Sardinien – Anreise 3 – rüber nach Italien

Besuch am Morgen

Wir waren früh im Bett und sind dementsprechend früh wieder auf den Beinen. Aber den ersten Tee trinken wir noch direkt im Bett! Diesen Luxus kann man sich einfach mal gönnen! Da wir uns heute Nacht auf zwei Etagen und vier Räume verteilen konnten, dauert das Zusammensuchen der Kleidung und das Zusammenpacken der Rollen  entsprechend länger. Am Ende sind wir uns aber fast sicher, alle unsere Sachen auch wieder eingepackt zu haben. 😉

Ein kleiner Gast gesellt sich beim Verlassen des Hauses zu uns. Da er uns aber keinen Passierschein 38 zeigen kann und auch sonst keine Buchungsbestätigung vorweisen kann, müssen wir ihn leider wieder auf die Straße setzen.

 

Tessiner Skorpion
Tessiner Skorpion

 

Um 8:30 Uhr rollen wir das Val di Blenio Richtung Lukmanier hinauf. Sind wir bei 15 Grad und blauem Himmel gestartet, so zieht es sich immer weiter zu und auch die Temperaturen fallen immer weiter.

 

Morgenstimmung am Lukmanier
Morgenstimmung am Lukmanier

Dennoch beeindruckt uns das Spiel von Licht und Wolken in der Morgendämmerung. Erstaunt stellen wir fest, wie offen und weit das Tal weiter oben wird und welche große Flächen von Almen und kleinen Siedlungen bewirtschaftet wird.

Wechselhaftes Wetter

Nieselregen setzt ein und mein Optimismus des Vormittags schwindet so langsam. War es ein Fehler ohne Regenkleidung und nur mit Sommerhandschuhen bekleidet zu starten?!

 

Regen am Lukmanier
War dieses Wetter bestellt?

 

Bei 3,8 Grad ist der Tiefpunkt des Vormittags erreicht. Aber nur der der Temperaturen, nicht der unserer Stimmung! Im Nieselregen bibbernd stehen wir vor der fünften Baustellenampel des Tages und freuen uns, dass wir Urlaub haben! Wir würden uns auch freuen, wenn wir wieder Gefühl in den Fingern hätten. Aber das ist ein ganz anderes Thema!

Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt bisher gerade einmal 45 km pro Stunde. Dies liegt aber nicht an unserer Schleichfahrt, sondern an den wirklich unendlich vielen Baustellen, die uns immer wieder ausbremsen. Der nächste Optimismus schwindet, nämlich der, rechtzeitig in der Lombardei anzukommen. Aber lassen wir uns mal überraschen, was der Tag noch so bringt und ob wir sonst eventuell irgendwo noch abkürzen müssen.

Hinter Disentis wird dann auch der Regen weniger und in Ilanz können wir bei trockenem Wetter einen ersten Kaffee genießen. Wir verwenden die Tassen allerdings hauptsächlich dazu, unsere Finger wieder aufzutauen. 😉

 

Sonnenschein hinter Disentis

 

Der Splügel ruft

Wir nutzen den Stopp, um unsere leeren Trinkrucksäcke wieder mit Wasser zu füllen, bevor wir die nächste Etappe Richtung Splügenpass in Angriff nehmen. Hoffentlich hat es die Sonne bis dahin vollständig geschafft, durch die tiefhängenden Wolken zu brechen.

Auf einer fabelhaften Straße kürzen wir die Strecke von Ilanz bis Bonaduz oberhalb der Hauptverkehrsroute ab. Wie die Bergziegen hangeln wir uns am Hang entlang und Teile der Straße erinnern mich an berühmte französische Schluchten! Wenn jetzt noch die Temperaturen passen würden, während die Welt perfekt! In Bonaduz biegen wir endlich rechts Richtung Splügen ab. Immer auf der alten Straßefahrend lassen wir die anderen Touristen auf der Schnellstraße sich um diese schönen Momente abseits der großen Trassen bringen!

In der Roflaschlucht nehmen wir uns noch die Zeit für einen kurzen Fotostopp. Ich konnte Monika bei Ihrer Klettertour auf die Brücke nicht wirklich zusehen!

 

Roflaschlucht
Roflaschlucht

 

Monika auf der Brückenbrüstung
Monika ist irre

An Baustelle Nummer 10 des Tages müssen wir noch einmal rutschend-schlingernd durch feuchten Lehm, aber danach ist der Weg frei zu den wundervollen kehren zum Splügen.

 

Lago bei Sufers
Lago bei Sufers

 

Splügenpass
Der Splügen ruft

 

Weg frei?! Zu früh gefreut! Genau mit Beginn der steilen Kehren von Nord nach Süd versperrt ein deutscher Jaguar uns den Weg. Wobei die Fahrerin sicherlich behauptet, sie wäre gefahren. Ich behaupte, sie hat den Pass gesperrt! Da sie keine Platz zum Überholen lässt, lassen wir ihr Vorsprung. Also nutzen wir trotz der nur noch 2,8 Grad und einem wirklich starken Wind die Chance auf einen Fotostopp am Pass. Möge der Jaguar weit weg sein!

 

Bild vorm Splügenpass
So seh’n Sieger aus! Tiefgefrorene Sieger!

 

Starker Wind
So liegt man richtig im Wind!

 

Lago di M. Spluga
Lago di M. Spluga

Baustellenampeln und eine Pause

Aber auch bergab dauert es nicht lange und wir haben das Auto wieder vor uns – zusammen mit vielen anderen Fahrzeugen, die sich mittlerweile ebenfalls dahinter stauen. Und so haben wir keine andere Chance, als im ersten Gang rollen hinter dem Jaguar her schleichend die engen Kehren und unbeleuchteten Tunnel hinab ins Tal zu nehmen. Kurz vort Chiavenna dann gegen 13:07 Uhr stehen wir vor Baustellenampel Nummer 15! Hatte ich mich jemals über Umleitung beschwert!? Ich möchte nicht daran erinnert werden! Wir fahren ein kleines Stück die “strada non existare”, denn mein Navi möchte mich stets durch das Flußbett zurück auf die gesperrte Hauptroute schicken.

Es ist Zeit für eine Pause – finden wir. Der Lago di Mezzola möchte uns nicht, denn wir finden keinen geeigneten Einstieg an einen öffentlichen schönen Platz. Aber das Glück ist ja bekanntlich mit den Dummen und so finde ich an einem Fluss ein tolles schattiges Plätzchen für unsere Mittagspause. Möhre, Apfel und Müsliriegel heißt das heutige Menü! Wir sind glückselig! Und uns ist endlich wieder warm. 🙂

 

Da strahlt aber jemand zufrieden!
Da strahlt aber jemand zufrieden!

 

Pause
Endlich Pause

 

Besser als jedes Navi

Ich beschließe an einer Kreuzung, nicht mehr dem TomTom zu folgen, sondern nach Karte eine bessere Route zu finden. Leider endet dies auf der Autobahn Richtung Lecco, die wir erst nach 15 km wieder verlassen können.

 

Der Lago die Como lugt durch die Häuser
Der Lago die Como lugt durch die Häuser

 

Aber egal, TomTom ist mir nicht böse und hat schon die nächste kurvenreiche Route ab Bellano gefunden. Beim Blick auf die Karte traue ich dem noch nicht so ganz, denn zwischen Moggio und Vedeseta ist auf meiner Karte nicht mal eine Straße eingezeichnet. Die Straße existert, ist aber in verbesserungswürdigem Zustand und stellenweise nur einspurig befahrbar. Wir meistens aber tapfer auch diese Herausforderung. Nicht umsonst ist die V-Strom mehrfach die ungekrönte Alpenkönigin gewesen, aber auch hier scheint die CBF sehr bald auf den zweiten Rang zu folgen. 😉

Etwas beschleunigten Puls bekommen wir nur, als sich herausstellt, dass die ausgeschilderte Tankstelle leider schon seit vielen Jahren geschlossen ist. Wir verlassen uns auf Monikas TomTom und müssen es wohl 30 km weiter versuchen. Dann wird es aber auch langsam wirklich eng.

Aber diese Tankstelle existiert, funktioniert mit Karte und somit sollte unser Problem gelöst sein. Aber nichts da! Die Karten werden wieder ausgespuckt, nur Banknoten werden angenommen und natürlich haben wir nicht so richtig was Passendes dabei. Also tankt´jeder von uns noch mal für 100 km nach und wir hoffen, zu einem späteren Zeitpunkt noch mal eine echte Tankstelle zu schicken. Gegenüber leuchten die bunten Sonnenschirme von einer kleinen Bar. Wir schauen uns an und sind uns sofort einig! Die zwei Stühle im Schatten sind unsere!

 

Ausblick von der Bar
Sonnige Aussichten

400.000 km an einem Tag

Die Bar ist typisch, aber toll. Der Kaffee ist es übrigens auch! Und wir haben das erste Stehklo dieser Reise gefunden – dabei haben wir nicht einmal danach gesucht. Die Wirtin spricht ein wenig deutsch und kommt mit uns ins Gespräch. Als sie aber erstaunt feststellt, dass wir heute 400.000 km fahren wollen, gibt es wohl doch noch Defizite in ihren Deutschkenntnissen. Ganz so viel ist es dann doch nicht, wir lassen einfach 3 Nullen in der Bar zurück 😉

Aber es liegen immer noch 120 km vor uns und die Uhr läuft deutlich schneller als unser Kilometerzähler. Das hatten wir auch noch nicht, dass wir auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade einmal etwas über 40 km/h haben. Aber so ist es wohl, wenn man sich auf kleinsten Straßen und Pässen (wie z.B. dem Passo della Crochetta) und viele weitere fortbewegt.

 

Impressionen aus der Schlucht
Impressionen aus der Schlucht

 

Kurve um Kurve reiht sich vor uns auf und wird von uns genauso schnell wieder hinter uns zurückgelassen! Kurz vor dem Lago d’Iseo überlegen wir kurz, doch direkt nach rechts Richtung Chiari abzukürzen. Aber dann bringen wir uns um die Runde den See entlang!? Nein, das kommt auf gar keinen Fall in Frage! Also Blinker nach links und die 20 km Umweg in Kauf genommen.

Lago d’Iseo

Nach wenigen Kilometern schleichen wir durch ein Gewerbegebiet auf den Lago d’Iseo zu. Nun ja, wir sehen ein wenig Wasser, aber wirklich beeindruckend ist das nicht. Außerdem stört die hässliche Industrie, so dass nicht einmal die im Hafen liegenden Schiffe ein Hauch von Urlaub aufkommen lassen. Aber nur einen Kilometer weiter verläuft die Straße direkt im Fels und oberhalb der Wasserkante. Was für Kurven, was für Ausblicke, was für Überhänge! Wir können uns gar nicht satt sehen und die Helmkamera klickt im Sekundentakt.

 

Lago d'Iseo
Lago d’Iseo

 

Ein letztes Mal tanken wir voll, bevor wir unfreiwillig in den Berufsverkehr rund um Sarnico geraten. Die letzten Kilometer bis zu unserer Unterkunft werden zäh und der schon den ganzen Tag kräftig pustende Wind lässt uns noch mal unsere ganze Konzentration zusammen nehmen.

 

Sonnenuntergang vor Chiari
Sonnenuntergang vor Chiari

 

Um 19 Uhr rollen wir auf den Hof unseres Bed & Breakfast, dürfen die Motorräder hinter einem Vorhang parken und werden mit unendlich viel Italienisch und noch viel mehr Liebe von der Nonna zugeschüttet. Wir glauben, alles wichtige verstanden zu haben oder haben zumindest verständnisvoll geschaut.

 

Der Innenhof vom B&B
Der Innenhof vom B&B

 

Wir sind müde, echt müde nach 400 Kilometern auf kleinsten Straßen. Ob wir auch nur einen Kilometer davon bereuen? Kein Stück! Im Bett liegend fahren wir die letzten Kurven noch mal, bevor wir endlich in den wohlverdienten Schlaf fallen.

 

Anmerkung des Tages

Anmerkung 1:

Es ist die Sichtweise, die deinen Tag steuert! Mein Mittagessen könnte eine Möhre, ein Apfel und ein Müsliriegel gewesen sein. Vom Glücksfaktor her hatte ich aber eine Möhrencremesuppe, einen Apfelpfannkuchen und danach einenSchokoladencrumble.

Anmerkung 2:

Wir haben von heute morgen bis zu unserem letzten Kaffeestopp ziemlich genau 28 Grad Temperaturunterschied – oder anders gesprochen, die neunfache Temperattur vom Splügen. Sorgt beides für eine gesunde Gesichtsfarbe!

Anmerkung 3:

Ich werde müde und habe Hunger. Anders lässt es sich nicht erklären, dass ab 18 Uhr alle Orte auf den Namensschildern sich wie von der Speisekarte einer Pizzeria lesen. Ich erkenne nur noch “Involtini”, “Rigatoni” und “Funghi”. Ich hoffe, wir kommen bald an. 😉

Anmerkung 4:

Ich liebe meinen V2. Ich liebe es, dieses Vibrieren zu spüren. Ich liebe es sogar, wenn abends die Finger noch weiter kribbeln. Aber gegen Mitternacht darf es auch mal wieder aufhören.

Anmerkung 5:
Wir haben wirklich aufgehört zu zählen, aber wir schätzen, dass wir es heute auf knapp 20 Baustellenampeln gebracht haben, von denen mal gerade 4 Stück grün zeigten. Ich schätze, auch das hat uns in Summe fast eine Stunde Zeit gekostet!

Anmerkung 6:

Monika und ich fahren gerne viel und auch weite Tagesetappen. Wir finden, mit 400 Kilometern liegen wir da schon nicht schlecht. Aber heute waren es 400 Kilometer harte Arbeit, viele engste Kehren und gerade Monika mit der CBF hatte da stellenweise richtig zu arbeiten.

Anmerkung 7:

Leute, trinkt genug auf euren Tagesetappen. Ich habe es heute auf mal gerade 0,5 Liter gebracht und leide heute abend unter Kreislauf! Sitze beim Schreiben mit dem frisch gefüllten Trinkruckack auf dem Rücken und lade den Speicher auf. Wozu schleppe ich das blöde Ding eigentlich den ganzen Tag mit! Morgen mache ich es besser! Versprochen!

Anmerkung 8:

Morgen gibt es vermutlich keinen Eintrag. Es ist der Abend und die Nacht auf der Fähre. Und ohne Internet kein Blog! 🙂

Anmerkung 9:

Danke für eure Kommentare! Hier, bei Facebook, bei Twitter oder sonst wo! Es freut mich riesig, wenn die Geschichten auch gelesen werden und motiviert mich abend für abend, mich wieder an die Tastatur zu setzen!

 

Gefahrene Route:

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Geplante Route:

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7 comments on “Sardinien – Anreise 3 – rüber nach Italien

  1. Nun ja, lesen ist etwas untertrieben. Ich friere am Morgen und schwitze in der Mittagshitze, rege mich über Baustellenampeln auf und freue mich über die Kurven am See, so als ob ich mitfahren würde. Deine Art der Berichterstattung macht mir das leicht und dafür sei bedankt.

  2. Ich bin gespannt was da noch von euch kommt ich wollte dieses Jahr auch noch Korsika runter für 8 Wochen aber leider ist es beruflich nichts geworden .. aber für nächstes jahr steht es fest auf dem Plan
    Freue mich auf alles neues was du schreibst … eine schöne Zeit geniesst es 🙂

    DLzG Andre

  3. Ich bin kein echter Leser – ich mag es einfach nicht lange Texte, Bücher o.ä. zu lesen.
    Da ich aber auch Motorradfahrer bin und jedes Jahr irgendwo in Österreich oder Italien unterwegs bin habe ich einige Strecken in deinen Beschreibungen und Bilder wiedererkannt.
    Ich kann bei allem was Du schreibst „mitfahren“ und mit Euch fühlen !
    Meinen Respekt Euch für diese Tour, ich wünsche Euch ganz viel Spaß, tolles Wetter und eine pannen- und unfallfreie Fahrt.
    Freue mich jedes Mal auf neue Euren „Tag“ nachzulesen und durch Deine megacoole Art zu schreiben habe ich dass Gefühl selbst zu fahren !!!
    Danke dafür
    Viel Spaß weiterhin und bleibt sitzen ✊

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