WaPu-28.04.2017

Auf dem Weg zu den Hexen

Es ist zehn vor 6 Uhr, als der Wecker klingelt. Ich könnte ihn verfluchen! Aber ein paar Dinge muss ich noch versuchen in die vollkommen überfüllte Tasche zu stopfen. Es ist ein Wunder, dass neben Schlafsack, Isomatte und Kissen überhaupt noch irgendeinen Kleidungsstück Platz gefunden hat.
Noch keine Nachricht von den Mitreisenden, aber zumindest Truder müsste eigentlich schon wach sein. Ich quäle mich aus dem Bett und versuche zuerst einmal mit Tee und Frühstück meine Lebensgeister zu wecken .

Mehr als pünktlich starte ich den brummigen V2 und freue mich darauf, die gewonnene Zeit am Treffpunkt mit einem Latte macchiato zu krönen. Leider habe ich diese Rechnung ohne den LKW gemacht, der sich dem gesamten Berufsverkehr auf der Seite liegend in den Weg geworfen hat. Trotz extra von mir eröffneter vierter Fahrspur schaffe ich es nicht einmal mehr pünktlich zum Treffpunkt…

Heiko und Dirk warten aber tapfer bis ich ein paar Minuten zu spät auch an der Tankstelle auflaufe und mein kleines Pferd noch einmal volltanken. Die Stauvorhersage bis Gevelsberg ist leider auch nicht so prickelnd, weshalb wir Olaf und Peter schon einmal bekannt geben, dass sie sich nicht allzu sehr beeilen müssen. Wider Erwarten läuft es dann aber doch recht flüssig, so dass wir fast pünktlich ankommen.

 

Leithammel

 

Dirk spielt den Leithammel, ich den Lumpensammler und der Rest reiht sich dazwischen ein. Aber schon ein paar Kilometer weiter machen wir den ersten Stopp, denn Peter muss sowohl Luft wie auch Benzin in seine Strom bringen. Ich bin nicht wirklich unglücklich darüber, denn der hastig zu Hause in mich hinein geschüttete Tee lässt mich schon seit ein paar Kilometern ein wenig anderes denken.
Aber dann ist es tatsächlich soweit, und wir können die weite Strecke bis in den Harz in Angriff nehmen. Wir haben uns zwar alle dick eingepackt, geben aber offen zu, dass ein paar Grad mehr uns gut gefallen würden.

Erster Kaffee

Bei einer kurzen Rast für einen Kaffee und einem zweiten Snack meint Olaf recht trocken: „Wenn die Wolke nicht wären, hätten wir richtig viel Sonne.“  Ich bin ihm sehr dankbar, für so viel Weisheit. 😉

Dirk hat eine tolle Strecke rausgesucht. Auf kleinsten Straßen klettern wir auf und ab durchs Sauerland. Die letzte Straßenausbesserung muss zwar schon ein paar Jahrzehnte her sein, aber dennoch genieße ich die kleinen Straßen durch Wald und Wiesen.

 

 

Ja! Es könnte wirklich wärmer sein. Ich suche auf meinen Heizgriffen die Stufe „G“ für „Grillen“ oder eher „R“ für „Rösten“. Aber egal wie verzweifelt ich auf dem Knopf herum drücke, nach Stufe 9 tut sich einfach nichts mehr.

Weiter und weiter lassen wir uns Richtung Osten treiben. Wir passieren den berühmten Regionalflughafen Kassel – Calden. Mal ganz im Ernst, wer braucht an dieser Stelle einen Flughafen? Aber er hat es sogar bis zu uns in die Nachrichten geschafft, da man in diesem Sommer fast täglich einen Flug anbieten möchte. Unvorstellbar – so oft?! Na, da würde ich über eine neue Startbahn mal direkt mit nachdenken!

Kurz hinter Zwingenberg passieren wir ein kleines – ganz anders aussehendes Waldstück. Trotzig in den Himmel ragende Bäume bewachen ihre längst laublos am Boden liegende Brüder.. Daneben sieht man, wie Wildschweine versucht haben, sich unter der Straße durch zu buddeln…oder am Straßenrand Eicheln gesucht haben. Auf jeden Fall sieht so ein gut gepflügter Acker aus.

Kaum haben wir den Wald wieder verlassen, bremst uns ein kleiner Oldtimer-Traktor kurz aus, aber er ist toll anzuhören und anzusehen, deshalb haben wir es nicht eilig mit dem überholen innerorts.

 

 

Als wir auf eine kleine Fähre warten, rufe Peter nach der dringend benötigten Kaffeepause. Auch ich wäre nicht böse, mit dem schwarzen Heißgetränk meine müden Augen etwas zu ermuntern.

 

Der „Fluß“ an der „Fähre“

 

Kurz danach ist es auch schon wieder Zeit zu tanken. Und während die einen an der einzigen Zapfsäule stehen, schwärmen die anderen aus, um ein geeignetes Lokal zu finden kurz danach gibt es Apfelstrudel mit allem und vor allen Dingen Kaffee.

 

Pause für die einen….

 

… und die anderen

 

Wir genießen die willkommene Stärkung und starten direkt danach für die letzte Etappe Richtung Tettenborn. Doch wieder einmal bin ich die Bremse, als ich ein Schild zu einem Vier-Sterne-Hotel sehe. Der vorhin noch so sehnlich gewünschte Kaffee möchte nun nicht mehr weiterreisen. Ich springe in das Hotel und stehe in einem Altenheim.  🙂  Es sind wohl noch nicht alle Schilder gewechselt worden. Mir egal! Die Besuchertoilette ist meine und die komischen Blicke ignoriere ich. 😉

beste Straßen

 

aber außer uns niemand unterwegs

Weiter gehts und so können wir kurz nach 17 Uhr in Tettenborn an den Zaun klopfen. Weit öffnen sich uns die Pforten auf für uns bis dahin unbekanntes Terrain. Aber kein Problem, eben über die Terasse, rechts über die Wiese, wieder rechts durch die Scheunentür, die beiden Pferde links stehen lassen und schon können wir unsere Pferdchen zufrieden auch im Stroh abstellen.

Übertrieben meint ihr?  Seht selbst:

 

Alles PS zufrieden im Stroh

Herzlich werden wir von Jörg und Gilla und den vielen anderen schon Angereisten und Nachbarn in Empfang genommen. Gilla schaltet schnell und zeigt mir direkt Haus und Hof – nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn noch sind nicht alle Betten belegt, ich habe noch fast freie Zimmerwahl und so suche ich mir das noch leere 3-er Zimmer mit Schlafcouch aus. Ich weiß jetzt schon mal, wo ICH schlafe und dass die Luftmatraze nicht zum Einsatz kommen wird! 😉

Schnell die Sachen ins Haus gebracht, dann stürzen wir uns auch schon mit dem wohlverdienten Feierabend-Bier ins Getümmel. Nun ja, nicht alle! 😉 Heiko und Wattie errichten jeweils noch schnell ihr Nylon-Häuschen und richten sich noch im Tageslicht ein. Aber dann sind wir alle bereit und freuen uns darauf, ab sofort für alle später Anreisenden mit zum Empfangskomitee zu gehören.

 

Punkt 20 Uhr rollt der Caterer mit dem Abendessen auf den Hof und die Meute stürzt sich hungrig auf das wirklich phantastische Buffet. Obwohl es wirklich eng ist und einem Tetris-Spiel ähnelt, lasse ich es mir nicht nehmen, noch ein zweites Mal den Teller mit all den Leckereien zu füllen. Kurz darauf höre ich dann traurig, dass es auch noch Eis als Nachtisch gibt! Warum traurig?! Bei bestem Willen – in mich geht nichts mehr rein. Nicht einmal sich beim Schmelzen im Magen um das Buffet verteilendes Eis – nein – nichts! Aber so weiß ich für morgen Bescheid! 😉

Als Verdauung greife ich erst stirnrunzelnd und dann zunehmend begeistert bei Toniis Ingwer-Zitronenschnaps zu. Sind ja nur gesunde Zutaten drin! 🙂

Ein paar verwegene trotzen den draußen herrschenden Temperaturen und führen ihre Gespräche außerhalb der von Jörg eingeheizten Hütte. Der andere Teil genießt dagegen das Holzfeuer.

So wird es mehr und mehr Nacht und so langsam verteilt man sich in Zelt, Wohnmobil, Haus, benachbarte Ferienwohnungen oder ein paar KIlometer entfernte Unterkünfte.

Es herrscht jetzt schon Vorfreude auf den kommenden Tag!

Anmerkung 1:
Wer sprach warum egentlich noch mal von Urwaldmaggi? War es ein Whiskey oder irgendein Kräuterschnaps?

Anmerkung 2:

Rein optisch sieht es aus, als würde Olaf einen Anhänger hinter sich her ziehen….

Packesel

2 comments on “WaPu-28.04.2017

  1. Hey Schwester,
    jetzt habe ich Deinen Blog gelesen und herzlich gelacht 🙂

    …Rein optisch sieht es aus, als würde Olaf einen Anhänger hinter sich her ziehen….
    Ja, es war eine tolle Tour!!!
    Immer wieder schön, mit Dir auf Reisen zu gehen.

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