Samstag – Masurenrundkurs

Der Morgen beginnt so, wie der Abend geendet hat – mit Schreiben des Berichts von Freitag. Ich habe festgestellt, dass es irgendwie netter ist, jeden Tag abends abzuschließen, als mich am Folgetag daran zu erinnern, wie es am Vortag war!

Wir starten noch im Bett liegend den Morgen, indem Monika und ich ins Forum schauen und uns über unsere vielen Begleiter auf unsere Tour freuen! Wir reisen gerne mit euch. 🙂

Das Navi zeigt 289 km auf teilweise unbefestigten Wegen an. Das wollen wir einfach mal abwarten, wie sich das dann vor Ort gestaltet. Warum aber als Ankunftszeit 22:50 Uhr im Display erscheint, erschließt sich uns noch nicht. Warten wir es mal ab, welche Stücke wir wohl scheinbar zu Fuß gehen müssen.

Wir wenden in dem kleinen Verschlag unsere Motorräder und beschließen, dies heute Abend direkt vorab zu erledigen.

Alternative Fakten: Dieses Bild ist heute NACH der Tour und NACH dem Wendemanöver entstanden

Bei immer weiter aufreißendem Himmel rollen wir langsam Richtung Norden und genießen die wirklich angenehme Luft! Außer uns ist kaum jemand unterwegs, nur in der Ferne hört man immer wieder das Röhren von Automotoren.

 

menschenleer

Wir biegen nach links ab, um zwischen Mauersee und Jez. Dargin unseren Seen-Rundkurs zu beginnen. Auch hier scheinen wir die einzigen Menschen auf der Straße zu sein. Vor allen Dingen Motorradfahrer sieht man so gut wie gar nicht. Ein toller Ausblick nach links lässt uns anhalten für einen kleinen Fotostopp.

 

Scheiße – ist das schön!

 

Und wenn man es nicht braucht, liegt rechterhand eine wunderschöne Bar mit einem tollen Blick auf den See. Aber nach 20 Minuten Fahrt schon den ersten Kaffeestopp einzulegen, das ist auch uns einfach zu früh.

Jetzt treibt es uns Richtung Süden immer Richtung Wolfsschanze. Nicht, dass wir uns dort etwas ansehen möchten, es ist einfach unsere Richtung. Hinter Parcz habe ich mir eine tolle kleine Straße bis zur 592 ausgesucht.

Nach ca. 400 Metern duchqueren wir zwei tiefe Schlammlöcher und entscheiden, dass Wenden nahezu unmöglich ist und es sicher besser wird. Pustekuchen! Knapp 5 Kilometer quälen wir uns auf grobem Pflaster, durch reifentiefe Sandkurven, über schmalste Passagen mittig zwischen zwei schlammigen Furchen und über grobe Stücke heruntergefallener Äste. Solange ich noch das Licht der CBF im Rückspiegel sehe, ist alles OK. Aber ich gebe zu, auch keine Ahnung zu haben, wo ich meine Strom hätte hinstellen sollen,wenn ich das Licht irgendwann nicht mehr gesehen hätte.

Nach einer engen Sandkurve nach links erkenne ich nur, wie die Lichter ein Stück Richtung Wiese verschwinden. WIE Monika so schnell den Meter wieder rückwärts geschoben hat und die richtige Richtung aufgenommen hat, erschließt sich mir bis jetzt noch nicht. Aber eins ist klar: Honda muss die Modellgeschichte neu schreiben, denn die CBF ist wohl doch ein Adventure-Bike! 🙂

 

Der einzige Moment, als ich die Hand mal vom Lenker nehmen konnte.

 

Ach ja: Monika und ich konnten beim Anblick des Fotos auch nur müde lächeln. Wenn es so gewesen wäre, wäre es für uns ein Leichtes gewesen. Leider gibt kein Foto unsere Quälereien wieder!
„O-h m-e-i-n G-o-t-t“ meint Monika, als wir das erste Mal wieder gefühlt festen Boden unter den Füßen haben. Wir geben uns High Five und verstehen immer noch nicht ganz, warum dieses Experiment sowohl unfall- wie auch umfallfrei abgelaufen ist. Wir beschließen aber auch, dass dies die letzte kleine graue Straße auf unserer Reise sein soll. Man muss das Glück nicht unnötig herausfordern!

Auf großen Straßen lassen wir es die nächsten 20 km einfach so dahingleiten. Wie angenehm für Mensch und Maschine! In Ryn finden wir im zweiten Anlauf eine kleine Waffelbude, die auch Kaffee und Latte Macchiato hat. Wir haben gewonnen!

Leider geht bei der Zubereitung des ersten Kaffees die Maschine kaputt, so dass außer der wirklich leckeren Waffel uns nur das mitgebrachte Wasser aus unserem Tankrucksack bleibt. Aber mal ganz ehrlich, kann einen das bei diesem Ausblick noch stören?

So lässt es sich aushalten!

Für den Moment könnten wir wohl ewig hier so sitzen, aber wir sind ja auf einer Motorradreise, also wieder rauf auf die zwei Räder. Geplant waren schöne kleine Landstraßen bis Mikolajki. Geplant! Denn die Realität sah anders aus. Was sich schon morgens durch die lauten Motorengeräusche andeutete, spiegelte sich hier in diversen Straßensperren wider! Die Rally Poland macht gerade Halt in dieser Gegend und hat sich ausgerechnet die Gegend zwischen Gizycko und Mikolajki als Austragungsort ausgesucht.

 

Falls mal jemand danach googlen möchte

 

Für heute, Samstag,  war also in dieser Gegend kein Weiterkommen!

 

Nix geht mehr!

 

Bis nach Mragowo mussten wir ausweichen, wo ich mich dann leider hoffnungslos verfahren habe. Mit zwei Straßenkarten in der Hand versuchen wir, wieder Orientierung zu bekommen, als ein unglaublich netter Pole anhält, um uns zu helfen. Mit meinem freundlichsten Lächeln posaune ich ein „Dobre“ in das geöffnete Seitenfenster, woraufhin er mir in gebrochenem Deutsch den Weg zurück zur Route erklärt. Wie ich schon sagte, die Polen sind wahnsinnig freundlich!

Mittagspause! Endlich! Mitten in Mikolajki finden wir ein kleines Lokal, in dem wir es uns bei Crepes gut gehen lassen. Direkt neben unseren Motorrädern wird die Bühne für die abendliche Preisverleihung der Rallye aufgebaut. Doch auch die vielen Polizisten flanieren gelangweilt an unseren Motorrädern vorbei, die wir mitten auf dem Marktplatz abgestellt haben!

 

Mittags am Markt mitten in Mikolajki

 

Ich nutze die Zeit, und plane den Rest der Route etwas verkürzt um.

Keine Ahnung von dem, was sie tut – aber Spaß dabei!

Als wir Mikolajki wieder verlassen, wird uns klar, dass heute mit Sicherheit keine Geschwindigkeitskontrolle mehr stattfindet. Was hier an Polizei die Straßensperren bewacht, die Parkplätze und auch sonst Präsenz zeigt, ist nicht zu glauben! Da bleibt kein Personal für andere Verkehrsüberwachung.

Auf kleinen Straßen geht es noch ein Stückchen nach Süden, bevor wir unterhalb vom Spirdingsee wieder Richtung Osten und unserem Hotel abbiegen. In Wejsuny finden wir endlich das, wonach wir uns den ganzen Tag gesehen haben! Wasser! Kurz danach: Füße in Wasser

 

Da sind sie, die lackierten Fußnägel!

 

Die in unserer Nähe angelnde Familie musste nach unserem Besuch vermutlich die mit dem Bauch nach oben schwimmenden Fische einfach nur noch von der Oberfläche abschöpfen. Aber das war es wert! In Johannesburg biegen wir auf die 63 Richtung Norden ab. Wir treffen zwei Polizisten, die etwas ganz Schlimmes in ihrer Dienstzeit verbrochen haben müssen. Denn ausgerechnet diese beiden dürfen nicht an der Rallye teilnehmen, sondern müssen doch mit der Radarpistole Verkehrssünder jagen.

Wieder einmal sind wir froh, dass wir uns hier tatsächlich meistens an die Verkehrsregeln halten! Zwei kleine Schlenker auf dem Weg nach Orzysz dürfen noch sein. Wer einmal mit dem Zelt in diese Gegend kommen sollte, dem sei Nowe Guty empfohlen. Mehrere Campingplätze direkt am Wasser, zwischen Bäumen gelegen und scheinbar touristisch nicht zu überlaufen. Wenn es mein Ding wäre, hier hätte ich mich niedergelassen!

 

 

Bevor wir wieder auf die Hauptstraße abbiegen, muss ich noch ein großes Phänomen dieses Landes fotografieren. Vor Bahnübergängen stehen Stoppschilder, die auch von den Einheimischen strengstens befolgt werden.

 

Der Bahnübergang – das Stoppschild

 

Davon könnte sich jeder bei uns etwas abschauen! Das auf diesen Schienen aber vermutlich seit Jahrzehnten kein Zug mehr fährt, ändert an der Disziplin überhaupt gar nichts!

 

Die zu beachtende Bahnstrecke

Wenig später, allerdings ohne Foto, ist ein ähnlicher Bahnübergang mit Stoppschild mitten auf einer Bundesstraße mit 90 km/h, und man sieht deutlich, dass hier auch noch Züge fahren. Irgendwie verrückt!

Hinter Milki machen wir den letzten Schlenker für heute. Jetzt wissen wir auch, wo die Ralley morgen halt macht. Gott sei Dank gibt es hier noch keine Straßensperren, aber man sieht schon deutlich die Vorbereitung!

Habe ich in Nowe Guty noch die schönen Cafés einfach links liegen lassen, habe ich hier den richtigen Riecher und wir können mit Blick auf das Wasser einen letzten Kaffee des Tages genießen. Dunkle Wolken ziehen auf und zeigen uns an, dass es Zeit wird, den Tag zu beenden!

Scheeeee

Wir sind nicht böse, mit nur 280 km frühzeitig wieder im Hotel zu sein. Der Scotti bekommt etwas Öl,  die kleine Schwarze auch, Kettenfett für die CBF und die Straßenkarten von Litauen für die beiden Fahrerinnen! Es sieht ein bisschen aus wie in einer Werkstatt!

Eigentlich wollen wir den Tag bei einer kleinen Bötchen Tour ausklingen lassen, aber leider wird entgegen aller Fahrpläne heute keine Tour angeboten. Also setzen wir uns in ein Lokal direkt am Wasser und lassen so unseren letzten Abend in Polen ausklingen.

Abendstimmung

 

Gar nicht schlimm, denn so bleibt Zeit, noch mal auf der Route für morgen nach Kaunas zu kontrollieren, dass auch wirklich keine „grauen“ Straßen mit dabei sind. Denn die Nummer von heute vormittag mit vollem Gepäck – ihr würdet uns jetzt noch im Wald suchen!

 

Anmerkungen des Tages:

Anmerkung 1:

Wir wollten um halb elf einen Schnaps –  einen doppelten! Gut, Waffel musste reichen.

Anmerkung 2:

„Oh  mein Gott“ entfuhr es Monika den Rest des Tages immer mal wieder, wenn ihr klar wurde, wie kurz wir davor waren, die Moppeds im Wald zu versenken.

Anmerkung 3:

Morgen wieder aufregend, neues Land, neue Sprache, dabei können wir drei Wörter Polnisch bereits fließend. 😉

 

10 comments on “Samstag – Masurenrundkurs

  1. Diese kleinen grauen Straßen wären für mich ein Grund, dort mal hinzufahren. Mit Stollenreifen. Aber schön, dass ihr das bewältigt habt.

  2. Ich weiß ja nicht was du beruflich machst. Finde aber du solltest Reiseautorin werden. Viel Spaß euch Beiden und ich warte schon gespannt auf den heutigen Tag.

  3. Wow ich ziehe den Hut vor euch.
    Lese immer wieder gerne dein Tagebuch, wünsche weiterhin eine gute und sichere Reise ☀️

  4. Hallo Mädels,

    ich wünsche Euch weiterhin GUTE FAHRT und GUTES WETTER!

    Würde am liebsten mitfahren. Habe mit meiner V-Strom selbst schon Masuren bis Litauen unsicher gemacht und kann das was Ihr beschreibt bestätigen.

    Unheimlich schöne Gegend und die Freundlichkeit der Polen ist wirklich überwältigend.

  5. Julia, Du weisst ja, dass ich mich wiederhole, aber es ist halt so, dass man ein Urteil dann fällt, wenn’s fällt: Der Bericht ist so geschrieben und formuliert, dass die Zeit zwischen zwei Fortsetzungen wirklich übel ist, ich sitz hier mit ’nem Kaffee am Rechner und…………………….

  6. Echt schön zu lesen. Freue mich schon auf Fortsetzung. Weiter gute Fahrt, nette Menschen, viele schöne Erlebnisse und wieder besseres Wetter – für euch zwei starke Frauen !

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