Deutschland 2019 Tag 6 – Tag der Umwege

Guten Morgen

Toller Vorabend, tolles Bad, tolle Luft, tolle Nacht!

Total erholt und ausgeschlafen wachen wir in Dorum auf! Es ist einfach schön, im Bett zu liegen!

Geplant haben wir heute eigentlich nur 330 km und lassen es dementsprechend ruhig angehen! Das Frühstücksbuffet biegt sich unter der Auswahl der verschiedenen Speisen. Typisch für die Küstengegend gibt es natürlich auch eine echt tolle Auswahl an verschiedenen Fischspezialitäten.

Wir möchten gar nicht wirklich aufstehen und so machen wir uns erst gefühlte sechs Teetassen später auf den Weg, die restlichen Sachen auf die Motorräder zu schnallen und dieses kleine one-night-paradises zu verlassen.

 

Dorumer Hafen am Morgen
Dorumer Hafen am Morgen

 

Schattenspiele in der Morgensonne
Schattenspiele in der Morgensonne

 

Gegensätze

Ich möchte heute morgen dicht am Deich entlang Richtung Süden fahren.

 

Immer am Deich entlang
Immer am Deich entlang

 

Deshalb geht es über Schmarren und Imsum bis kurz vor Bremerhaven. Die vielen Kräne am Hafen schauen uns schon frühzeitig über den Deich beim Fahren zu und weisen uns den Weg. Was für riesige Stahltürme diese Krähne sind!

 

Die Krähne schauen über den Deich
Die Krähne schauen über den Deich

 

Ich würde gerne ein Foto aus der Nähe machen, stehe aber abrupt vor der Zollabfertigung. Okay, das wollte ich dann auch nicht. 😉 Wir drehen unverrichteter Dinge wieder um.

Wir landen in der Baustelle für den Hafentunnel und quälen uns hinter ein paar LKWs durch die Ampelphasen. Krasser könnte der Kontrast nicht sein, zwischen dem beschaulichen Cruisen am Deich entlang und dem Schwerlastverkehr, der den Bremerhavener Hafen aufsucht!

 

Baustelle in Bremerhaven
Baustelle in Bremerhaven

 

Wir überqueren bei Spaden die Autobahn gen Osten und schlagen so einen weiten Bogen um Bremerhaven.

 

Immer diese Technik

Heute scheint der Tag der nicht funktionierenden Technik zu sein. Seit ein paar Kilometern stelle ich fest, dass die Kamera sich nicht mehr einschalten lässt! Vor einem Bahnübergang in Sellstedt beschließt dann auch mein Sena, nicht mit mehr mit mir zu sprechen! TomTom hätte jetzt gerne eine Verbindung zu einer Auto-Freisprecheinrichtung! Sag mal, Spinnen jetzt alle?!

Ich starte zuerst einmal mein Navi neu, aber der Fehler bleibt – kein Ton! Bin ich eventuell an die Lautstärke gekommen vom Headset? Ich drehe es mal deutlich lauter, um es auszuprobieren! Hmm, immer noch nichts. Mist!

Irgendwo in Nückel bei Loxstedt schaue ich mir auch eben das Problem mit meiner Kamera an. Immerhin sind wir gerade eine echt nette Straße gefahren und immer noch kein Bild bei der Kamera.

Gut, dieses Problem ist schnell gelöst! Hätte ich gestern mal die Batterie geladen, würde die Kamera auch wieder Fotos machen. Wie praktisch, dass ich immer einen Ersatzakku mit spazieren fahre und wir schon eine Minute später technisch wieder auf dem Stand der Dinge sind.

Scheinbar hat TomTom auch eingesehen, dass mir auf den vergangenen fünf Kilometern schöne Fotos entgangen sind. In einer großen Schleife lotst mich das Navi also einfach die ganze Strecken noch einmal entlang! Komisch, ich habe das Gefühl als wäre ich schon mal hier gewesen – vor genau 20 Minuten! 😉

 

Tolle Straße bei Loxstedt
Tolle Straße bei Loxstedt

 

Vollkommen unvermittelt brüllt mir nun auch mein Headset wieder in ins Ohr. Irgendwann springe ich bei so einer Aktion einfach mal vom Motorrad vor Schreck! Ich drehe die Lautstärke wieder leise und jetzt sind wir alle wieder Freunde!

 

Spontaner Umweg

Die Straße von der B6 nach Desesdorf ist leider wegen Baustelle gesperrt – wir müssen weiter der B6 folgen. Missmutig beschließe ich daher unmittelbar vor dem Wesertunnel, dass ich nun gar keine Lust mehr auf Wesertunnel habe! Es gibt doch etwas weiter südlich eine Fähre. Die möchte ich nehmen! Ich liebe Fähren!

 

Einer der vielen Kanäle
Einer der vielen Kanäle

 

Also setzen wir den Blinker nach links, sind ja nur 12 km bis Sandstedt. Es wären 12 km gewesen, wenn man den Weg gefunden hätte! So durchkreuzen wir das Gebiet südlich von Bremerhaven, überqueren die Autobahn, fahren durch kleine Dörfer, überqueren wieder die Autobahn und finden nach ca. 25 km auch endlich die Fähre! Es ist ja nicht so, als müssten wir heute irgendwann im Hotel sein!

 

Fähre Sandstedt
Fähre Sandstedt

 

Fahrpreise
Fahrpreise studieren

 

Auf der Fähre
Auf der Fähre

 

Warnschild
Nicht weiterfahren – da hat es Weserwasser!

 

Auf der Fähre merken wir, dass es nun auch langsam Zeit für eine Pause ist. Aber wir möchten gerne vorher noch Nordenham hinter uns bringen. Also fahren wir erst ein paar kleinere Landstraßen und biegen dann auf die Hauptstraße 212 ab, um schnell viel Strecke zu machen. Erst ab Blexen wollen wir dann wieder entlang der Nordsee Richtung Westen fahren.

In Burhave finden wir dann an einer netten Bäckerei einen schönen Platz in der Sonne.

 

Bäckerei in Burhave
Bäckerei in Burhave

 

Detail vom grünen Fahrrad
Detail vom grünen Fahrrad

 

Weiter geht es über Langwarden am Deich entlang.

Kartenwolke

Irgendetwas flattert an meinem Oberschenkel. Ich blicke nach unten und erkenne aus dem Augenwinkel eine meiner Landkarten. Aber bevor ich reagieren kann, entlädt sich der gesamte Inhalt meines Kartenfach und Monika verschwindet im Rückspiegel in einer Wolke aus Karten, Blättern und Zetteln! Okay, ich stelle schnell das Motorrad ab und bin froh, dass der stürmische Wind von gestern nur nicht mehr bläst! So habe ich eine reelle Chance, die Karten unserer Reise, die Hotelliste und vorsichtshalber auch den Aufkleber vom Timmelsjoch und eine Routenbeschreibung von Südtirol von der Straße auf zusammen! Man weiß ja nie, wo man so lang fährt! 😉

 

Der Inhalt meines Kartenfachs
Der Inhalt meines Kartenfachs

 

Ich fahre weiter – nun fehlt Monika nach 10 Metern. Kurz danach kommt sie angefahren und reicht mir noch eine Karte, die sie vom Straßenrand gerettet hat. Danke! 🙂

Kleine rote Mistviecher zerschellen an unseren Visieren und sind augenblicklich getrocknet! Was sind dies für biestige Insekten, die uns über und über bedecken?! Selbst die Putztücher färben sich gelb-rot und geben diese Farbe auch nicht mehr her!

 

Leuchttürme und andere Türme all überall
Leuchttürme und andere Türme all überall

 

Jadebusen

Kurz vor Eckwarden blinzeln uns erneut große Hafenkräne über den Deich an. Mitten im Nichts Hafenkräne? Da wird mir klar, dass dies bereits der Hafen von Wilhelmshaven ist, der hier am Jadebusen direkt hinterm Deich zu liegen scheint.

 

Blick über den Jadebusen
Blick über den Jadebusen

 

Für uns ein Anlass, den Blinker nach rechts zu setzen und mal eben an einer Treppe über den Deich zu schauen! Oh, es ist Niedrigwasser! Aber für eine Wattwanderung im Jadebusen fehlt uns jetzt die Zeit!

 

Auf dem Deich
Auf dem Deich

 

Picknickpause

Waren in Eckwarden noch Bänke auf dem Deich, die uns zu einem Picknick Mittagspause mit Blick auf den Jadebusen inspiriert haben, fehlt auf den folgende Kilometer bis Varel jegliche Sitzmöglichkeit. Also wird es der Hafen von Varel, der uns ein schattiges Plätzchen zur Rast gibt. Man kann schlechter sitzen!

 

Picknick-Schiff in Varel
Picknick-Schiff in Varel

 

Hafen von Varel
Hafen von Varel

 

Ich entledige mich meiner letzten wasserdichten Klamotten und packe anschließend die Reste des Picknicks und meine Kleidung wieder in den Koffer! Weiter geht es noch ein paar Kilometer am Jadebusen entlang. Aber 700m später stoppe ich schon wieder. Bevor ich jetzt auch noch mit meiner Wäsche werfe, mache ich mein Topcase einfach mal wieder zu! Irgendwie ist heute der Wurm drin!

 

Romantisches Wilhelmshaven

Nach der Erfahrung mit Kiel habe ich mich entschieden, das schöne Wilhelmshaven auf der Autobahn zu umfahren. Ja, eine Schande, aber so wollte ich es halt! Erst in Fedderwardergroden verlassen wir die Rennstrecke und setzen unsere Reise fort.

 

links der Ölhafen
links der Ölhafen

 

rechts die Zuleitungen
rechts die Zuleitungen

 

Zwischen Ölhafen und dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer fahren wir Richtung Hooksiel und Horumersiel , immer an der Baustelle eines nigelnagelneuen Fahrradwegs entlang!

 

Nationalpark Wattenmeer
Nationalpark Wattenmeer

 

Auf dem Deich
Auf dem Deich

 

toll bewachsene Häuser
toll bewachsene Häuser

 

Das Wetter zieht sich stellenweise bedrohlich zu! Ich hoffe, wir werden nicht noch nass. Monika wird dies nicht so stören, sie ist immerhin noch wasserdicht. Meine wasserdichte Kleidung befindet sich allerdings im Topcase, was einem Regentanz am Straßenrand gleich käme, wenn ich wieder Versuche in die Klamotten (3-Lagen-Kombi) zu kommen!

 

Bedrohliche Wolken am Himmel
Bedrohliche Wolken am Himmel

 

wolkenloser Himmel
… die sich aber schnell wieder verzogen haben

 

Hagermarsch und Krummhörn

Jetzt geht es wieder mal von Siel zu Siel. Friederikensiel, Carolinensiel, Neuharlingersiel, und noch viel mehr “-siels”, bis wir in Dornumergrode im “Kluntje Pott” einen Eiskaffee unter schattenspendenden Bäumen genießen!

 

Im Kluntje Pott
Im Kluntje Pott

 

Julia mit Straßenkarte
Und immer die Frage, wo fahren wir weiter?!

 

Allzu lange können wir leider nicht sitzen bleiben, drängt uns doch ein bisschen die Zeit, da wir die kleine Fähre Petkum – Ditzum heute abend noch erreichen wollen.

In Norddeich stolpere ich über ein Straßenschild zum “Waloseum”. Das musste ich doch direkt mal googlen! Wer sich also auch über die Bewohner des Nationalparks Wattenmeer erkundigen möchte, kann dies in der Einrichtung Waloseum der Seehundstation Norddeich gerne tun. Oder eben im Internet….

In Greetsiel nehmen wir uns noch kurz Zeit, die berühmten Zwillingsmühlen in Augenschein zu nehmen. Wie bekommt man wo die beiden am besten vor die Linse?

 

Zwillingsmühlen von Greetsiel
Zwillingsmühlen von Greetsiel

 

Der rot-gelbe Leuchtturm von Pilsum musste danach leider unserem Zeitmanagement weichen. Wer wollte denn heute morgen auch partout nicht “mal eben” den Wesertunnel nehmen und somit wertvolle Zeit sparen! 😉

 

Emden und die Fähre

 

Emden
Emden

 

Bis nach Emden treiben uns die Autofahrer in den Wahnsinn. Ich habe ja nichts gegen regelkonformes Fahren (und tue dies stets und selbstverständlich immer). Aber von der Höchstgeschwindigkeit mindestens 10 % abzuziehen, damit man auch garantiert keinen Regelverstoß begeht, das raubt einem bei Zeitdruck die Nerven! So tingeln wir mehr als wir fahren auf die Emsmündung zu – noch sollte die Fähre aber zu kriegen sein!

In Petkum dann das große Erstaunen! Nicht um 18:00 Uhr, sondern um 17:30 ging die vorerst letzte Fähre, bevor die “allerletzte” gemäß Sommerfahrplan um 19:00 die Nachzügler einsammelt und auf die andere Rheinseite (sagt man das so, bei der Ems 😉 ) bringt. Eine Stunde warten? Eine Stunde sehnsüchtig auf das rettende Ufer von Ditzum starren?

 

Hafen Petkum ohne Fähre
Hafen Petkum ohne Fähre

 

Nicht unser Ding!

Wir werfen die Motoren wieder an und entscheiden uns für den Umweg über Leer – waren heute ja noch nicht so viel Kilometer. Solange noch Gefühl im Hintern ist, geht es ja noch! 😉

 

Abendstimmung am Deich
Abendstimmung am Deich

 

und wieder ein Siel
und wieder ein Siel

 

Wir gestehen beide, dass wir von den nächsten Kilometern nicht wirklich viel mitbekommen! Geradeaus – Pflichtprogramm – so fühlt es sich gerade an.

 

Ditzum

In Ditzum angekommen sind aus den geplanten 330 km in Summe dann doch 447 geworden! Huppsala! 😉  Wir schnell das geht! 😉

Wir verteilen uns in unsere großen Ferienwohnung über alle beiden Zimmer, das Bad und den Flur, damit wir es morgen beim Packen nicht so einfach haben. Ein kleiner Bummel zum Ditzumer Hafen und in das angrenzende Restaurant mit Biergarten ist ein würdiger Abschluss dieses anstrengenden Tages!

 

Ditzum
Ditzum

 

Anmerkung des Tages

Anmerkung 1:

Heute ist wieder Tag des Tieres! Einen Hahn, der mitten auf der Straße uns krähend den Weg weist, das hatten wir auch noch nicht! Wenn doch nur das Fotografieren so schnell geklappt hätte!

Auch Lamas, oder waren es Alpakas, grasten unterhalb der Deichkrone, übermütige Fohlen galopp-hüpften um ihre entnervten Mütter und eine Kuh lag genüsslich grinsend in den wärmenden Strahlen der Morgensonne.

Anmerkung 2:

Wir bekommen virtuell ganz viele, ganz liebe Tipps, was wir uns in den Regionen noch alles hätten ansehen können. Ich glaube, ich mache mal eine Sammlung und bleibe dann länger in den Regionen und melde mich auch bei allen Tippgeber dann noch mal persönlich! Aber für diese Reise war wirklich unser Ziel, die Grenze entlang zu fahren! Uns ist, sicherlich auch ein bisschen mit Bedauern klar, dass wir ganz viel Sehenswertes links und rechts der Straßen einfach so unbeachtet liegen lassen! Deutschland ist einfach so schön!

Anmerkung 3:

Monika wünscht sich tatsächlich einen kurzen Regenschauer. Sie sieht mich so gerne in meine Klamotten hüpfen am Straßenrand! Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich eine Freundin abzugeben habe.

Anmerkung 4:

Wenn man versucht, unterwegs Schilder zu lesen, passieren herrliche Fehler! Gestern fuhren wir an einem Auto vorbei, was Spezial Textilien verkaufte – “Pepatex” oder so etwas. Ich habe “Pipifax” gelesen und dachte, was für ein blöder Name für eine Firma! Heute sind wir durch einen Kurort gefahren, wo ein Warnschild auf den “Kurbereich” hinwies. Ich habe mich gefreut wie eine Schneekönigin, dass es ab hier wohl “kurvenreich” ist!

Anmerkung 5:

Auch Monika geht es so! Sie freut sich immer über die Tankstellenmarke “Oili” statt “Oil!”. Klar weiß sie, wie es richtig hast, aber so fahren wir gerne bei “Oili” noch mal tanken.

 

Oil(i)!
Oil(i)!

 

Anmerkung 6:

Ich creme mich tagsüber ungefähr 100 Mal mit Sonnencreme ein, da ich sonst wie eine Tomate durch die Gegend fahren würde. Frei nach dem Motto “viel hilft viel” sieht Monika daher mein Gesicht mindestens genauso so oft hinter meinen Händen wie ohne die Hände davor.

Anmerkung 7:

Das Internet ist so schlecht, ich bekomme die Unterwegs-Bilder der TomTom-Kamera nicht hochgeladen. Diese werden noch nachgeschoben, daher findet ihr so viele Platzhalter! Irgendwie passt das zum heutigen Tag der Pleiten – Pech und Pannen! Sorry!

Anmerkung 8:

Mittlerweile sind alle Bilder online!

 

Die Route

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4 comments on “Deutschland 2019 Tag 6 – Tag der Umwege

  1. Hallo Julia,
    ihr fahrt ja immer noch in die Gegenrichtung von unserer Tour “aus dem wilden Westen in den nahen Osten”.
    In Hooksiel haben wir schon mehrfach gestanden, in Schillig waren wir [Einschub vom Tippgeber: Am 19.7.2019 ist in Schillig das 19. Internationale Drachenfest. Bleibt doch noch ein wenig!], die Doppelmühlen von Greetsiel haben wir fotografiert, …
    Eine gute Weiterfahrt wünscht W.S. aus L.

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