Pyrenäen – Dienstag – 6.9.2016

42 Grad!

 

Der Morgen startet gut! Wir haben endlich mal richtig gut geschlafen, obwohl das Hotel in einem Gewerbegebiet liegt. Die Erbauer des Hotels müssen sich zu sehr daran orientiert haben, dass Carcassonne eine Festung hat!

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Wie ein in die Jahre gekommenes Gefängnis wirken die übereinander liegenden Zimmer von außen. Wer so ein französisches Ibis Hotel schon einmal von innen gesehen hat, wird verstehen, warum mir zu unserem Zimmer nur das Wort „Zelle“ einfällt.

Aber am Komfort oder Service haben wir nichts zu meckern. Ausgeruht schauen wir durch die Vorhänge und sehen blauen Himmel! Das wird ein geiler Tag!

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Beim Frühstück dämpft sich die Stimmung ganz kurz. Eine 50 Mann starke italienische Senioren Reisegruppe hat Sorge, dass dies das letzte Essen ihres Lebens ist. Ein wilder Streit am Buffet beginnt! Aber wir Motorradfahrer sind ja so entspannt, und lassen sie gewähren! Es ist genug für alle da!

Draußen herrschen fantastische Temperaturen! Es ist nicht zu kühl, nicht zu warm, und der starke Wind von gestern ist einer angenehmen Brise gewichen.

Weil alle so pünktlich sind und der Bus schon beladen ist, starten wir zehn Minuten vor der Zeit.

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Nach wenigen Kilometern verlassen wir die Hauptstraße, um dem Berufsverkehr rund um Carcassonne aus dem Weg zu gehen. Wo wir waren? Irgendwo im Nirgendwo!

Wer es nachfahren möchte, dem sei gesagt, er möge am 3. Weinberg links, an der Domaine Jean-Paul wieder rechts, an dem großen Bauernhof mit dem Tor einfach geradeaus fahren und an der Kreuzung, wo es nur noch rechts geht einfach der Straße folgen. Nun ja, so in etwa, oder so ähnlich, oder total anders! Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wo wir waren.

Kurz vor Limoux spucken uns die Weinberge wieder in die Zivilisation. Was für ein Kontrast, durch einen falsch gesetzten Wegpunkt nun eine unbeabsichtigte Stadtrundfahrt zu machen. Aber auch das ist Frankreich!

Ein Stückchen folgen wir der Hauptverkehrsstraße Richtung Süden, bevor wir anschließend auf einer kleinen Nebenstraße dem Tourismus entfliehen.

Hinter Quillan biegen wir in den ersten Gorge ein, der seinen Namen verdient! Meter hoch ragen die schroffen Felswände in den Himmel und scheinen sich über uns die Hände geben zu wollen! Beeindruckend! Und was für ein Temperaturunterschied zwischen den sonnigen Abschnitten und den wirklich schattigen Stellen zwischen den Felsen.

In  haben wir wieder unvorstellbares Glück, auf einer Terrasse über einem kleinen Flüsschen zu sitzen. Was für ein Zufallstreffer, dieses Café !

(leider im Gegenlicht)
(leider im Gegenlicht)

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Wir folgen weiter den Straßen des Gorge de St. Georges, bis mich ein stechender ungeplanter Mitfahrer dazu zwingt, mich am Straßenrand blitzschnell meiner Klamotten zu entledigen. Ohne Sozius kann es dann weiter gehen, bevor wir erneut den Durst der CBF stillen müssen. Ach ja: Roadine hat mich gestern nicht getreten, weil ich das mit dem Tankstopp verraten habe. Nein, sie hat mich geschlagen. 🙂

Weiter geht es mit der wilden Kurvenhatz, bevor nach der begrünten Staumauer das dunkle Graublau des Lac de Matemale auf der rechten Seite uns willkommen heißt.

Die beeindruckende Festung von Mont-Louis müssen wir leider in wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen, damit wir noch vor mittag die Grenze nach Spanien passieren können.

In Puigcerdà schaut uns ein Wirt vollkommen ungläubig an, dass wir vor 13 Uhr etwas zu essen haben möchten. Stimmt ja, wir sind in Spanien, da ticken die Uhren anders.

Fündig werden wir in Bellver de Cerdanya, wo zwei sehr bemühte Damen sich in einem engagierten Mischmasch aus Spanisch und Englisch um unser Wohl bemühen! Wir gönnen uns ausnahmsweise einen Nachtisch, aber machen uns dann doch zeitnah wieder auf den Weg.

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Nach der Mittagspause biegen wir links in ein kleines Strässchen ein , was sich kurz danach als Schotterpiste entpuppt. Eigentlich sehr schön zu fahren, aber ich denke trotzdem, der Tour Guide hat gut daran getan, nicht jeden zu fragen, wie ihm das Stück gefallen hat. 😉

An einer Baustellenampel in der Sonne zeigt das Thermometer 40 Grad. Ich denke über den
Garpunkt von Frauenfüßen in Daytona Leder und meinem Gehirn in „Carcasse-de-Schuberth“ nach . Aber zumindest bei Zweiterem kann es nicht mehr allzu lange dauern!

Auf der traumhaften N260 nehmen wir etwas Tempo aus der Gruppe. Eigentlich sehr schade, aber aufgrund der großen Hitze und der schwindenden Konzentration die einzig vernünftige Entscheidung.

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Von Col de Canto schrauben wir uns Richtung Sort, während winzige Ansammlungen von Häusern trotzig an den Hängen kauernd auf die Widrigkeiten des Winters warten.

Bei der Kaffeepause in Realp zeigt das Thermometer unglaubliche 42 Grad! Wir genießen ist aber trotzdem, noch einen Moment im Schatten zu sitzen.

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Kurz hinter Escaló verlassen wir die C28 und klettern noch einmal wie die Bergziegen hinauf nach Jou und Son.

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Hinter einer engen Kehre eröffnet sich rechts der Blick auf den Pantà de la Torrassa.

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Wie gerne würde ich jetzt in dieses kühle Nass springen! Aber mehr als ein sehnsüchtiger Blick und ein Foto bleibt mir nicht, dann geht es schon wieder weiter.

Wir biegen wieder links ab und nehmen die letzten 36 Kilometer bis zum Ziel in Angriff. Wir jagen erfolgreich erst ein spanisches Wohnmobil und dann die vielen Kehren hinauf zum Port de la Bonaigua.

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Und weil es so schön war, lassen wir dieses Wohnmobil bei dem kurzen Fotostopp wieder passieren, um kurz darauf erneut Jagdglück feiern zu können! Das Leben ist schön!

In Baqueira wird mir bewusst, wie ungebildet ich bin! Ich wusste gar nicht, dass es auch Legebatterien-Haltung für skifahrende Spanier gibt! Also wieder etwas dazugelernt! 😉

In Vielha, unserem heutigen Ziel, umgibt uns schlagartig der totale Touristen Trubel! Vielleicht heute auch eine schöne Abwechslung.

Nun ja, zumindest der Blick aus dem Hotel könnte schon mal schlechter sein…

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Anmerkungen des Tages:

Anmerkung 1:

Ja ,ich jammere über die Temperaturen. Aber ich weiß auch, dass alles besser als Regen oder Schnee ist. Also betreibe ich jammern auf hohem Niveau.

Anmerkung 2:

Warum hat der französische Rollsplit einen so wohlklingenden Namen wie „Gravillons“, der mich so an wunderschöne Schmetterlinge (=“Papillon“) erinnert.

Anmerkung 3:

Mensch… Das wichtigste habe ich vergessen! Wir waren doch auf der Suche nach den Pyrenäen! Zuerst haben wir noch geglaubt, diese hinterlistigen Dinger hätten sich klammheimlich einfach so unter uns breit gemacht. Aber dann haben wir sie gefunden, versteckt, zwischen zwei Häusern. DAS hätte man uns auch vorher mal verraten können. 😉

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Anmerkung 4:

Ich hatte noch mehr Anmerkungen, aber in der Hitze vergessen… 🙁

 

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