Geben statt nehmen – Organspende

Organspende – im Gästebuch

Mein aktueller Blogeintrag basiert auf einem Gästebucheintrag, den ich eigentlich als SPAM löschen wollte.
Aber nun habe ich ihn lieber beantwortet…

 

Dr Edobor schrieb am 11. Oktober 2017 um 23:51:

 

Hallo, Mein Name ist Dr. Edobor von der Universität von Benin Teaching Hospital (UBTH), die sich auf Organchirurgie und Nierentransplantation spezialisiert, Wir kaufen auch menschliche Organe, die verkaufen wollen. Wir befinden uns in USA, Malaysia und in Nigeria Wenn Sie sind interessiert, Ihre Niere zu verkaufen oder einen Teil Ihres Körpers Organ zu spenden, kontaktieren Sie mich bitte für weitere Informationen per E-Mail (xxx@yyy.zz) Warten auf Ihre Antworten …


Meine Antwort dazu:

Sehr geehrter Herr Dr. Edobor,

vielen Dank für Ihren Eintrag in meinem Gästebuch.

Hatte ich Ihre Anfrage zunächst als Spam behandeln wollen, habe ich nach etwas Bedenkzeit doch die Ernsthaftigkeit Ihrer Anfrage erkannt und möchte Ihnen daher gerne antworten.

Vermutlich kamen Sie durch die Assoziation, dass Motorradfahrer auch gerne „Organspender“ genannt werden, auf die für mich doch recht befremdliche Annahme, dass dies bedeutet, auch schon zu Lebzeiten einer Organabgabe nicht abgeneigt zu sein.

Ich bin tatsächlich ein sehr großzügiger und großherziger Mensch. Daher habe ich mich vor 2 Jahren auch entschlossen, gute 70 cm meiner Kopfhaare an den Verein „Haarschnitt mit Herz“ zu spenden, damit krebskranken Frauen hieraus Perücken für die Zeit nach der Chemotherapie zur Verfügung gestellt werden können.

 

Anbei sehen Sie das Vorher-Bild und den gespendeten Zopf.

Vorher…
Skalp

Leider kann ich diese Großzügigkeit aus mehreren Gründen bei meinen Organen nicht an den Tag legen.

 

  1. Wir haben uns bei den Haaren für eine Lebend-Haar-Abnahme entschieden. Dies ist bekanntermaßen bei Haaren die übliche Verfahrensweise und auch recht unkompliziert möglich. Bei meinen Organen würde ich jedoch einer Lebend-Entnahme ungerne zustimmen, da ich doch recht gerne mit meinen Organen zusammen bin und daher wirklich nicht auf sie verzichten kann und möchte. Darüber hinaus gibt es Organe, ohne die mein Weiterleben stark eingeschränkt bis unmöglich wäre, so dass ich hier von einer vorzeitigen Entnahme ebenfalls Abstand nehmen möchte.
  2. Für den hoffentlich noch nicht allzu bald eintretenden Fall meines Ablebens besitze ich einen Organspendeausweis. Dies bedeutet, dass ich meine Organe spende, und nicht einem Profitgeier verkaufe. Wie oben bereits geschrieben, bin ich recht großzügig. Daher wünsche ich mir, dass im Falle meines Todes meine Organe für andere Menschen ein Lebensretter werden. Allerdings liegen auch die von Ihnen genannten Orte Malaysia, Nigeria oder Benin demnächst nicht auf meiner Reisewunschliste, so dass wir auch hier vermutlich keine Berührungspunkte haben werden.

 

Aus den voran gegangen genannten Gründen muss ich daher Ihre Anfrage abschlägig bescheiden. Ich gehe jedoch stark davon aus, dass dies ebenfalls auf den größten Teil anderer Motorradfahrer in Deutschland zutrifft. Ich denke daher, von anderweitigen Anfragen bei anderen Motorradfahren können Sie Abstand nehmen.

 

Ich bedanke mich für Ihr Interesse an mir und meinen Organen, bitte aber darum, weitere Kontaktaufnahmen zu unterlassen.

 

Mit freundlichen und lebensfrohen Grüßen,

Julia Kaltenberg

 

 

Organspende – im wahren Leben

 

Aber Spaß beiseite. Eigentlich hat dieses Thema einen ganz ernsten Hintergrund. Daher möchte ich diesen Gästebucheintrag zum Anlass nehmen, bei allen Motorradfahren noch mal Werbung für die eigentliche Organspende zu machen.

Ich bin da sehr pragmatisch. Ich kann im Falle meines Todes mit meinen Organen nichts mehr anfangen, so gar nichts, ganz und gar nichts. Wenn aber meine Organe für andere Menschen der lebensrettende Faden sein können, an dem ihr Leben hängt, dann gebe ich diese von Herzen gerne ab und hoffe zutiefst, dass somit mein Tod noch irgendeinen Sinn hat – zumindest für andere. Meine Freunde und Familie wissen Bescheid, dass mein größter Wunsch wäre, hier maximal vielen Menschen zu helfen!

Ich bin mal gefragt worden, warum ich immer und überall meinen Organspendeausweis mitschleppe – zu Konzerten, beim Skifahren, in die Disco und zum Einkaufen. Aber mal ehrlich, wenn ich ihn nur mitnehmen würde, wenn ich vorhätte zu sterben, wäre es wohl noch befremdlicher, oder?! 😉

Daher hoffe ich, dass ihr schon alle Organspender seid und euch bewusst seid, dass wir einfach ein gefährliches Hobby haben – ob wir es wollen oder nicht.

Wer ihn noch nicht ist, der hat unter https://www.organspende-info.de/organspendeausweis/bestellen die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren, in verschiedenen Landessprachen einen Ausweis zu bestellen oder herunterzuladen.

Ich zähl auf euch!

8 comments on “Geben statt nehmen – Organspende

  1. Wer einmal miterleben konnte, wie sehr eine gespendetes Organ das Leben des Empfängers verbessert verbessert, wir nicht zögern und den Ausweis immer dabei haben.
    Ich habe schon lange einen.

  2. Habe wohl vor einem Jahr den Organspendeausweis ausgefüllt und begleitet mich auf meine „Organspenderfahrten“, wenn noch etwas gesundes an mir zu verwerten ist warum nicht und es hilft einem verzweifelten Menschen, finde ich ok

  3. Ich hatte zwar nicht so lange Haare , aber ein Organspenderausweis begleitet mich schon seit 10 Jahren. Wenn es mich nicht mehr geben sollte, möchte ich Anderen die Möglichkeit geben, ihr Leben noch ein wenig zu genießen. Natürlich nur, wenn noch was zu gebrauchen ist.

  4. Wow, das waren ja Haare! Die Spende dürfte Dir viel Lebenszeit geschenkt haben, die nicht mehr für die Pflege der Zotteln draufgehen musste 🙂

    Danke für den Tip! Natürlich habe ich schon sehr lange einen Organspendeausweis, aber die englischen und generell anderssprachigen Versionen kannte ich noch nicht.

  5. Da muss immer an unserrn Matthis denken, der an Moppedtreffpunkten Vollgasposern und Jeanshosenbiker nen Blanko Organspende-Ausweis gegeben hat. Bin natürlich im #TeamOrganspendeausweis

  6. Hallo Julia
    Bei uns in Österreich ist es genau umgekehrt. Wen man keine Organe spenden will muss man sich in einem speziellen Register eintragen. Somit ist potentiell jeder Österreicher ein spender.
    LG Mangref

  7. Hallo Julia
    Bei uns in Österreich ist es genau umgekehrt. Wen man keine Organe spenden will muss man sich in einem speziellen Register eintragen. Somit ist potentiell jeder Österreicher ein spender.
    LG Mangref

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