Pyrenäen – Freitag – 9.9.2016

Forenfreude – Vorfreude!

 

Freitag morgen. Und wir liegen noch im Bett.

Wie jeden Morgen geht unser erster Griff zum Handy. Also zuerst einmal den Wecker ausschalten, dann die Wetter-App checken, und dann haben auch wir es uns zur Gewohnheit gemacht, morgens zuallererst einmal ins Forum zu schauen!

Für uns ein schöner Start in den Tag von euch zu lesen! Danke.

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Irgendwie fällt es uns heute aber besonders schwer, die Nasen unter der Bettdecke hervor zu strecken. Ob wohl die letzten knapp 3000 km so langsam Tribut zollen? Wir können es uns kaum vorstellen, oder wenn doch, wollen wir es uns nicht eingestehen. So sind sie die Frauen. 😉

Bei traumhaftem Wetter starten wir in den neuen Tag. Strahlend blauer Himmel heißt uns willkommen und lädt uns zu einer tollen Tagestour ein. Aus der schnellen Gruppe möchte einer in unsere Gruppe wechseln, die eher mittlere Gruppe. Die Jungs aus unserer Gruppe sagen, er weiß gar nicht, was er sich da antut. Er käme vom Regen in die Traufe bei den beiden Furien, die vorne mitfahren. Die können doch wohl nicht uns meinen? Ich weiß gar nicht, was Sie von uns wollen. 😉

Einige aus der ADAC – Gruppe finden es heute zum Kotzen. Aber leider im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendetwas ist gestern mit dem Essen nicht ok gewesen sein, so dass heute ein paar schwächeln. Daher wird eine Invalidengruppe zusammengestellt, die auf direktem Wege ins Hotel fährt. Der Rest dieser Gruppe schließt sich uns an, so dass wir heute zu neunt durch die Landschaft rollen werden.

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Der erste Blickfang ist eine kleine direkt an der Straße liegende Schleuse, die wie ein Relikt vergangener Tage mit seinen zwei Becken auf nicht vorhandene Schiffe wartet. Über den Tälern liegen Wolkenschleier, die aussehen, wie Milch, die in Wasser gerührt wurde und sich gerade verteilt.

Die ersten 100 km vergehen wie im Flug. Es war der Hammer! Kein Mensch auf der Straße und Kilometer lange Straßen, auf denen man sich hin und her werfen darf. Ich glaube, ein Foto von der Karte sagt mehr als tausend Worte.

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Nur auf dem kurzen Stück von Albine nach Lacabarède kann der Blick einmal etwas ausruhen, es geht vier Kilometer geradeaus. Aber schon biegen wir wieder links auf kleinste Straßen ab, lassen Angles links liegen und erspähen wenige Kilometer später den Lac de la Raviège durch die Bäume. Bei der Fahrt über die Staumauer zeigt er sich uns dann in voller Pracht!

Kilometerlang sieht man weder Mensch noch Ort noch Auto, paradiesisch. Ab Albine suchen wir ein Café, fündig werden wir erst viele Kilometer später – so nach knapp 2 Stunden Fahrt – in Lacaune.

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Noch während wir dort sitzen, trifft auch schon die zweite Gruppe ein. Wir sind also definitiv auf der richtigen Route.

Gestärkt folgen wir dem Liamou, bevor wir weiter nach Norden fahren, um ab Broquiès uns vom Tarn begleiten zu lassen. Links und rechts des Wassers klettern wir bergauf und bergab, vorbei an den vielen Elektrizitätswerken, genießen den kühlenden Schatten der Bäume und machen einen kurzen Fotostopp.

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Mittag machen wir in St. Rome de Tarn – hungrig und mit müden Augen von den vielen Kurven, holprigen Straßen und Split – Passagen.

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Salat und Aufschnittteller sind die Stärkung der Wahl, gekrönt von einem Espresso. Weiter geht die Reise Richtung Millau.

Wie Herrscher aus Eisen stehen auf den Anhöhen Strommasten, die mit ihren langen dürren Fingern aus Stahlseilen in die Tiefe zu greifen scheinen. Unser Ziel ist aber ein anderes Kunstwerk aus Stahl und Stein – die Brücke von Millau.

Während ich noch in Peyre die zwischen Fels und Tarn geklemmten Häuser bewundere und gerne einen Moment durch die Gassen schlendern würde, taucht rechts wie aus dem Nichts die Brücke auf. Gigantisch. Links die Vergangenheit, rechts die Moderne.

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Unser Tourguide hält an einer für Fotos echt ungünstigen Stelle. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir uns für 10 Minuten Pause, so dass jeder den für sich günstigsten Fotopunkt suchen kann.

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Ich habe versucht, alt und neu auf ein Bild zu bekommen.

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Also folgen wir dem Tarn weiter durch Millau und tanken alle Motorräder einmal voll. Ab Aguessac begrüßen uns die hohen Felsen und weisen uns den Einstieg in die Gorges du Tarn. Einmal biegen wir aber noch ab und nähern uns über die Anhöhen, um uns steil nach Les Vignes wieder Richtung Fluß hinunter zu stürzen.

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Durch die beeindruckenden Felsen schwingen wir Richtung La Maène. Wie entscheidet man sich da nur, welches das beste Fotomotiv ist!? Ich entscheide mich, dass hoffentlich einer der anderen ein tolles Motiv vor die Linse bekommen hat und mir eine Auswahl von Bildern zukommen lässt.

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Seit einer halben Stunde juckt’s in meiner Kombi. Ich nutze die Kaffeepause, um nach der Ursache zu suchen.

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Weit und breit ist aber kein Vieh in der Jacke und Hose zu sehen, was sticht, kratzt oder beißt. Also meint es das Schicksal wirklich hart mit mir. Ich werde meine Kombi tatsächlich waschen müssen… Unglaublich! 🙂 Aber das behalte ich mal lieber für mich.

Vier riesige weiße Vögel begleiten uns ein Stück des Weges. Ich muß unbedingt herausfinden, was das gewesen sein kann. Die weißbäuchige Riesenschluchtmeise wurde bisher ja noch nicht entdeckt, die war es also nicht….

In St. Enimie verlassen wir den Gorge, hangeln uns ein letztes Mal wunderschöne enge Kehren den Berg hinauf und lassen es bis Mende einfach laufen. Dort wechseln wir auf die breite und gut ausgebaute N88, auf der wir die letzten 30 Kilometern noch einmal genießen, den Blick etwas weiter schweifen lassen zu können und einfach auf breiten Straßen den Tag ausklingen lassen zu können.

Kurz nach sechs biegen wir in die Garage ab. Zumindest fast… Beim Anblick der Garage vom letzten mal entscheide ich mich spontan, lieber draußen stehen zu bleiben.

Bei ein paar Bierchen lassen wir den Tag ausklingen.. Ich glaub, ich bin betrunken. Ich glaube, ich sehe doppelt.

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Anmerkungen des Tages:

Anmerkung 1:

Mir ist gestern beim Einschlafen siedendheiß eingefallen dass ich eine ganz wichtige Informationen nicht mitgeteilt habe. Wer meine regionale Spezialität von Mittwoch bestellen möchte, hier die Übersetzung in Spanisch und Englisch. „trotters with snails“ oder „pieds de cerdo con caracoles“. Also nur für den Fall……

Anmerkung 2:

Lieber Dether, vielen Dank für deinen deutlichen Hinweis auf Carcassonne. Nur deshalb haben wir uns gestern aufgerafft, und keine Sekunde bereut . Wir hätten wirklich was verpasst.

Anmerkung 3:

Heute hat es bei mir „Klick“ gemacht. Mehrfach. Allerdings fehlte danach das vertraue Geräusch des Anlassers. 🙁  Noch weiß ich mir aber zu helfen, noch vertrage ich emotional auch keine Hiobsbotschaften. Ich denke, ich frage daher erst nach meiner Rückkehr mal im Forum, was das sein kann. Aber erst dann. Vorher möchte ich darüber nichts lesen.

Anmerkung 4:

Gestern und heute waren wir in „Déviation“. Da sind zwar alle langgefahren, aber war nicht so schön. Fahre ich wohl nicht noch mal hin.

Anmerkung 5:

Auf dem Bild aus Luxemburg vom ersten Tag unserer Reise habe ich ein Chocotoff von Côte d’Or in der Hand. Überglücklich!
Ich liebe diese Plombenzieher. Heute habe ich es wieder gefunden. In der Tasche meiner Softshelljacke – statt lang und dünn nun groß und flach…

Ich überlege, wie lange ich auf der Innentasche kauen muss, um das wieder da raus zu bekommen. Ich überlege, dass waschen vielleicht besser ist und wie man das wohl wieder da raus bekomme…. Ich beschließe, dass es ja niemand sehen muss, wenn ich auf der Innentasche meiner Jacke kaue und nehme mir das für zu Hause vor. Heimlich!

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