Sonntag – Wasser – Burg – Wasser

Guten Morgen! Viel zu früh sind wir wieder wach. Die Nacht war unruhig, viel Lärm auf der Straße und das ständige Rauschen der Autos im Regen ließ einen auch kein Auge zumachen. Unsere Hoffnung, dass das Wetter morgens wieder aufklart, stirbt beim Blick aus dem Fenster. Der strömende Regen von Freitag hat uns wieder. Auch ein Blick in die Wetter-App für unser heutiges Ziel Kaunas verspricht keine Besserung. Wir werden also als allererstes die Regenkombis von den Motorrädern holen. Schade!

Unter großer Anteilnahme einer deutschen Reisegruppe beladen wir im leichten Nieselregen unsere Motorräder. Mein Gott, sind die dreckig! Recht früh machen wir uns also auf die Socken, um zunächst über kleinere Straßen Richtung Suwalki zu fahren. Mal regnet es mehr, mal weniger und mal ist es auch trocken, aber die Entscheidung für die Regenkombis war definitiv die richtige. Aber unsere Stimmung ist gut und wir kommen hervorragend voran. Als wir um 10 Uhr in einem total netten Hotel unseren ersten Kaffee Stopp einlegen, stehen schon weit mehr als 100 km auf unserem Tacho.

 

Kaffeestop!

Es dauert zwar gefühlt 20 Minuten, bis wir alle Schichten wieder ausgezogen haben, aber der Kaffee schmeckt fantastisch und bereitet uns auf das Wieder-Anziehen der Regenkleidung vor.

Wir bezahlen im Café und machen einen kurzen Kassensturz unserer noch verbleibenden Zloty-Finanzen. Dies dürfte genau noch für einmal gemeinsames Tanken reichen. Also halten wir wenige Kilometer vor der Grenze an und machen die Motorräder noch einmal voll. Es passt tatsächlich fast haargenau, als hätten wir es schon viele hundert Kilometer vorher genauso geplant.

 

Die letzten 52 Zloty

 

Ein paar Minuten später ist es soweit und wir passieren die Grenze nach Litauen. Es regnet zwar in Strömen, aber trotzdem ein erhabenes Gefühl.

Der Grenzübergang

 

Daaaaaaa ist Litauen

In Litauen ändert sich schlagartig das Wetter, das Licht wird heller, der Regen stärker und wir glauben auch, dass sich die Temperaturen auch geringfügig geändert haben. Ich wusste schon, warum ich unbedingt in dieses Land möchte! 😉

Über berühmte Orte wie Lazdijai fahren wir im uns ständig begleitenden Regen weiter Richtung Trakai. Die Straßen sind in wirklich sehr gutem Zustand, wir sind begeistert. Bei gutem Wetter wäre es uns vielleicht etwas zu langweilig, aber angesichts der Wetterverhältnisse sind wir nicht wirklich böse, dass wir gut und zügig vorankommen.

In Alytus möchten wir eigentlich wieder einen Kaffee trinken, oder Mittagessen, oder einfach beides machen. Vor allen Dingen aber noch mal aus den Regenklamotten raus. Aber wie schon in Polen ist hier unvorstellbar viel Landschaft, aber weit und breit nichts zum Essen und zum Trinken. Bei dem ständigen Wind und Regen haben wir nicht einmal Lust, uns mit unseren Müsliriegeln und Wasser an den Straßenrand zu stellen.

Also bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter und weiter durch die wirklich phantastische Landschaft zu fahren. Trotz der schlechten Sicht genießen wir das, was wir sehen. Klar, schöner wäre es mit Sonne. Da wäre gelb noch gelb, grün noch grün und auch die Blumen würden unterschiedlich leuchten. Aber wir fahren durch eine  Mischung aus Heidelandschaft, den hügeligen Wiesen von Schottland und bunten Häusern wie in Schweden.

 

Bullerbü

 

Hinter Aukstadvaris finde ich dann doch noch direkt am See eine nette kleine Hütte, die uns auch so nass wie wir sind, gerne für einen kleinen Snack beherbergt.

Ein paar obligatorische Fotos dürfen nicht fehlen, und wenn wir euch jetzt noch erzählen, dass wir auch das Seeungeheuer gefunden haben, dann wisst ihr, die Pause war perfekt.

Das berühmte Seeungeheuer!

 

Wasser Marsch!

 

Pünktlich zum Ende der Pause setzt der Regen wieder stärker ein. Nichts, aber auch gar nichts, konnte mich davon abhalten, nach Trakai zur Wasserburg zu fahren.Dies ist tatsächlich der einzige Punkt im gesamten Baltikum, den ich unbedingt, komme was wolle, ansehen wollte.

Eine letzte Baustelle lässt uns nochmal alle Konzentration zusammen nehmen.

Ich gebe zu, dass ich vor Ort keine Lust hatte, dass Motorrad abzupacken, abzuschließen, und den weiten Weg über die Holzbrücke bis vor die Burg zu gehen. Aber die Erinnerungsbilder, die dürfen nicht fehlen!

 

Trakai im Dunst im Hintergrund

 

Erkennt ihr den perfekten Parkplatz? Da stand ein Stoppschild, also haben wir gestoppt!

Der Parkplatz

 

Glückliche Kriegerinnen vor Trakai

Da ich im Vorfeld nicht wusste, wie wir zeitlich liegen, hatte ich die folgende Route über die Autobahn bis nach Kaunas geplant. Wer die Straßenverhältnisse nicht kennt, liegt mit 360 km Wegstrecke ja schon relativ optimistisch.

Rein rechnerisch lagen wir total perfekt in der Zeit. Da uns die Litauer aber bei Grenzübertritt durch die Zeitverschiebung einfach eine Stunde geklaut haben, lagen wir nur noch mittelmäßig perfekt. Aber dennoch genug Puffer, um von Trakai aus uns ein Stück über kleinere Straßen Richtung Kaunas zu hangeln. Eines haben wir wieder gelernt, rote Straßen sind sehr breit, orangene Straßen ziemlich breit, gelbe Straßen sind sehr schön und weiße Straßen sind definitiv zu vermeiden. Vor allen Dingen, wenn der lehmige Untergrund durch 24 stündiges Wässern zur Rutschbahn wird.

 

Für heute hier kein Weiterkommen

Klüger als gestern haben wir aber deutlich davor schon wieder gedreht, sodass wir auf traumhaften Straßen an ganz vielen Seen vorbei über Elektrenai uns in Richtung Kaunas bewegt haben. Immer ein Stück Autobahn, dann wieder ein Stück Landstraße und die letzten 10 km quer durch Kaunas bis zu unserem Hotel. Was hatten wir ein Glück, dass heute Sonntag ist und wir diese Aktion nicht im Feierabendverkehr gemacht haben!

 

Kultur in Kaunas

Ein bisschen Kultur darf sein, also haben wir nach der heißen Dusche uns direkt aufgemacht, Kaunas zu erkunden. Was für eine junge, schöne und lebendige Innenstadt. Bei 25 Grad und leichtem Wind vielleicht noch ein bisschen besser, aber da es trocken war, können wir uns nicht beschweren.

Noch mehr Kultur – jetzt reicht es aber auch! 😉

 

Die Spezialität hier sind Kartoffelklöße (Cepelini) und Kartoffelpfannkuchen.

 

Lecker

Daher haben wir auch hier schweren Herzens zugegriffen, um die lokalen Spezialitäten auszuprobieren! Lecker! Die beiden Schwarzbier machen uns ordentlich müde, sodass wir uns freuen, gleich ins Bett zu fallen! Morgen geht es auf die Kurische Nehrung nach Nida. Die Route ist schon eingezeichnet, die wichtigen Burgen auf der Strecke markiert und wir sind gespannt, wie der zweite Tag in Litauen so sein wird! Die Wetter App lässt uns hoffen…

 

Anmerkung 1:

Es gibt hier so viele Störche! In jedem Ort findet man mehrere Nester, zum Teil besetzt mit direkt zwei Jungen. Kleine Grausschnäbel gucken über Unmengen an Ästchen, wann die Eltern mit allerlei Leckereien wieder anfliegen werden. Wenn man wirklich für jeden Storch, den man sieht, ein Kind bekommt, dann wäre 2017 mit Sicherheit schon alleine durch mich kein geburtenschwacher Jahrgang mehr! Ich würde auch sagen, Masuren (und Litauen) wurde zur froschfreien Zone erklärt. Denn die können bei der Masse an Störchen sich sicherlich hier nicht mehr verbreiten.

Anmerkung 2:

Jedes Mal, wenn ich bei einem Stopp behaupte, dass der Regen ja deutlich weniger geworden ist, wird er anschließend wieder stärker. Ich halt ab jetzt meine Klappe!

Anmerkung 3:

Ich wurde überholt.

Hier der Beweis!

Anmerkung 4:

Ich habe behauptet, Polen hätte unglaubliche Landschaft! Ich korrigiere mich. Polen hat unglaublich viel Landschaft und unglaublich viel Wasser! Und damit meine ich heute mal ausnahmsweise nicht das von oben, sondern die unzähligen Seen links und rechts des Weges. Aber auch in Litauen wissen wir nicht, wo wir zuerst hinsehen sollen, angesicht der vielen großen und kleinen Seen, die unsere Strecke säumen.

Anmerkung 5:

Mein Knie macht die Reise phantastisch mit! Gerade beim Motorradfahren habe ich überhaupt keine Probleme. Wenn das leichte Kneifen der Bandage in der Kniekehle mein einziges Problem bleibt, dann bin ich überglücklich.

Anmerkung 6:

Anmerkung 6 ist eigentlich eine Anmerkung von gestern. Bei Sicherheitstrainings wird gerne die lockere Haltung des Lenkers geübt. Die Trainer sagen dann, man solle sich vorstellen, Kanarienvögel vorsichtig in den Händen zu halten. Als wir gestern aus unserer Offroad Einlage wieder auf der Straße ankamen, meinte Monika ganz trocken: „Meine Kanarienvögel hatten keine Überlebenschance!“ Wir haben Tränen gelacht.

Anmerkung 7:

Die CBF kann nicht nur Sand, auch Wasserfurt.

 

Anmerkung 8:

Es mag zwar angesicht der Bilder etwas verwundern, aber trotz des Wetters hatten wir einen wirklich tollen Tag und hättten noch ein paar Kilometer dran hängen können!

Anmerkung 9:

Besitzt jemand von euch den Reusch Regenkragen (den mit der integrierten Sturmhaube)? Wie genau soll der vor Regen schützen? Ich habe es mit Anziehen versucht, hatte aber nach 2 Stunden einen nassen Stoffsack um den Hals hängen und die Haare waren bis zum Scheitel nass nach oben gezogen. Wenn nicht das Anziehen des Kragens hilft, was dann? Essen? Mitführen? Dem Wetter drohend zeigen? In rituellen Opfermessen verbrennen? Einer einen Tipp für mich?

13 comments on “Sonntag – Wasser – Burg – Wasser

  1. Hallo und guten Morgen die Damen,

    seit ich von Monika den Hinweis auf den Blog habe, lese ich jeden Tag beigeistert die Bericht. Jule, du schriebst einfach so toll, das man dabei das Gefühl hat, man sitzt mit auf dem Motorrad.
    Wünsche euch noch viel Spaß und ein paar trockene Straßen.

    Grüße auch an Monika
    Uwe, den sie vom Wald und Wiesen Verein Merzhausen kennt

  2. Hallo Ihr Zwei,

    ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß – den Ihr sicher haben werdet – und vor allem besseres Wetter, das sicher nicht mehr lange auf sich warten lässt.

    Ich habe mich an vieles erinnert; bei unserer Reise nach Masuren haben wir Ähnliches erlebt: die Suchr nach dem Meer, Ortschaften, die einer Partymeile glichen, Landschaft zum Staunen aber ohne Infrastruktur, Straßen, die herausfordernd waren und Kaunas als faszinierende Stadt.

    Weiter gen Norden sind wir damals. Insofern bin ich auf Eure kommenden Erlebnisse sehr gespannt. Macht es gut!

      1. Na dann, ein paar Tage habt Ihr ja noch. Und die werden sicher genauso erlebnisreich werden, wie die hinter Euch liegenden. Es ist immer spannend, neue Länder zu erkunden und die eigene Erwartungshaltung mit der Realität abzugleichen. Ihr habt da schon die richtige Sichtweise. Gruß Uwe

  3. … jetzt bin ich endgültig in dich verliebt. Wie kann frau aus so’nem Regentag so viel Enthusiasmus holen…
    Leider geil oder Prädikat „Ich lese dich! Jeden Tag.“

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