Blog-Parade #EDderArsch

Der liebe Griesgram hat ein wunderbares Talent, Dinge auf den Punkt zu bringen und eine neue Sicht auf alltägliche Erlebnisse zu bekommen.

So hat der Griesgram auch in seinem Blog mit dem Titel „ED der Arsch“ sehr treffend die Zeitgenossen beschrieben, bei denen man sich fragt, ob sie eigentlich für 10 Cent denken, sie dagegen reich wären, wenn sie für jeden ihrer grenzenlos sinnlosen Ratschläge 1 Euro bekämen. Sie mischen sich überall ein, wobei einfach mal die Klappe halten schon fast 10 Euro wert wäre und die man sich für alles Geld der Welt an den Arsch derselben wünscht.

Mich aber hat es zum Einen inspiriert, beim Zusammentreffen mit einem Individuum dieser Spezies nicht jedes Mal aus der Haut zu fahren, sondern still und leise zu versuchen, ein „Hallo Ed!“ zu murmeln. Zum Anderen habe ich am Tag darauf anscheinend Ed (oder seinen Bruder) getroffen und konnte mich – nachdem ich an die Decke gegangen war – dann wieder an das „Hallo Ed“ erinnern und habe mich entschieden, über diesen (aktuellen) und einen anderen Ed (aus der Vergangenheit) zu berichten.

Da ich der Meinung bin, dass jeder von uns einen Ed kennt, lade ich euch ein, unter dem Hashtag „#EDderArsch“ mir und uns euren ganz eigenen Ed vorzustellen!

Ed der Arsch – aktuell

Meinen aktuellen Ed habe ich beim Tag der offenen Tür des ADAC-Fahrsicherheitszentrums in Grevenbroich getroffen.

Am Tag der offenen Tür können interessierte Motorradfahrer Probefahrten auf von einem Händler zur Verfügung gestellten BMWs machen, ein paar Runden auf einem Schräglagentrainer drehen, sich über bestimmte Themen wie MEHRSi informieren, mit der Rennleitung 110 quatschen oder halt auf einem kleinen Teil des Geländes eine 20-minütige Rundfahrt mit einem Instruktor machen. Nach 2 Einführungsrunden wird ganz kurz über ein paar theoretische Grundlagen wie Sitzposition gesprochen, bevor es dann auf ein paar weitere Runden geht, um das Gelände dort einmal ein bißchen kennenzulernen.

Im April war die Veranstaltung extrem gut besucht und die verschiedenen Testmöglichkeiten über Stunden im Voraus ausgebucht. Daher hatte ich auf der Rückfahrt meines Eifelwochenendes eher daran gedacht, dort zu schlendern und eine Waffel zu essen, statt mit Tankrucksack und Gepäckrolle dort eine Testfahrt zu machen. (Außerdem kenne ich das Gelände durch mittlerweile 6 Trainings auch ganz gut.)

Aber wie es der Zufall möchte, ist unmittelbar nach meiner Ankunft doch noch ein Platz frei und ich beschließe, dann doch einfach mal ein paar Runden mitzufahren. Mein Reisegepäck sorgt zwar für Schmunzeln, aber da stehe ich ja locker drüber.

Kaum sind die Runden beendet, wird mir angeboten, auch den nächsten Turn mitzufahren, da noch Plätze frei sind.  Ich war aber nicht die einzige Wiederholungstäterin, so dass wir den Theorieteil (da ja mehrfach gehört) in unserer Gruppe mehr und mehr verkürzten, dafür das Tempo mehr und mehr anzogen, da es für die Neulinge noch eine weitere langsamerer Einsteigergruppe gab und wir nun die Fahrstrecke und Kurven besser kannten.

Es war eine nette Truppe, die recht eingespielt ihre Bahnen zog und jeder auch mal die Chance nutzte, bewußt bestimmte Techniken einfach mal auszuprobieren, mit dem Knie etwas am Tank vorzurutschen, mal bewußt das Sitzmöbel nach rechts und links rutschend zu verlassen oder auf der Geraden die Sache mit dem Lenkimpuls zu üben. Wir hatten echt Spaß und waren eine tolle Truppe, aber nach 3 Turns und 60 Minuten Fahrt war ich dann doch sichtlich durstig und musste eine Pause einlegen.

Aber gut gestärkt hatte ich schon kurz darauf wieder Hummeln im Hintern und nach einem kurzen Gang zum Anmeldedesk ging es zu Turn 4 auf der Strecke. Wir sortierten uns wieder in „unsere“ Schlange der Wiederholungstäter. Ich war an Position drei hinter dem Instruktor und einem wirklich guten Fahrer einer älteren Enduro. (Ja, ja, typisch Frau – merkt sich weder Marke noch Modell….Aber der Kerl war für die kleine qualmende Maschine echt flott – hallelujah!) Hinter mir standen die beiden 1000-er Bandit-Brüder und dann ein mir unbekannter Kerl mit einem schwarzen Mopped. (Hier sei zu meiner Schande gesagt, dass er 3 Motorräder hinter mir stand und ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen konnte, dass er einen eigenen Blog-Eintrag bekommt! Daher nur die Info „schwarzes Mopped“! )

Wir fahren die beiden Einführungsrunden und halten wie jedesmal zuvor für den Theorieanteil kurz an. Die übliche Trainerfrage: „Sollen wir etwas besprechen? Wollt ihr noch etwas wissen oder wollt ihr einfach nur fahren?“ Da kam der erste große Moment von Ed. „Ja, fahren wäre geil. Aber dann endlich mal so schnell wie ich mag, aber das darf ich hier ja eh nicht…!“ grölte eine heisere Männerstimme aus dem Helm.

„Hallo Ed!“

Ich kotze kurz virtuell in meinen Helm, dachte aber, damit wäre der Spuk vorbei. Aber falsch gedacht.

Wir ziehen also unsere Runden, vorne der Instruktor, dann der Enduro-Gott und ich, mit etwas Abstand die beiden Bandits, Ed und ein weiterer Fahrer. Einer der Bandit-Brüder fuhr noch nicht so lange und nutzte daher die Runden auf dem Tag der offenen Tür (also nicht eines Rennstreckentraining oder auf einem Hochgeschwindigkeitskurs) für ein besserer Kennenlernen seiner Maschine und bewussten Übungen. Aber er war wirklich NICHT langsam! Nur etwas langsamer als wir vorne!

Das war nichts für Ed! Trotz des vom Instruktor ausgesprochenen absoluten Überholverbots musste er sich nacheinander die beiden Bandit-Brüder pflücken. Was müssen da für Glücksgefühle durch seinen wohl sonst von Selbstzweifeln zerfressenen Körper geschossen sein! Beschwingt durch diesen Hormonüberschuss konnte er nun endlich sein wahres Ziel verfolgen – NIEMALS hinter einer Frau zu fahren!

Also sah ich in den folgenden Kurven und Turns seinen Scheinwerfer mal links von mir, dann rechts von mir, dann mal wieder gar nicht und ich konnte nur ahnen, dass er wohl gerade knapp oder dicht neben mir fährt. (Welche Wörter ich statt „hallo Ed“ in meinen verschlossenen Halm gebrüllt habe, darf ich gar nicht wiederholen. Es würde meinem Status als Dame nicht gerecht werden… 😉 )

In einer weiten Linkskurve war es dann so weit. Knapp an meiner linken Fußraste vorbei schießend quetschte sich Ed in die ungefähr 6 Meter Abstand, die ich zu meinem Vordermann hatte. Und Recht hatte er! Was lasse ich auch bei 70 Km/h auf einem Trainingsgelände in schnell wechselnden Kurven diesen endlosen Abstand zu meinem Vordermann!?!?!?

Aber Ed war glücklich! Natürlich war er nun keinen Deut schneller, da wir ja alle drei dicht hinter dem Instruktor her fuhren, aber er konnte abends seinen Ed-Freunden stolz berichten, wie er die Frau mit dem Reisegepäck in der Linkskurve mal ordentlich versäbelt hat.

Wäre mir Ed nach Ende des Turns in die Finger gefallen, wäre ich vermutlich entgegen meinem eigentlichen Sonnenschein-Gemüt extrem ausfallend geworden und hatte mich auch kurz geärgert, dass die Instruktoren so einen Ed nicht vom Platz werfen.

Aber mit etwas Abstand bin ich froh, diesem armen Menschen zumindest für einen kurzen Moment ein Glücksgefühl spendiert zu haben und hoffe, dass er hier nicht mitliest, damit ich ihn noch viele Jahre lang mit „Hallo Ed!“ begrüßen kann! Genauer gesagt mit „Hallo Ed – Du Arsch!“

 

Ed der Arsch – aus der tiefen Vergangenheit

Meinen ersten Ed lernte ich aber schon vor vielen Jahren (sehr vielen – 10?!) kennen. Wir befanden uns mit einer größeren Gruppe auf einer geführten Motorradtour durch Südfrankreich und tingelten dabei immer wieder über die spanische Grenze.

An einem Kreisverkehr gerieten wir dann in eine groß angelegte spanische Polizeikontrolle, bei der jeder von uns Führerschein und Fahrzeugschein zeigen musste. Also Handschuhe aus, ggf. sogar ans Topcase für die Papiere und einige mussten auch einen prüfenden Blick über ihre Bikes in Kauf nehmen.

Unser Tourguide war damals schon mit Kameras am Motorrad ausgestattet und war froh, dass diese technische Anbauten niemandem aufgefallen war. Also bat er jeden von uns, nach Ende der Kontrolle sich wieder fertig zu machen und dann eigenständig aus dem Kreisverkehr heraus auf die lange Landstraße zu fahren, auf der wir uns dann mit einigem Abstand wieder sammeln würden. So wollte er einer möglichen Nachkontrolle entkommen. Es verging wirklich recht viel Zeit, bis dann wirklich scheinbar alle durch die Kontrolle durch waren, denn am Horizont erschien die Vollbeleuchtung der einzig mitfahrenden Goldwing, die aufgrund ihres auffälligen Aussehens traditionell den Lumpensammler beherbergte. (Bei einer Goldwing sagt man doch „beherbergen, oder?! 😉 )

Wir nahmen also gemächlich wieder Fahrt auf bis alle aufgeschlossen hatten und bogen ein paar Mal nach links und wieder nach rechts ab, fuhren den Berg rauf, dann wieder herunter und wurden dann doch schon recht bald wieder durch unseren Tourguide ausgebremst, der auf einem kleinen Waldparkplatz anhielt, um auf sein Handy zu schauen.

Er stieg vom Motorrad ab, kam zu uns und fragt „Wo ist eigentlich Klaus*?!“ (* Name vom Autor geändert)

Wir schauen uns fragend um… Ja, wo ist eigentlich Klaus?

Da tönt es hinter der Goldwing-Scheibe: „Der hat am Kreisverkehr seinen Handschuh nicht anbekommen und weiß jetzt sicherlich nicht, wo wir abgebogen sind.“

Einer unterbricht das fassungslose Schweigen: „Ähm, aber warum bist Du dann losgefahren. Du bist doch der Lumpensammler!“

„Nein, der Vordermann hätte auf ihn achten müssen! Es heißt immer in den Gruppenregeln, dass der Vordermann auf seinen Hintermann achtet.“ kontert der Herrscher der Goldwing, gänzlich überzeugt, absolut korrekt gehandelt zu haben und wie immer fehlerfrei zu sein!

Auch unser Argument, dass dies ja grundsätzlich schon richtig ist, aber man ja trotzdem auch ein Auge auf seinen Vordermann haben muss, ließ er nicht gelten.

Nein, daher fahre er immer am Schluss, damit er auf überhaupt niemanden achten muss, ließ er vornehm verlauten.

Mein Beispiel, dass dies ja im Umkehrschluss bedeuten würde, dass bei einem Unfall des Tourguides jeder nur in den Rückspiegel schauen muss und wenn dort noch der Hintermann wäre, ja die Welt in Ordnung sei und man weiterfahren könne, perlte an ihm ab wie das Wasser auf einer Lotusblüte.

Selbst Abends am Tisch tönte von seinem Platz immer weider, wie sehr er im Recht sei und alle anderen ja keine Ahnung haben würden.

Dieser Ed hat mich 1000 graue Haare gekostet, weil mich auch noch Jahre danach seine reine Anwesenheit in einen innerlichen Blutrausch versetzen konnte. Hätte ich doch damals schon gewußt, dass dies Ed ist – #EDderArsch – hätte ich mir viele von mir selber versauten Momente ersparen können.

Aber ich lerne ja noch und bin gespannt, wann ich Ed nun wiedersehe! 🙂

 

 

So, nun seid ihr dran! Wer ist euer Ed? Wie ist eure Ed-Story?

 

 

11 comments on “Blog-Parade #EDderArsch

  1. Hi,
    wie immer einfach super geschrieben. 🙂
    EDs finden sich allerdings nicht nur beim Mopedfahren…… sie treiben auch in Büros u.ä. ihr Unwesen……..

    Hab mich gefreut, Dich in Grevenbroich wieder getroffen zu haben.
    Bis sicher irgendwann irgendwo mal.
    DlHzG

    1. Hallo Brigitte,
      ich habe mich auch sehr gefreut. Zu Beginn der nächsten Saison steht sicherlich wieder Perfektion 2 als Einstieg an. Vielleicht überlegt ihr das ja auch und wir planen ein Wiedersehen! 🙂
      Bis dahin erst einmal viele Grüße,
      Julia

      1. Aber immer. Machen wir schon seit Jahren! Wenn die Termine 2018 raus sind, schauen wie mal.
        Bis dahin aber noch viele schöne Kilometer Möpchenfahren, ein bißchen Saison ist ja noch übrig.
        VG

  2. Moin,
    ED, ist das nicht auch so zu schreiben ( EDDD )
    Ey, du dämlicher Dussel.
    Fein geschrieben, wie immer.
    Ich kann dich gut verstehen, ED ist ok.
    Aber manche brauchen eben mal den Rossi Tritt.
    LG und noch nen schönen Tag
    Holly

  3. Ich finde es scheiße, dass der Instruktor des aktuellen ED nicht sofort rausgeschmissen hat, das wäre sein Job gewesen. Vor allem wenn er nicht nur in der Gruppe überholt sondern auch noch gefährlich überholt.

  4. Hallo Jule … ich suche in meinem Gehirnstübchen nach einem der unzähligen EDärschen meines Lebens.
    Was soll ich sagen … ich hab‘ die Typen schlichtweg verdrängt & großteils vergessen & das ist gut so! Gerade wenn Frau mit „ED hochnotpeinlich“ dann auch noch verheiratet war … ups.

  5. Eigentlich sollte man ja niemandem wünschen, dass er Eds trifft, aber andererseits ist es immer wieder köstlich, Deine Sicht der Dinge zu lesen. In diesem Sinne schließe ich mich also Truders Kommentar an !

  6. Da ist mir Ed doch tatsächlich durch die Lappen gegangen

    Sei’s drum.
    Ich hab schwer geschmunzelt, denn wir haben ja alle unsere Ed’s, nicht wahr?
    Und jeder hat schon mindestens einen dieser Prachtexemplare der menschlichen Evolution in seinen Gedanken ermordet

  7. Hallo Julia
    Natürlich kenn ich auch solche Exemplare. Für mich bin ich in’s reine gekommen und habe beschlossen die Ed’s zu ignorieren das ist die Strafe für sie.
    Ich hoffe nur ich selbst wär noch nie ein solcher. LG Manni

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