Sardinien – Tag 7 – Abenteuer in den Bergen

Unschlüssig am Meer

Guten Morgen von mir! Ich habe sehr gut geschlafen, Monika mit ihrem wirklich hartnäckigem Husten leider mal  wieder eher gar nicht. Es tut mir so leid! Deshalb und da heute Nachmittag das Wetter schlechter werden soll, sind wir unentschlossen bezüglich der Routenplanung. Die lange Runde für maximalen Kurvenspaß, die mittlere Runde, noch mal ins Mittelmeer zu hüpfen oder ganz vernünftig die kurze Runde, um sich nicht zu überschätzen?!

Keine Ahnung, erstmal frühstücken gehen.

 

Sonnenaufgang am Meer
Sonnenaufgang am Meer

 

Das Frühstück besticht durch seine Höhen und Tiefen. Während es endlich mal Rührei gibt und es eine super geniale Schinken-selbst-schneide-Maschine gibt, hat der (egal welcher) Saft am Morgen seinen Geschmack nur über die verschiedenen Zusatzstoffe erhalten. Und von denen sind noch nicht einmal besonders viele enthalten.

Aber der unser Open Air Frühstück begleitende Sonnenaufgang über dem Meer macht das alles wieder wett.  Nun juckt es uns doch in den Fingern, den Tag alsbald wie möglich auf dem Zweirad zu verbringen. Wir setzen uns aufs Bett, Laptop auf den Knien und beratschlagen über die weiteren Tagesablauf.

 

Ab aufs Motorrad

Die Entscheidung ist schnell getroffen. Rauf aufs Motorrad und erst einmal wie geplant die lange Route entlangfahren, abbrechen können wir immer noch. Es geht Richtung Norden, wieder nach Baunei. Wir stoppen auch diesmal hier, allerdings nur um zu tanken. Diesmal haben wir einen sehr netten Tankwart, der uns zwar bedient, aber keinen servizio Aufschlag nimmt. Prima!

 

SS125 noch im Schatten
SS125 noch im Schatten, Baunei auch

 

Nach weiteren 20 genialen Kilometern biegen wir nach links Richtung Urzulei ab. Wir bereuen es kein bisschen, uns auf die Socken gemacht zu haben.

 

Kirche in Urzulei
Kirche in Urzulei

 

Wir fühlen uns sehr erhaben, so hoch über den Hügeln und Bergen wieder Richtung Meer schauen zu können.

 

Tolles Lichtspiel
Tolles Lichtspiel

 

Ab Talana geht es auf die SP56, unsere Ziel Lanusei ist sogar ausgeschildert.

 

Talana - unschuldig am Berghang liegend
Talana – unschuldig am Berghang liegend

 

Die nicht existierende Strasse

Über die SP56 behauptet Google, dass sie gar nicht existiert, während Tomtom und auch meine Straßenkarte hier eine durchaus passable Passage vermuten. Ein bisschen haben beide recht. An vielen Stellen ist die Straße durchaus befahrbar, an manchen Stellen ist diese aber ebenso gar nicht mehr vorhanden. Wir hangeln uns die ersten drei der vermuteten 15 Kilometer voran, als die erste Schotterpassage unsere Aufmerksamkeit erfordert. Geht aber recht gut.

 

SP56 - Sieht wild aus, ging aber noch gut
SP56 -Sieht wild aus, ging aber noch gut

 

Bei einer kleinen Wasserfurt hoffen wir zum ersten Mal, dass es nicht noch schlimmer wird. Man sieht, dass diese Straße eigentlich sich selber überlassen wird. Erst einmal Fotostopp und Nachdenken.

 

V-Strom vor der Wasserfurt
V-Strom vor der Wasserfurt

 

Das Wasser war ja nur der Einstieg
Das Wasser war ja nur der Einstieg

 

Wir entscheiden uns, erst einmal weiterzufahren, weil es nach den schotterigen Passagen immer wieder auf Asphalt weiter geht. Drehen können wir also immer noch.

Doch schon zwei Kilometer weiter der nächste Stopp. Wir müssen durch eine Linkskurve, sehen aber nur den abgerutschten Hang und können nicht sehen, wie es dahinter weitergeht. Wir beschließen wie gute Enduristen, die knifflige Passage erst einmal zu Fuß zu beschreiten und dann eine Strategie zu entwickeln.

 

 

Abgerutschter Hang hinter der Furt
Abgerutschter Hang

 

Wir entscheiden wieder, dass dies fahrbar aussieht – aber lieber nacheinander. So können wir im schlimmsten Fall die Karren gegenseitig aus dem Dreck ziehen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich darf zuerst, klappt halbwegs. Nun darf auch die Enduro – CBD über die Steine hoppeln.

Hervorragend gemeistert!

Dicke Steine auf der Straße sind stumme Zeugen der Felsstürze, die es hier wohl regelmäßig gibt. Wir gehen aber mal davon aus, dass es Dienstags nie Felsstürze gibt. Oder zumindest nicht am ersten Dienstag im Oktober. 😉

 

Ein paar Stangen als Leitplanke und ein dicker Fels auf der Straße
Ein paar Stangen als Leitplanke und ein dicker Fels auf der Straße

 

Hoffentlich wird es nicht doch noch schlimmer und wir müssen doch umdrehen. Aber auf den folgenden 10 Kilometer schrecken wir lediglich ein paar Ziegen auf, die wohl nicht mit Besuch gerechnet hatten.

Die Kühe auf der Straße wirken dagegen wie sediert in der Sonne stehend, als wir uns nähern. Sie heben nicht mal die Köpfe beim vorbei fahren.

 

Entspannte Kuh
Entspannte Kuh

 

Die danach folgenden Engstellen können wir nur noch mit einem müden Lächeln kommentieren und hoppeln die Straße.

 

Noch mal etwas engere Straße
Noch mal etwas engere Straße

 

In Villagrande Strisaili haben wir es dann geschafft und gefühlt wieder festen Boden unter den Füßen. Was war das aufregend!

Vom Schotter auf die Rennstrecke

Es sind nur noch ein paar Kilometer, bis wir auf die SS390 treffen, die uns ein paar Kilometer nach Süden begleiten soll. Noch vor Lanusei biegen wir aber wieder nach rechts an und nehmen mit der SS198 wohl die bekannteste Motorradstrecke in Angriff. So viele Biker wie hier haben wir zusammengefasst in der gesamten letzten Woche nicht gesehen. Bei einem kurzen Waffel – Stopp hört man die Motoren über die Hänge aufheulen.

 

Waffelstopp am Straßenrand
Waffelstopp am Straßenrand

 

Reisende findet man hier wenige, dafür Knieschleifer ohne Gepäck und dem festen Ziel vor Augen, die Strecke in noch kürzer Zeit als am Tag zuvor zu bewältigen.

 

Blick auf die Kehren rund um Gairo
Blick auf die Kehren rund um Gairo

 

Am nächsten Café kommen wir mit einem Pärchen ins Gespräch, beide echte Sardinien-Kenner. Die von uns bewältigte Straße wird wohl nur noch von den Orteinwohnern von Talana gepflegt, da sie sonst ihre einzige Verbindung nach Süden verlieren. Das Land hat diese Straße wohl tatsächlich eigentlich schon aufgegeben.

Wir starten vor dem Pärchen weiter unsere Route, lassen uns aber zwei Orte weiter wieder überholen, während wir einer Apotheke und dem winzigen Lebensmittelmarkt für unser Picknick einen Besuch abstatten. Dass wir die beiden Knieschleifer nur 9 Kilometer weiter schon wieder in einem Café sitzen sehen, bestärkt uns in der Annahme, dass wir beim Befahren der Straßen hier ganz unterschiedliche Ziele verfolgen.

In Sadali fahren wir bis zur Grotte “Sa Ucca Manna” und nutzen den tollen Platz für unser mittägliches Picknick.

 

Grotte Sa ucca Manna in Sadali
Grotte Sa ucca Manna in Sadali

 

Wunderschöner Dorfplatz in Sadali
Wunderschöner Dorfplatz in Sadali

 

Picknick-Idylle in Sadali
Picknick-Idylle in Sadali

 

Mit Salami im Gepäck findet man schnell neue Freunde
Mit Salami im Gepäck findet man schnell neue Freunde

 

Der erste Regen

Wir haben noch gut 140 Kilometer, also wieder rauf auf das Motorrad! Ein Stück fahren wir noch die Rennstrecke SS198 und müssen dem ein oder anderen Joghurtbecher Platz machen, bevor wir linkerhand auf der Straße Richtung Escalaplano tolle Kehren, viele Kurven und wunderbare Ausblicke geschenkt bekommen.

Die Landschaft verändert sich wieder und wir finden uns auf einer beeindruckenden Hochebene wieder! Gerade Straßen, weiter Blick und rund herum nur Berge – wie schnell hier die Wechsel aufeinander folgen.

 

Hochebene an der SP13
Hochebene an der SP13

 

Wir setzen den Blinker wiederum nach links, Perdasdefogue und Jerzu lauten die nächsten Ziele auf unserer Karte! Aber da fallen die ersten Regentropfen auf unsere Visiere und wir blicken besorgt gen Himmel!

 

Regenfront
Da kommt ganz schön viel Wetter!

 

Wir lassen uns von den paar Tropfen aber nicht abschrcken und brausen an anderen Motorradfahrern vorbei, die sich bereits in ihre bunten Gummihüllen zwängen.

 

Jerzu
Jerzu

 

In Jerzu nutzen wir die nette Bar am Straßenrand, um den Rat der Weisen einzuberufen. Die letzten 70 Kilometer wie geplant kurvenreich in einem größeren Bogen fahren, oder lieber angesichts des Wetters direkt ins Hotel.

Wir entscheiden uns für den direkten Weg! Wir haben so viele tolle sonnige Kilometer auf dieser Insel abspulen dürfen, dass wir unser Glück nun nicht auf nassen Straßen suchen müssen. Lediglich den Abstecher nach Arbatax – den halten wir uns noch offen.

 

Regenwolke genau über Arbatax
Regenwolke genau über Arbatax

 

Über Arbatax hängt leider genau die Regenwolke, deren Ausläufer wir noch deutlich zu spüren bekommen. Also wird es nichts mehr mit einem Kurzbesuch der Promenade und der roten Felsen. Nun ja, müssen wir halt wieder kommen!

Um 16 Uhr rollen wir mit leicht feuchten Klamotten auf den Hotelparkplatz, wo wir mit Kettenfett und ein paar Schluck Öl die Zweiräder für die Rückreise präparieren! Abgeschlossen und gut gesichert warten die beiden auf uns morgen früh! Die zwei treuen Begleiter (innen)!

 

Anmerkungen des Tages

Anmerkung 1:

Mir ist Respektlosigkeit gegenüber dem gestrigen Tankwart vorgeworfen worden. Wegen meiner flapsigen Bemerkung. Das ist einfach mein Humor. Wäre ich ein Mann, hätte ich mir statt des Coke Zero Manns eine barbusige junge Dame als Tankwart gewünscht. Und das wäre gar nicht sexistisch, sondern nur ästhetisch gemeint.

Anmerkung 2:

Ich kann mir die ganzen Ortsnamen nicht wirklich merken, dabei sind es ja nur so wenige. Wer sich also jeweils drauf verlässt und die Routen nachfährt, muss eventuell über drei Kontinente. Ich garantiere für nichts. 😉

Anmerkung 3:

Wo trifft man sich unter Bloggerinnen? Na, natürlich auf Sardinien! Liegt ja nahe! 😉

Suse Moto ist tatsächlich zur gleichen Zeit in St. Maria de Navarese und so haben wir es uns nicht nehmen lassen, uns bei einem Bier einmal persönlich kennen zu lernen. Virtuell kann ja so real sein!

Was für ein nettes – aber VIEL zu kurzes Treffen! Blöd, dass wir vergessen haben, unser Bier selber zu zahlen. Nun müssen wir uns bei einem nächsten Treffen revanchieren. Blöd gelaufen – saublöd! 😉

 

Suse Moto und die drei anderen! ;-)
Suse Moto und die drei anderen! 😉

 

Anmerkung 4:

Ist morgen schon der letzte Tag  unserer Reise? Geht es morgen schon wieder auf die Fähre? Man glaubt es nicht, wie schnell die Zeit vergeht und es wieder Richtung Heimat geht. Morgen also der letzte Blog aus Sardinien – wenn es das Internet zulässt am Hafen. Sonst halt erst am Donnerstag!

 

 

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6 comments on “Sardinien – Tag 7 – Abenteuer in den Bergen

  1. Julia, der ölverschmierte, verbrauchte 65 jährige mit DEM Tarif wäre bei mir auch nicht besser weggekommen als bei Dir, obwohl, 65 und verbraucht, da muss ich wohl vor 4 Jahren etwas verpasst haben.
    Aber damit kann ich leben !!

  2. Macht wirklich Spaß mit dir und deiner lockeren Schreibweise über die Insel zu reisen, bin sicher der Tankwart hätte wenn er deutsch könnte über deinen Scherz auch geschmunzelt, habe die Sarden als freundliche und lustige Menschen kennengelernt, also bitte deine Art weiterbehalten!!! Bleibt aufrecht 😉

  3. Hallo ihr beiden
    Ach,was hat das wieder spaß gemacht euch zu zu sehen .
    Kommt gut wieder nach Hause und vielen , vielen Dank für das tolle “mitnehmen ”
    Bis bald – Holle –

  4. Nun. Die Sarden, denen ich Deinen Bericht zeigte, fanden viele Bemerkungen nicht lustig. Ich bin seit mehr als 50 Jahren Gast auf dieser wunderschönen Insel mit wunderbaren Menschen, die Freunde wurden. Die Oberflächlichkeit Deines Berichtes ist erschreckend. Trotzdem weiter gute Fahrt.

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