Quo vadis Mädchenmotorrad?

Wo starte ich…

Es ist Mitte Februar 2026 und die Fragen an mich häufen sich, warum es 2025 keinen Reisebericht gab, was wir in diesem Jahr planen oder ob sogar etwas Schlimmeres passiert ist.

Wo fange ich an zu erzählen und wo höre ich auf?

Es war absehbar

Eigentlich hatte sich schon im November 2024 abgezeichnet, dass ich 2025 keine große Motorradreise machen wollte.  Die letzte Reise in Frankreich und den Pyrenäen war das erste Mal seit ewiger Zeit für mich anstrengend! Können die “Geschwister Eisenarsch” sonst nicht genug Kilometer unter die schwarzen Gummipneus nehmen, so habe ich bei der Pyrenäen-Tour jeden Tag die Kilometer sehnsüchtig heruntergezählt. Wann gab es das das letzte Mal? 

Regentage haben mich nervös gemacht, unbekannte Strecken sowieso und an einem Morgen musst Monika sogar nach dem Frühstück meine Nerven beruhigen, da ich sonst nicht hätte losfahren können (oder wollen?) Aber so richtig erklären konnte oder wollte ich mir das einfach nicht. 

Selbst in den Blogbeiträgen scheint die weniger vorhandene Begeisterung durchgeschimmert zu sein, da sich dies in den Kommentaren der Leser widergespiegelt hat. 

 

Schnecken müssen in Frankreich einfach sein

 

Notbremse

Als wir aus Frankreich zurück in der Heimat angekommen sind, war ich wirklich erleichtert, gesund und munter wieder in Österreich gelandet zu sein! So einen Gedanken hatte ich vorher noch nie! Klar, es ist ein riskantes Hobby. Aber durch die vielen Sicherheitstrainings, meine Fahrroutine von weit über 100.000 Kilometern und die (meistens!) besonnene Fahrweise habe ich mir nie Sorgen gemacht, hier ein außerordentliches Risiko einzugehen! Zuhause hole ich Bücher vom oberen Regal auf einem Bürodrehstuhl stehend, das ist rein statistisch betrachtet wahrscheinlich riskanter!

Ich habe angefangen in mich rein zu horchen, versucht Gründe zu finden, Lösungen zu erarbeiten und 2025 zu planen. Aber so richtig gut hat es sich erst angefühlt,  als ich eine für mich vorher unvorstellbare Entscheidung getroffen habe: Ich möchte mir den Druck nehmen, 2025 mit dem Motorrad reisen zu müssen! 

 

Sieht man so aus, wenn man reisen “muss”?

 

Schweres Telefonat

Eigentlich beginnt vor dem Winter immer Monikas und meine Planungszeit. Wo geht es hin? Wann genau fahren wir los und welches sind unsere groben Etappen? Aber jetzt musste ich mit der Sprache heraus rücken und ihr zuerst die Hoffnung auf unsere große Nordkaptour und im Anschluss auf eigentlich jede Motorradreise 2025 zu nehmen. Sie hat es erstaunlich gut aufgenommen, auch wenn wir wirklich als “Geschwister Eisenarsch” wie ein altes Ehepaar miteinander gereist sind.

Schnell haben wir aber entschieden, dass also aus unserem Planungswochenende einfach ein Freundinnen-Wochenende wird. So haben wir uns im Januar 2025 einfach einmal auf halber Strecke für eine Übernachtung, bisschen Sightseeing und jede Menge Gequatsche getroffen. 

 

Zu Besuch in Steiff-Museum in Giengen an der Brenz

 

Suche nach den Gründen

Aber was sind nun die Gründe für mein Aussetzen 2025 und vielleicht auch in 2026? Ich glaube, es ist eine große Sammlung von Gründen, die einfach zu der Gesamtentscheidung geführt haben. 

Niederheimstromer

Ein Hauptgrund, weniger Motorrad zu fahren, ist sicherlich mein Umzug nach Tirol! Hört sich paradox an, oder? Ich bin zwar in das Motorradparadies schlechthin gezogen, habe aber meinen tollen zweiradbegeisterten Freundeskreis der Niederrheinstromer in meiner alten Heimat zurückgelassen. So fehlen mir die regelmäßigen Treffen, die gemeinsamen längeren oder kürzeren Ausfahrten und auch die vielen Motorradtrainings mit den Trainingsjunkies gehören der Vergangenheit an. Klar hätte ich mich in meiner neuen Heimat einer Clique anschließen können, aber es wird seine Gründe gehabt haben, warum ich dies nicht in Angriff genommen habe.

 

Tolle Truppe – toller Stammtisch

 

Neues Paradies

Ein weitere Baustein meine Entscheidung ist auch wieder der Umzug nach Tirol! Ich habe eine neue Familie und bin landschaftstechnisch ins Paradies gezogen! Ich bin ein leidenschaftlicher Wintersportler und daher macht mir eine schneebedeckte oder salzverkrustete Straße von Anfang Dezember bis Mitte April nichts aus! Ich kann mich mit Schneeschuhen, Tourenski oder einfach nur bei einem ausgiebigen Winterspaziergang so wunderbar erholen, dass mir das motorisierte Zweirad einfach nicht fehlt!

 

Sommer wie Winter, maximal 45 Minuten Anfahrt

 

Ja, ich liebe es!

 

Der Winter ist so wunderschön!

 

Landschaft, Berge, Horizont

 

Mit der Stieftochter in Holland am Meer

 

Im Sommer wird es nicht besser! Es rufen die Berge, die Gipfel mit ihren Gipfelkreuzen, lange und kurze Radtouren in atemberaubender Landschaft und lange gemeinsame Spaziergänge mit meinem neuen Partner. Warum sollte ich es vorziehen, stattdessen mit dem Motorrad unterwegs zu sein? Ich hätte ja jederzeit fahren können und dürfen, aber ich wollte einfach nicht! 

 

Auch Christoph und ich können “Fuß-Fotos”

 

Am Gipfelkreuz alleine und frei

 

Unten Sonne, oben Schnee

 

Mit dem Fahrrad unterwegs auf der Hausrunde

 

Man kann so viel erleben: Berge, Schnee UND Fahrrad

 

Alte Dame

Es gibt auch einen dritten Grund, den ich eigentlich gar nicht laut aussprechen darf. Meine geliebte Schwarze hat inzwischen 160.000 km auf dem Buckel und ist 17 Jahre alt. Sie kommt nun in ein knackiges Alter, das heißt überall knirscht und knackt es bei ihr. Sie hat mich wunderbar sicher wirklich quer durch Europa gebracht und war stets ein treuer Begleiter. Aber in den vergangenen Jahren häuften sich die Momente der Werkstattbesuche, des “Nicht-mehr-Anspringens” und bei näherem Hinsehen in der Garage sieht man ihr auch ihr ereignisreiches Motorradleben an! Hatte der Meister in der Werkstatt nicht beim letzten Mal sogar gefragt, ob unter dem Gaffa-Tape auch noch Handschützer sein? 

 

Meine kleine Schwarze…

 

… hat schon viel erlebt!

 

Ich hänge unendlich an ihr, denn ohne sie hätte ich diese Leidenschaft mit manchmal 20.000 gefahrenen Kilometer pro Jahr sicherlich nicht so ausgelebt! Daher fällt es mir, so blöd es sich anhört, unheimlich schwer, sie durch etwas Neues zu ersetzen. Aber auch die Vernunft sagt mir, dass es im Moment Quatsch ist, viel Geld in ein neues Motorrad mit entsprechender Reiseausrüstung zu investieren, wenn das Herz und die Leidenschaft mich nicht in die Ferne zieht! Wenn man ehrlich rechnet, sind selbst mit einer neuen Suzuki, mit Reisegepäck, Griffheizung und anderen Annehmlichkeiten schnell 15 bis 20.000 Euro fällig. Ist es mir das wert? 

 

Neue Sicht auf das Leben

Es gibt noch einen weiteren Grund,  der mich davon abhält, derzeit auf das Motorrad zu steigen. Nach meiner Krebsdiagnose Ende 2023 hat sich tatsächlich der Blick auf mein Leben und die Einstellung dazu immer mehr verändert. Jeder muss mit so einer Diagnose den eigenen “richtigen” Weg finden. Ich habe ja – Stand heute – so unglaubliches Glück gehabt und hoffe innständig, die Krankheit ein für alle Mal besiegt zu haben. Während andere nach so einer Diagnose beschließen, alles das noch im Leben zu machen, was schon immer auf ihrer bucket-list stand, habe ich für mich entschieden, dass ich das Leben nun einfach ganz anders genießen möchte!

 

Ich muss drüber lachen – Ja, da sind meine beiden neuen Freunde! 😉

 

Ich – für mich – möchte es einfach nicht auf der Straße sinnlos riskieren! Zum Einen habe ich durch die oben genannten Gründe viel weniger Übung auf dem Motorrad und begebe mich daher selbst in ein größeres Risiko, wenn ich untrainiert die weiten Reisen unternehme. Ich empfinde aber auch die Welt auf der Straße immer rücksichtsloser. Jeder möchte zuerst ans Ziel kommen und das um jeden Preis. Und bei eben diesem egoistischen Spiel auf einem Spielplatz, der keiner ist, möchte ich nicht teilnehmen.

Für den ein oder anderen klingt es sicherlich recht radikal und zu pessimistisch, aber dies ist leider mein Empfinden.

Was heißt das nun?

Ich habe das erste Mal,  seit ich die kleine Schwarze besitze,  sie über den Winter abgemeldet.  Ich bin 2025 im April zum TÜV gefahren und seit der Zeit keinen Meter weit! Ist sie im April noch widerwillig angesprungen, so hat sie im Herbst beleidigt gar keinen Ton mehr von sich gegeben. Ich habe meine Motorrad-Funktionswäsche auf den Dachboden gebracht und auch im Schrank in der Werkstatt sind die wichtigen Motorradgegenstände nun in die zweite Reihe gewandert. Sie haben anderen Gegenständen Platz gemacht, die ich eher in Griffweite liegen haben möchte! Dies sind Wanderstöcke, mein Fahrradhelm, mein Tourenrucksack und allerlei andere Dinge, die ich in den Bergen verwenden kann.

 

Zeit zum Radeln

 

Ausblick aus meinem Gartenhäuschen

 

Viel Natur

 

Zeitvertreib

Für unseren Reiseberichten aufmerksam gefolgt ist, wird wissen, dass Monika und ich wahre Wasserratten sind! Wo immer sich eine Pfütze, ein See oder ein Meer uns in den Weg wirft, scheuen wir keine Umstände und versuchen, ein paar Bahnen zu ziehen! In diesem Jahr habe ich das erste Mal in meinem Leben einen echten Badeurlaub in Griechenland gemacht! Und ich muss gestehen dass Sonne, Wasser, Wind und ein bisschen Unterwasserwelt für mich gerade durchaus ein Ersatz für verpasste Motorrad Kilometer sind

 

Gemeinsamer Urlaub am Meer – ich bin noch nie in Urlaub geflogen – also mit dem Flieger…

 

Aber auch mit der Vermietung unserer Ferienwohnungen wird mir im Sommer nicht langweilig. 20 Meter Balkon wollen erst einmal bepflanzt werden. 

 

Beschäftigung im Frühjahr

 

Gar keine Wehmut? 

Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass mir dieser Blogbeitrag nicht nahe geht. Ich habe so tolle Dinge entdeckt und spannende Sachen erleben dürfen, denke aber auch mit Sehnsucht, mit Freude und mit Wehmut an diese Zeiten zurück. Ich habe mit Monika die beste Reisebegleitung aller Zeiten gefunden. Wenn es einen Deckel für jeden Topf gibt, dann waren wir das. Es war immer alles toll! Nichts hat uns die Laune vermiesen können, dazu haben wir über die Dinge viel zu sehr gelacht. Wie oft wurden wir für ein lesbisches Pärchen gehalten, wie oft gefragt, wo denn unsere Männer sein? 

Ich habe so wundervolle Freunde bei den Niederrhein-Stromern gefunden, die mich hoffentlich den Rest meines Lebens begleiten werden. Es sind Blogger-Freundschaften entstanden, die ich mir nie hätte träumen lassen. Wie kann aus anonymen Worten im Internet und aus einem ersten Treffen eine so enge Verbundenheit entstehen kann. Du weißt, wer gemeint ist, auf der anderen Seite des Passes! 🙂 

Aber dennoch kann ich mir jetzt gerade im Moment nicht vorstellen, die kleine Schwarze wieder anzumelden, mich in meine Kombi zu zwängen und die Straßen unsicher zu machen. Ich würde gerne weitere Fotoreisen für Passportraits begleiten, ich würde gerne ans Nordkap, ich würde gerne weitere Länder bereisen und die genialen Reisen mit Monika weiterhin unternehmen. Aber in der Prioritätenliste stehen halt andere Dinge noch weiter oben und zaubern mir ein noch breiteres Grinsen ins Gesicht. Zeiten ändern sich….

 

Verwüstete Zimmer nach Dauerregen

 

Reisen in alle Himmelsrichtungen

 

Monikas entzücktes Gesicht bei Espresso 😉

 

Blogger-Treffen mit Valle on Tour

 

Eine wundervolle Fotoreise mit Motorprosa und moppetfoto.de

 

Gipfeltreffen mit Bloggern und Freunden zur Premiere von “Abseits der Kehren” auf dem Stilfser Joch

 

Hätte ich ahnen können, dass dies eines der letzten gemeinsamen Reisebilder ist?

 

Wünsche für die Zukunft

Ich würde mich freuen, wenn einige der Biker-Freundschaften auf Dauer bleiben würden, auch wenn es mich vielleicht nie mehr wieder auf das Motorrad zieht. Ich freue mich umgekehrt aber auch über jeden Bericht von euch, über Videos, Filme, Blog-Beiträge und Reiseberichte. Ich möchte mich mit Monika weiterhin treffen – wir haben so viel Zeit miteinander verbracht, das fehlt mir. 

Ich freue mich aber auch auf Zeit mit meiner neuen Familie, Reisen mit meinem neuen Partner, entdecken anderer Länder, anderer Reiseformen, anderer Hobbies. Ich bin neugierig! Neugierig, was ich noch alles entdecken darf! 

 

Anmerkungen zum Bericht

Anmerkung 1:

Ohne Schneemann geht es nicht

 

Anmerkung 2:

Monika, Du fehlst mir! Ich hoffe, dass unsere “Planungs-Wochenenden” nicht ersatzlos ausfallen.

 

Zweites Freundinnen-Treffen abseits der Motorradreisen

 

Anmerkung 3:

Ohne Worte!

7 comments on “Quo vadis Mädchenmotorrad?

  1. Alles hat seine Zeit. Manchmal kommt die Sehnsucht wieder – manchmal nicht. Halte die tollen Motorradmomente in deinem Herzen und schau was passiert – oder auch nicht.
    Ich freue mich Dich zu kennen
    Horst

  2. Hallo Jule
    Es ist ein toller Bericht, der mir zeigt was für ein toller Mensch du bist.
    Ich freue mich sagen zu können, dass ich froh bin dich vor Jahren kennen gelernt zu haben und es mir absolut egal ist ob du Motorrad fährst oder nicht. Hauptsache wir verlieren nie den Kontakt.
    Auf das Treffen mit dir im August freue ich mich jetzt schon riesig.
    Bleib wie du bist und lass dich von niemanden ändern.
    Liebe Grüße vom Niederrhein

  3. Hallo Jule, die meisten werden ruhiger im Alter .
    na in Österreich gäbe es die Möglichkeit das Kennzeichen “zurück zu legen,”, bis zu 2 Jahre. Da kann Frau oder auch Mann dieses ohne grosses Büro wieder abholen. In dieser Zeit zahlt man keine Steuer und keine Versicherung.
    Weiterhin alles Gute. mein Krebs ist überwunden, gelte als geheilt, werde also noch viele Km fahren.

  4. liebe Julia
    gut so, denn wer keinen Plan B hat, hat nur einen Plan A ohne Option. So finde ich deine Überlegungen gründlich und großartig, denn wir leben nur zwei Mal. Das zweite Leben beginnt, wenn wir checken, dass es (wahrscheinlich) nur ein Leben gibt. Also genieße “unsere” Berge, die Freiheit, die Luft, den blauen Himmel und die grünen Wiesen … jeden Tag, direkt vor der Haustüre. Das ist unser Privileg, für das wir danke sagen müssen.
    Schön, dass wir gleich ticken und immer einen guten Huangart haben
    (Huangart = small talk, damit deine Freunde verstehen, was wir damit meinen.)

    Liebe Grüße von der downTown – Stefan

  5. Liebe Jule,
    ich denke, du musst nichts bereuen. Du hattest viele tolle Erlebnisse mit deiner V-Strom und trägst diese im Herzen. Es ist deine Entscheidung und wenn es sich für dich jetzt richtig anfühlt, ist es gut so. Auch finde ich es bewundernswert, wir offen du deine Gedanken hier teilst. Um deine Fangemeinde weiter zu unterhalten, könntest du deinen Blog ja in Mädchen Mountains oder Mädchen Bike (Fahrrad) umbenennen. Nicht nur deine persönliche Art, auch wie unterhaltsam du deinen Blog immer geschrieben hast, haben mich immer begeistert.
    Mich packt ja auch immer das Reisefieber und so werde ich in diesem Jahr mein Hobby zum Teil-Beruf machen. Ich werde Südamerika Touren mit dem Motorrad organisieren und vor Ort begleiten. Sollte es Dich also mal nach Südamerika ziehen, ist für dich auch im Begleitfahrzeug immer ein Platz frei.
    Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, wir sehen uns irgendwo und irgendwann.
    Dein Bruderherz

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