone mit der Tiger-Reihe konnte ich mich dann ja mal an die Straßenmotorräder wagen, besser die Roadster und Supersportler.

Die ersten Meter noch mit mächtig Muffensausen, immerhin waren wir an dem Wochenende weltexclusiv die ersten, die alle Street Triple Versionen (S, R und RS) im unmittelbaren Vergleich Probefahren durften. Da zittert die Gashand schon ein wenig vor Sorge, nun vielleicht das einzig verfügbare Modell „mal eben“ auf den Boden zu werfen.

Aber erstaunlich schnell habe ich mich auf den Straßenmotorrädern wohl gefühlt. Sehr agil machten sie jedes Fahrmanöver mit, auch durch die eher engeren Passagen des Parcours tanzten die Zweiräder munter ihren Tanz. Egal ob 113 oder 123 PS, die Motorräder hatten alle eine tolle und gleichmäßige Leistungsentfaltung, so dass man sich darauf freuen konnte, diese später auf dem Hochgeschwindigkeitsoval einmal an die Grenzen (an die eigenen!) zu bringen!

Kaum gedacht, schon gemacht!

Jeder schnappte sich das am nächsten stehende Motorrad und es ging schnurstracks auf das Hochgeschwindigkeitsoval. Schon bei der Einführungsrunde staunte ich über das Beschränkungsschild „160“ vor der hinteren Kurve – also doch nur Schleichfahrt! 😉

Da ich mich gerade auf einer Speed Triple gebettet hatte, wurde dies auch mein Premierenritt auf dieser Strecke. In luftiger Textilkleidung auf einem Streetfighter über die Strecke segeln, das hatte schon was. Während ich mit mir, der Kleidung und dem Motorrad kämpfte (und mir schon unvorstellbar schnell vorkam) , wurde ich fliegend von anderen der Gruppe überholt. Aber irgendwie lag mir die Speed Triple schon im Parcour nicht so, also konnte ich es auch hier sehr einfach auf das Material und nicht das eigene Unvermögen schieben.

Für die nächste Runde schnappte ich mir die Explorer wieder und siehe da, meine Welt war wieder in Ordnung. Kopf hinter der Scheibe einziehen, Beine an den Tank und ganz flugs waren die 200 km/h hinter mir gelassen. Reisen kann so angenehm sein! 😉

Foto von MOTOR RAUSCH

Aber auch die nächste Runde mit der Street Triple war wieder angenehmer als auf der Speed Triple, soll es halt so sein.

Nach immer drei Runden mussten wir wechseln, aber auch ganz dringend den Wasserhaushalt wieder auffüllen. So schwer man es glauben mag, so anstrengend war es!

Den Rest des nachmittags vergnügten wir uns auf einem Rundkurs mit engen Kurven (dem „Stilfser Joch“) und weiteren Kurven in unterschiedlichen Radien, bei denen wir unter Anleitung unserer Trainer vom Action Team noch einmal allgemein an unserer Haltung und Fahrweise arbeiten, aber auch die unterschiedlichen Fahrstile je Motorrad bewusst testen konnten.

 

 

Auf dem Stilfser Joch musste ich leider wieder mit der Kupplung der Explorer kämpfen. Gefühlt 0,5 cm Kupplungsweg in Summe geben doch wenig Spielraum! Aber ansonsten unglaublich agil und leichtfüßig diese gut 250 kg Leergewicht.

 

Foto von MOTOR RAUSCH

 

Erstaunlich leicht fiel mir mittlerweile der Wechsel von Tiger 800 zu Street TRiple RS zu Eplorer hin zur Speed Triple. Schnell gewöhnte man sich an die Fahrzeuge und die Unterschiede.

Final muss ich aber festhalten, dass meine Welt die der handlichen Reiseenduros ist! Auf der Tiger 800 habe ich mich mit Abstand am wohlsten gefühlt. Gefolgt würde diese im Ranking für mich total überraschend von der Bonneville T100 (die T120 bin ich nicht gefahren.). Das ich mal Spaß an einem „Klassiker“ habe, wer hätte das gedacht. Die Straßenmaschinen sind für mich weit abgeschlagen. Sie machen wahnsinnigen Spaß und es ist toll zu spüren, dass bei 180 km/h noch richtig was passiert beim Gas geben. Aber ich bin Textil-Kleidungs-Fahrer und immer mit mehr Gepäck unterwegs als „frau“ jemals braucht. Daher passt dieser Typ Motorrad einfach nicht zu mir, auf dem Testgelände aber jederzeit wieder sehr, sehr gerne!

 

 

Abschließend noch ganz viel Danke!

Danke an Chris von MOTOR RAUSCH, der uns den ganzen Tag als Paparazzi verfolgt hat und für die tollen Bilder gesorgt hat.

Vielen Dank an die Trainer und Tourguides vom Motorrad Action Team, die uns auf der Straße und Strecke toll betreut haben.

Aber der größte Dank geht an Triumph Deutschland für die Einladung und die tolle Rundum-Versorgung! Ohne euch hätte ich nicht an einem Tag so viel fremdgehen können.

Ach ja:

Honda, Suzuki und ihr anderen: Ich habe 2018 noch Termine frei! 😉

3 comments on “Fremdgegangen mit den Briten

  1. Mann oh Mann oder besser: Frau ohhh Jule: Fremdgehen hätte ich Dir gar nicht zugetraut, wo Dir die kleine schwarze doch so gut steht. Aber war bestimmt ein tolles Erlebnis!
    Anmerkung: ein bisschen neidisch bin ich schon!

    Gut, dass morgen als einzige Fremdgänger die vertrauten BähEhmWähs dabei sind 🙂
    Bis gleich…
    kleiner Held

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