Kurz in die Ardennen

Wir wollten kurz in die Ardennen! Wobei kurz relativ ist . Im Vergleich zu der Strecke bis Neuseeland sicherlich, aber für einen Sonntagsausflug?!

Gut, ich fahre auf den Reisen auch öfter mal mehr als 400 km, manchmal sogar über 600 km. Aber ich gebe auch zu, dass ich bei den Tagesausflügen von Zuhause aus mal gerne als Wegpunkte „Café – Eisdiele – Café – Waffelbude“ eingebe und ich dann gestresst von soviel kulinarischen Eindrücken nach 200 km auf die Couch fallen kann. Immer je nach Lust und Laune.

Daher sage ich den Niederrheinstromern ja auch immer mal die Sonntagstouren ab. Wenn ich gerne nachts aufstehe, wäre ich Konditor geworden! 😉

Aber jetzt hatte ich Lust! 450 km ab Eupen bedeuten für mich zwar 650 km mit An- und Abreise, aber was tut man nicht alles für eine nette Tour durch die belgischen und französischen Ardennen.

Den Wecker auf 6 Uhr gestellt öffne ich um 5:50 Uhr schon die Augen. Der Körper schreit „UMDREHEN“, aber der Geist behält den Überblick und entscheidet aus Vernunftsgründen „AUFSTEHEN“. Tut aber gar nicht weh, so früh mit Tee und erstem kleinen Frühstück in den morgendlichen Garten zu starren. Ob das wohl jeden Morgen um die Uhrzeit so idyllisch ist? 😉

Endlich mal ohne Hektik schmeiße ich mich in die Klamotten, schnappe meinen Helm und springe aus der Haustür Richtung Garage. Ich drehe auf dem Absatz um und springe wieder in die Wohnung, einen Pullover mehr anziehen. Ja sind die denn irre? Wer hat denn da nachts die Heizung abgestellt!!!

Schön warm angezogen prüfen ich noch eben Luft. Wobei „noch eben“ auch in diesem Fall nicht ganz der Wahrheit entspricht. Wenn die Tankstellen derart abgewrackte Luftprüf-Dingendsda-Dinger hinstellen, die alles können, außer dicht mit dem Ventil abzuschließen, so hat man nach mehreren Minuten Kampf nur noch 1,7 auf der Anzeige stehen. Hmm, kommt das von dem blöden Gerät oder hat der Reifen einen Schlag weg?

Erst mal egal – ab auf die Autobahn nach Eupen. Erstaunlicherweise genieße ich diese ersten Kilometer im Morgengrauen tatsächlich immer sehr. Schaufelradbagger der Braunkohletagebaue und die stetig Wolken produzierenden Kraftwerke sind sicherlich keine Schönheit, aber sie versprühen in diesigen Morgenden einen ganz eigenen Charme. Ich genieße die Sonne auf meinem Rücken!

Kurz vor der Grenze habe ich die Eingebung: Ich tanke nicht auf der Autobahn am Grenzübergang, sondern vorher noch in Aachen-Brand! Ist ja billiger. Gut –  1,38 pro Liter in Aachen im Vergleich zu 1,34  auf der Autobahn ist nicht gerade „billiger“, aber ich versuche mich mit anderen Argumenten von der Sinnhaftigkeit der Aktion zu überzeugen. (OK, ich wusste ja in Aachen noch nicht, dass der Sprit auf der Autobahn günstiger ist. Das Argument zieht! )

Ich entscheide mich noch einmal Luft zu prüfen. Wenigstens in etwa, trotz warmen Reifens.

Sonntag morgens gibt es nur die Hightech-LKW-Luftprüf-Dingendsda-Dinger. Erst 1 km Schlauch abwickeln, dann sich selber wieder aus dem 1 km Schlauch befreien, dann den vollkommen von Diesel-Fingern versifften Aufsatz aufs Ventil setzen, Hebel runter, und feststellen: „Das hält nicht!“ Wieder Kampf mit dem Ventil. Ich habe die Wahl: Festhalten und nicht an die Knöpfe zum Luft prüfen kommen oder nicht festhalten und dem leisen Pfeifen der langsam entweichenden Luft zuhören, während ich zum Gerät sprinte. Endlich fahren zwei Motorradfahrer zu dieser frühen Stunden auf die Tankstelle und retten mich in einer gemeinsamen Aktion aus der misslichen Lage. 2,0 zeigt der Luftdruck jetzt – trotz warmen Reifens. Blödes Gefühl…

Ich fahre eben die 10 km weiter bis zum Grenzübergang, dem Treffpunkt mit Truder. Erst kämpfe ich auch hier noch mal mit so einem Schxxxx -Gerät, bevor mich Truder mit seinem Kompressor rettet. Erinnerung an mich und meine Einkaufsliste: Kompressor kaufen! So kann man immer prüfen, wann man will und der Aufsatz ist zum Schrauben auf das Motorradventil! Alle Daumen hoch!

Aber endlich kann es weiter gehen! Unser erstes Ziel ist ein Café in Belgien. Wärmender Kaffee und für die Hungrigen ein kleines Frühstück, das hat sich sehr bewährt. Neben Truder gesellen sich drei weitere GS-Fahrer zu uns. Während ich versuche mit dem Latte Macchiato wach zu werden, versucht ein GS-Fahrer mir als Anleitung für das heutige Gruppenfahren den „belgischen Kreisel“ zu erklären. Ich denke über „Kreisverkehre“ und „belgischen Reisfladen“ nach und versuche, den Erläuterungen zu folgen. Irgendwas mit „aus der Rennrad-Welt“ und „man lässt sich zurückfallen“ und „so haben alle ihren Spaß“ kommt in Wortfetzen in meinem Gehirn an, aber der ausdruckslose Gesichtsausdruck war wohl Antwort genug, dass es entweder zu früh für mich war oder ich es einfach nicht verstanden habe (oder nicht verstehen wollte) 😉 . Ich mag einfach nicht innerhalb der Gruppe überholen. Weder geplant, noch ungeplant. Wenn was nicht passt, kann man anhalten und was an der Reihenfolge verändern, aber ansonsten finde ich es besser, wenn jeder erst mal da bleibt, wo er hingehört.

Ich gehöre hinter Truder. Also – entscheidet die Gruppe. Aber da fühle ich mich auch wohl. So muss ich mit den 69 PS nicht von ganz hinten immer den GSen hinterher hetzen..

Wir durchstreifen kreuz und quer die belgischen Ardennen Richtung Westen. Auf tollen kleinen Straßen lotsen uns Truder und TomTom immer weiter Richtung Frankreich. Es sind kaum Autos oder Fahrradfahrer unterwegs, so dass wir zügig unterwegs sind. Ab Comblain-au-Pont halten wir uns südlicher, da wir noch Frankreich und Luxemburg heute unter die Räder nehmen wollen.

 

Bei einer ersten kurzen Pause können auch schon die warmen Pullis wieder in die Koffer verstaut werden. Wir genießen die Sonne und ein erstes Schwätzchen über die teilweise sehr robusten Straßenverhältnisse auf den belgischen Nebenstraßen.

Aber schon geht es weiter, ein paar Kilometer liegen ja noch vor uns. Weil es gerade so gut lief, setzen wir uns der Herausforderung einer Straßensperre aus. Wenn es nicht links geht, geht es sicherlich kurz danach links. Recht hatten wir! An der nächsten Kreuzung zwei Schotterwege, ein asphaltierter. Klare Entscheidung für den Asphalt. Während wir nun zu fünft durch die Greens des Royal Golf Club du Château Royal d’Ardenne fahren, denken wir alle wohl, dass einer der Schotterwege besser gewesen wäre. Das denken auch die Golfer, die in ihrer Bewegung erstarrt nun ihrerseits uns hinterher starren. Was sie wussten, aber wir nicht – man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Nämlich nach dem Umdrehen auf dem Parkplatz und wieder Herausfahren aus dem Golfgelände. Falls einer ein Loch zum drin Versinken übrig hat – ich hätte gerne eines davon dabei gehabt.

 

Kurz hinter der französischen Grenze begleiten wir ab Givet die Maas ein kleines Stück ihres Weges, um dann steil nach Süden auf kleineren Straßen und Richtung Monthermé zu bewegen. Kurz bevor wir dort auf die Semois treffen machen wir einen kurzen Mittagsstopp in der Auberge de la Roche à 7 heures. „Kurz“ war unsere Vorstellung der Pause, „7 Stunden“ traf es in der Realität eher. Wir haben nach 40 Minuten unsere Wasser und die Kaffees (also gut, nicht alle Getränke und nicht alle Kaffees) und nach 1:15 Stunde dann doch schon die Vorspeise des Menüs erhalten. Da wir währenddessen schon gesehen haben, dass die Hauptspeise eine Familienportion von deftigem Sauerkraut mit Geflügel und Beilagen war, haben wir diese dann doch noch kurzfristig wieder abbestellt. Denn zum Einen wollten wir keine weitere Stunde auf das Essen warten und noch viel dringender wollten wir weiter Motorradfahren. Man muss der Auberge aber hoch anrechnen, dass die wirklich leckere Vorspeise dann nur 4 Euro gekostet hat und der Kaffee 1,20 Euro. Es dauert zwar ewig dort, aber ist wahrlich keine Abzocke!

 

Zügig machen wir uns weiter quer durch Belgien auf den Weg nach Luxemburg. Die Motorräder sehnen sich nach Benzin, ich mich nach der super Schokolade dort! In Rombach-Martelange überqueren wir dann endlich die Grenze, versorgen erst unsere tapferen Pferde, füllen wahlweise Schokoladen- oder Zigarettenvorräte auf und versorgen dann uns im „le Mouton noir“ – dem „schwarzen Schaf“.

 

Schweren Herzens stellen wir beim Kaffee fest, dass dies wohl schon der erste Abschiedspunkt der Tour sein wird. Es ist halb sechs, es bleibt nicht mehr so lange hell und wir sind am fast südlichsten Punkt der Tour.

Der erste GS-Fahrer macht sich daher auf direktem Wege Richtung Heimat auf die Socken, abendliche Verpflichtungen stehen an.

Wir vier genießen aber noch ein bißchen die tollen Temperaturen, die fantastischen Straßen in Luxemburg und die untergehende Sonne! UNTERGEHENDE SONNE?!?!?! Abwechselnd schauen wir noch mal an den Himmel, auf die Karte, auf das Navi und dann uns gegenseitig in die Augen. Schweren Herzens gestehen auch wir uns ein, dass es keinen  Sinn mehr macht, auch den Rest der Route weiter abzufahren. Die knapp 2 Stunden Pause in Frankreich haben einfach zu viel Zeit gekostet.

 

Bis St. Vith stromern wir noch auf größeren Landstraßen gemeinsam durch die Landschaft, machen ein paar Fahraufnahmen und bereiten uns schon mal moralisch auf das letzte Stück des Weges vor. In St. Vith biegen wir nämlich alle gemeinsam auf die Autobahn nach Aachen ab, um im einsetzenden Nieselregen den Staubfilm auf unseren Visieren abzuwischen. Bis Aachen fahren wir zu viert, dort verlassen uns Truder und einer der GS-Fahrer. Tom geleitet mich in der Finsternis noch tapfer bis Krefeld, wo ich um 21 Uhr dann müde auf die Couch falle.

Es war eine geniale Tour mit tollen Strecken. Aber für die Mittagspause muss eine andere Lösung her (wahlweise mitgebrachtes Essen aus dem Topcase oder schnelleres Lokal) und es darf nicht so früh dunkel werden. Denn so oder so wären wir deutlich in die Dunkelheit gekommen. Ich habe zwar kein Problem damit, aber wenn es sich vermeiden lässt – gerne!

Danke Truder für das Guiden! Auch ohne den „belgischen Kreisel“ habe ich mich hinter Dir sauwohl gefühlt!

Bis zum nächsten Mal!

 

 

 

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