Dienstag – Wasserschlacht, die zweite

Nida! Frühstück gibt es erst um 8 Uhr, aber wir müssen insgesamt 420 km heute bis Riga auf unseren Pferdchen absolvieren. Also wird vorm Frühstück schon soweit gepackt, dass wir die Rollen sicher verzurren können.

Das Frühstück ist auch eher sättigend als wirklich lecker. Es ist einfach sehr praktisch gehalten, der O-Saft wird einmal an einer Orange vorbeigefahren sein und auch die Brötchen suchen noch nach Geschmack. Leicht angebräuntes Obst wartet lieblos durchgeschnitten auf jemanden, der sich seiner erbarmt, und die Marmelade aus dem Eimer kann man sich mit Schöpfkelle auf den Teller tun. Einzig der Blick aus dem Restaurant ist fantastisch. Direkt aufs Meer!

Aber wir wollen hier ja auch nicht alt werden, sondern uns auf den Weg weiter die Küste herauf machen, um dann in Jurkalne rechts Richtung Riga abzubiegen.

Blick von der Hotelterrasse

Bis zur Fähre ist es uns noch gegönnt, mit Flecken von blauem Himmel durch die wunderschöne Landschaft zu fahren. Doch pünktlich vor der Fähre fängt es an zu regnen, so dass wir die kurze Fahrt nutzen, um wenigstens die Regenjacken überzuwerfen. In Klaipeda dann eben noch ein Tankstopp, der genutzt wird, auch noch die Hose dazu zu packen. 

Eine gute Entscheidung! Denn die nächsten 40 km begleitet uns unser Lieblingswetter – strömender Regen!  

Wir fahren der Karte nach auf einer Autobahn, auf der es aber ungefähr alle 2 km auf eine Möglichkeit zum Wenden gibt. Etwas befremdlich für uns. Ich bin froh, gestern meinen Scottoiler von der Stufe „S“  wie „siffen“  auf „OS“ wie „obersiffen“ umgestellt zu haben, denn die Kette braucht dringend Pflege.

Am Flughafen von Palanga wechseln wir kurz unsere Positionen und Monika darf ein paar Kilometer voraus fahren. Warum? Seht selbst!

100.000 km auf dem Tacho der treuen CBF

Wir finden ein ganz tolles Café auf der rechten Seite der Autobahn, welches sich aber unerbittlich zeigt, uns 20 Minuten vor Öffnungszeit einen Kaffee zu servieren. Also fahren wir noch ein Stückchen weiter, bis wir neben einem Campingplatz ein ebenso nettes Hotel mit Kaffee finden. Hier lässt es sich aushalten. 

Der Kaffee ist allerdings Marke „Rachenputzer“ und lässt sich auch mit häufigem Milch-Nachschütten nur bedingt trinkbar machen. Aber was beschweren wir uns – die Toiletten sind fantastisch und für ein trockenes Plätzchen zur Pause tun wir eh gerade alles

Der Hoteleingang
Sie mussten leider draußen warten

Während der Pause überlegen wir noch, ob wir die Regenklamotten ausziehen. Aber bei 15 Grad sind wir froh, um das bisschen Wärme, die sie auch spenden. Wiederum eine gute Entscheidung. Denn kurz danach setzt erst der leichte Regen wieder ein, um dann stärker zu werden und uns dann einige Kilometer lang als Starkregen zu begleiten.

Straße unter Wasser

 

Wir sind aber gar nicht so böse darüber. Denn die Strecke vorher war so langweilig geradeaus, dass ich nach 20 Minuten ein Kartenspiel herausgeholt habe, um mir mit Monika während der Fahrt die Zeit zu vertreiben. 😉 

Wie Monika es bis an den Abzweig nach Jurkalne geschafft hat, kann ich leider nicht mehr sagen, da ich bis dahin tief und fest eingeschlafen war. Aber an der einzigen Tankstelle weit und breit wache ich auf, und wir sehen mehr Motorradfahrer auf einem Haufen als sonst im ganzen Laufe unserer Reise.

Links die bösen Jungs, rechts die braven Mädchen

Vielleicht ist es ja ein versteckter Bikertreff…

Vollgetankt, Blase entleert, und weiter geht es nun streng ostwärts Richtung Riga. Möge der Wettergott mit uns sein.

Im Reiseführer stand, dass es auf der Strecke tolle Wasserfälle gibt! Da wollen wir hin! Leider scheinen wir den Reiseführer nicht gut gelesen zu haben, denn die Wasserfälle befinden sich aus den Wolken kommend auf den nächsten 6 km Wegstrecke. Sturzbachartig ergießt sich der Regen auf uns, die Felder, die Straßen, die sich augenblicklich in Bäche verwandeln.

 

See, Straße oder beides?

Nach den Erlebnissen von vorgestern kann uns das aber nicht wirklich schocken und unverdrossen fahren wir weiter. Wo auch unterstellen in einem menschenleeren Land, wo es zwar im Nichts Bushaltestellen gibt, die aber selbstverständlich nicht überdacht sind?!

Wofür sollen wir also stehen und nass werden, da fahren wir doch lieber und werden genauso nass.

Aber auch der schlimmste Regen hört irgendwann auf und wir finden in Kuldiga tatsächlich die im Reiseführer beschriebenen Wasserfälle. Sie sind nicht spektakulär hoch, nur ziemlich breit, aber wir haben einen tollen Blick darauf und können trockenen Fußes und trockenen Fingers die Wasserfälle fotografieren. Nur den Helm abnehmen, das wollten wir nicht mehr.

Wasserfälle in Kuldiga

Wir bitten ein nettes Pärchen auf englisch, ein Foto von uns vor den Wasserfällen zu machen. Der Mann murmelt leise zu seiner Begleitung auf deutsch, dass wir wohl besser unseren Helm abnehmen sollten. Unter großem Gelächter outen auch wir uns als Deutsche, und haben so die Chance auf ein bisschen deutschen Smalltalk tief im Landesinneren von Lettland.

Wir besteigen wieder unsere Rösser und machen uns weiter auf den Weg nach Riga. Ein paar Kilometer sind es ja noch. 

Vor uns baut sich die nächste schwarze Wolkenwand auf, mit einem Blick auf die Karte hoffen wir aber noch, diese zu umfahren. Zu früh gefreut! Auch dieser Gewitterschauer kündigt sich mit einem gleißenden Blitz an, bevor sich wieder die Wolkenbrüche über uns ergießen.

Wieder haben wir Glück, wieder schneit es nicht! Aber bei 10 Grad Außentemperatur trommelt diesmal zur Abwechslung auch Hagel auf Helm, Verkleidung und Tankrucksack. Ob dies unsere Stimmung trübt?! Mitnichten!

Stimmung ist und bleibt bestens

 

Als wie aus dem Nichts eine große Tankstelle vor uns auftaucht, machen wir einen kurzen Kaffeestop, und betrachten das hinter uns liegende Unwetter.

 

Da sind wir durchgefahren….

 
Unglaublich, dass wir da gerade durchgefahren sind! Bei diesem Stopp fällt wieder auf, was uns seit Beginn unserer Reise durch Lettland aufgefallen ist: Die sanitären Anlagen sind ausnahmslos in einem hervorragenden Zustand! Dies haben wir weder in Polen, noch in Litauen so gehabt. Außerdem muss man sagen, das mit dem Grenzübertritt von Litauen nach Lettland sich die Mentalität der Menschen wieder geändert hat. Habe ich die Litauer noch als etwas muffig bezeichnet, sind die Letten so etwas von freundlich und zuvorkommend. Auf der Autobahn zeigen uns Lkw-Fahrer frühzeitig an, ob wir überholen können oder nicht. Sie machen bereitwillig Platz, gehen vom Gas und es macht einfach Spaß, hier zu fahren!

Nach etwas mehr als 400 km und mehreren Dusch-Vorgängen sollte man meinen, dass wir nur noch ins Hotel wollen. Aber wir sind ja nicht so weit gefahren, um uns im Hotel auszuruhen. Also den Blinker links gesetzt und noch mal flux an die Küste Richtung Jurmala abgebogen. Immerhin wird auch dies als mondäner Badeort in unseren Büchern erwähnt. Dass die aber 10 km später von uns Maut haben wollen, um an der Küste entlang durch die Stadt zu fahren, sprengt dann doch unsere Geduld! Wieder den Blinker rechts, zurück auf die Autobahn, und dann doch auf dem direkten Weg nach Riga.

 

Von rechts droht neues Ungemach

 

Bis wenige Kilometer vor Riga läuft es auch gut, aber dann versuchen wir auf insgesamt 6 km immer wieder links abzubiegen, was aber per Schild zwischen 7 Uhr und 22 Uhr verboten ist. Beim sechsten Schild reißt mein Geduldsfaden und ich stelle mich blinkend in den Gegenverkehr. Mit viel Geduld quälen wir uns durch den Innenstadtverkehr von Riga, um dann unser wirklich zentral gelegenes Hotel zu erreichen. Das letzte Abenteuer ist die Abfahrt per Aufzug in die Tiefgarage. Aber dann haben wir es geschafft, Feierabend! Unser Feierabendbier sieht heute mal etwas anders aus, schmeckt aber hervorragend!

Wir haben fertig – nach 458 Kilometern

Anmerkungen des Tages:
Anmerkung 1:

Noch geben dass wir es nicht zu, aber auf Sightseeing in Riga haben wir gerade so gar keine Lust. Mal sehen, ob sich dies in den nächsten Minuten noch ändert! Sonst werden wir einen kulturellen Höhepunkt der Reise einfach nicht durchführen und die Innenstadt Innenstadt sein lassen. Immerhin war in unseren Reiseunterlagen bereits eine Postkarte von Riga, dann schauen wir uns die halt heute Abend an.

Edit:

OK, wir haben es uns nicht nehmen lassen und sind trotz des wieder einsetzenden Regens noch eben bis in die Altstadt gelaufen.

 

Kulturprogramm

 

noch mehr Kultur

Anmerkung 2:

Nach heute 458 km kommen uns die 350 km morgen als kurze Tour vor… Die 3000 km in Summe haben wir auch schon hinter uns gelassen….

Anmerkung 3:

Der Regenkragen geht zurück an Reusch. Heute habe ich mir so viel von der Haube unter den Helm geschoben, dass mich die daraus resultierenden Falten vermutlich mein Leben lang auf der Stirn zeichnen werden. Trotzdem habe ich wieder einen nassen Hals, nasse Haare und den nassen Sack um den Hals… Fehlkonstruktion oder bin ich zu blöd, ihn zu bedienen…

Anmerkung 4:

Baustellen entwickeln bei dem Wetter ihren ganz eigenen Reiz… 

Romantische Schlammschlacht vor der Küste

 

Anmerkung 5:

Laut Statistik soll es im Juli ungefähr 8 Regentage in dieser Region geben. Wir fragen uns, warum 12 davon schon auf unsere drei Reisetage fallen. Wenn aber die Wetterberichte nicht lügen, sollte es das an großen Unwettern erst einmal gewesen sein. Wir hoffen weiter, da es morgen auf unbefestigten Straßen in den Gauja-Nationalpark gehen soll. 

6 comments on “Dienstag – Wasserschlacht, die zweite

  1. Nicht verzweifeln! Auch der schlimmste Regen hört irgendwann mal auf.
    Schön, dass Ihr Euch trotzdem nicht die Laune verhageln lasst.
    Ihr schreibt so interessant, freu mich immer schon auf Euren Bericht.
    Bleibt munter

  2. Nie zuvor sah ich schönere Schlechtwetterbilder. Dagegen sind doch schlechte Schönwetterbilder ein Schmarren.
    Respekt und Hochachtung, dass ihr euch nicht die Laune verderben lasst.

    Liebe Grüße sendet W.S. aus L.

  3. Moni, Jule: ist denn mein Sonnenschein, den ich geschickt habe, noch nicht angekommen?
    Ich brauche den die nächsten Tage nicht mehr, also guckt mal in den Brirfkasten!
    Euch alles Gute!

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