Donnerstag, 40- 70 – 40

Heute klingelt der Wecker eine halbe Stunde früher als gestern, immerhin haben wir heute wieder über 400 km auf kleinen Straßen auf dem Programm. Zwar sind wir beide wieder kurz vor dem Wecker wach, schaffen es aber diesmal mit geschlossenen Augen noch ein bisschen das Liegenbleiben zu genießen. Sollten wir die 800 km etwa schon den Knochen haben?! Niemals! 😉

Das Frühstück in der Pension ist okay, aber auch nicht üppig! So ist es ein Leichtes für uns, fertig gepackt und dann unter den neugierigen Blicken der anderen Gäste den Hof wieder zu verlassen. Weit kommen wir nicht, denn auf deutscher Seite bekommen unsere beiden treuen Begleiter noch einmal guten deutschen Sprit. Aber dann schon huschen wir über die Grenze.

Das Grenzschild huscht rechts an uns vorbei

Irgendwie schon sehr aufregend, immerhin ist es ab hier absolutes Neuland für uns. In Slowenien und Kroatien habe ich zumindest ein paar Wörter und Floskeln in der Landessprache gekonnt, aber bei einem Blick in das Polnische, Lettische ode Estnische habe ich erst gar nicht den Versuch gestartet, mir das Kauderwelsch ins Hirn zu prügeln.

Die ersten Wechselstuben in baufälligen Holzhütten lassen wir noch kritisch links liegen bis wir feststellen, dass wir auf diese Art und Weise auf keinen Fall an polnisches Bargeld kommen. Also doch rechts ran gefahren und einen jungen Mann von der Bank aufgescheucht. Er entpuppt sich als besonders nettes Exemplar, wechselt erst das Geld und gibt uns dann wirklich noch gute Ratschläge bezüglich der polnischen Polizei mit auf den Weg. Dies führt dazu dass wir bis zur Fähre so vorschriftsmäßig fahren wie noch nie auf dieser Tour. Ich glaube, wir müssen uns an den sich stauenden Verkehr in unseren Rückspiegeln gewöhnen. 😉

Zwischen polnischen Truckern und anderen Berufstätigen erklimmen wir die Fähre in Swinemünde.
Was für ein Glück, nicht eine Minute Wartezeit!

Eiserne Lady – also das Schiff 😉

Die darauffolgenden Kilometer sind noch aufregend und spannend, immer ein Blick auf die Verkehrsschilder (die wir bis auf die Zahlen eh nicht lesen können), ein Blick auf Tacho und Navi und ein Blick in den Rückspiegel, ob Monika durch langsameres Fahren als ich andeutet, eventuell ein Schild mehr als ich entdeckt zu haben. Denn der polnischen Polizei unsere hart verdienten Zloty in den Rachen zu werfen und mit ihnen in einer uns nicht bekannten Sprache zu diskutieren, steht nicht weit oben auf unserer Wunschliste!

Schnell finden wir die Küstenstraße 102, die wir uns schon im Vorfeld für den ersten Teil des Tages ausgeguckt hatten!

Mal konnte der Blick schweifen, …

 

.. mal sah man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.

Leider nicht auf der Karte erkennbar ist, dass innerhalb der Ortschaften über Kilometer eine Beschränkung von 40 km/h gilt. Schön zum Gucken, aber extrem schlecht, um viele Kilometer zu machen! Ein Souvenirladen reiht sich an den nächsten. Wir sind nicht wirklich traurig, keinen Platz mehr im Gepäck zu haben!

 

Schattenparker

 

Nach einem kurzen Stopp auf einem Parkplatz entschließen wir uns, erst mit Blick aufs Wasser eine Pause einlegen zu wollen. War dies eine gute Idee?!

In irgendeinem Reiseführer hat jemand geschrieben, dass die Stadt Kolberg einen Besuch wert ist. Vielleicht hätte er auch schreiben sollen, welches Kolberg, wo genau, und zu welcher Zeit! Was wir gefunden haben, sind Baustellen, Hunderte von Fahrradfahrern, furchtbar hässliche Häuser und alles in allem eine Zusammenstellung, die uns nur „raus hier!“, „raus hier!“ und „raus hier!“ denken lässt!

 

Viele, wirklich viele Kilometer später können wir die Augen kaum noch aufhalten und müssen schweren Herzens erkennen, dass irgendwer zwischen uns und das Meer einfach so irgendwelche Dünen hingestellt hat. Das Schwein!

Wasser, wir sehen Wasser!

Auf der weiteren Strecke ist uns nicht mal ein Blick auf die Ostsee wegen der Bäume gegönnt. Verrat! In unserer Verzweiflung stürzen wir uns in die nächste Touristenbude, um ganz einfallsreich bei Pommes mit Ketchup und Pepsi aus der Flasche unseren Traum von der Pause am Meer zu begraben. Immerhin, günstig war’s!

Gerne würde ich auch mehr Eindrücke von den vielen Orten an der Küste schreiben, aber leider hat bei der Eingabe dieser absurden Ortsnamen meine Tastatur die Zs, Js, und Cs irgendwann verweigert. 😉

Nach unserer Zwangspause wird die Strecke schöner, es sind tolle Cafes am Straßenrand und wir ärgern uns nur ein klitzekleines bisschen schwarz, dass wir nicht doch noch ein paar Kilometer ausgehalten haben.

Tolle Ausblicke links und rechts der Strasse

 

Einen allerletzten Versuch ans Meer zu fahren, unternehme ich in Jaroslawiec. Immer mit dem verzweifelten Blick auf das Navi schaue ich, ob ich irgendwo das Meer erkenne und fahre in die nächstbeste Straße links rein. Manchmal ist das Glück hier mit den Dummen, denn nur 50 m vom Sand entfernt können wir sicher die beiden Motorräder parken und uns endlich wieso lange erträumt den salzigen Ostsee Wind um die Nase wehen lassen.

 

Wie kitschig! 😉

Es gibt sie also tatsächlich, die polnische Ostsee! Wir hatten dies für ein Gerücht aus einem Reiseführer gehalten.

Wir haben bei der Bummelei über die Küstenstraße unheimlich viel Zeit verloren. Daher nehmen wir die an uns vorbei fahrende Polizei zum Anlass, die nächste Etappe bis Slupsk in Angriff zu nehmen.

Ein Kaffee für uns, Sprit für die beiden Motorräder und es geht immer noch trocken auf die letzten Kilometer nach Danzig. Von einer Ankunft vor 18 Uhr können wir nur noch träumen. Bedrohlich türmt sich rechts von uns ein Unwetter zusammen, erste Blitze lassen uns zusammen zucken.

Dunkle Wolken am Horizont

Aber wir schaffen es tatsächlich noch eine ganze weitere Stunde im Zickzackkurs dem Wetter zu entkommen. Aber dann ist es vorbei mit der Trockenheit, und ein kurzer aber kräftiger Vollwaschgang lässt die Wettervorhersage für den Tag doch nicht so absurd erscheint.

Wir sind immer noch auf dem kurvenreichen Kurs, aber einige der nun folgenden Straßenkilometer hätte ich lieber in trockenem Zustand gesehen.

 

Treu führt uns TomTom bis zu unserem Hotel mitten in der Innenstadt von Danzig. Müde fallen wir zuerst auf die Betten, besinnen uns dann aber doch unserer kulturellen Verpflichtung. Also ab unter die Dusche, in die Kleidung geworfen, und noch eben zu einer kleinen Sightseeing Tour aufbrechen.

Schon nach wenigen Metern wissen wir, dass wir es bereut hätten, uns nicht noch die Innenstadt von Danzig mal eben angesehen zu haben.

Nach leckeren Piroggen und einem noch viel leckereren Schwarzbier fallen wir müde und zufrieden in unsere Betten.

1300 km in 3 Tagen, für den Anfang nicht schlecht! Bis morgen!

Hjammm

Anmerkung 1:

Ich hatte zwar morgens schon behauptet, dass wir nicht vor 17 Uhr nass werden. Das hieß aber nicht, dass wir es nach 17 Uhr unbedingt auch werden WOLLTEN. 😉

Anmerkung 2:

Wir sind ja sowas von tiefenentspannt. Dass wir bei unserer so vorschriftsmäßiger Fahrweise immer mal wieder von Einheimischen überholt werden, lässt uns mittlerweile total kalt.

Anmerkung 3:

Was hat es eigentlich mit der Überschrift dieses Beitrags auf sich? 40-70-40? Dies waren zu zwei Dritteln des Tages die Verkehrszeichen für uns. 40 km/h in den Ortschaften, 70 km/h auf der Landstraße. Erst auf dem letzten Drittel Richtung Danzig durften auch wir erfahren, dass stellenweise 90km/h gefahren werden darf.

Beim nächsten 40 km/h Schild schreie ich!

2 comments on “Donnerstag, 40- 70 – 40

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.