Sardinien – Anreise 1 – Es geht los

Guten Morgen

Es ist 4:20 Uhr, als mich der sanft ans Fenster trommelnde Regen weckt. Och nö! Das hatte die Wettervorhersage doch ganz anders mitgeteilt. Kühl, aber trocken!

Ich drehe mich lieber noch einmal für eine gute Stunde um und genieße die Wärme unter der Bettdecke. Aber um 5:45 Uhr gilt keine Ausrede mehr, raus aus den Federn! Außer meinem Handy und dem Akku Pack habe ich nichts mehr einzupacken, da ich gestern tatsächlich ausnahmsweise schon fertig geworden bin. Das hat es irgendwie auch noch nie gegeben! Während der Tee zieht, rolle ich das Motorrad vor die Garage, um es mit den Koffern und Taschen zu beladen!

Ich hatte mir dieses Mal vorgenommen, wirklich weniger Klamotten mitzunehmen. Ich habe es dieses Mal auch geschafft, weniger einzupacken! Die Rolle geht eine Umdrehung her zu, im Topcase ist tatsächlich Platz, falls ich meine Jacke ausziehen sollte und in den beiden Koffern ist Platz genug, wenn wir uns unterwegs ein Picknick kaufen wollen. Denn wer möchte schon am Picknickplatz in dem Koffer nur noch ein Baguette in der Höhe eines billigen Schulhefts vorfinden!

Abfahrt

Um 7 Uhr rolle ich dann leise pötternd in die Morgendämmerung. Erstes Ziel ist Emmelshausen hinter Koblenz, wo ich dann endlich Monika treffen. Um 7:17 Uhr schaltet mein Navi vom Nacht- in den Tagmodus um. Ich glaube, ich brauche dafür noch etwas. Ich mache einen Schweizer Autofahrer darauf aufmerksam, das sein Motorschutz auf dem Boden schleift. Aber er scheint mich für einen spanischen Straßenräuber zu halten und ignoriert meine Versuche, ihn auf einen Parkplatz zu bewegen. Nun ja,mehr kann ich dann auch nicht machen! Und er freut sich vermutlich immer noch, dem Strauchdieb auf zwei Rädern entkommen zu sein.

Um 8:03 Uhr ur schalte dann auch ich von dem Nacht- in den Tagmodus! Zwar hat die Sonne mit spektakulären Wolkenbildern dies schon seit geraumer Zeit versucht, aber eingepackt zwischen Tankrucksack und Gepäckrolle war es einfach zu gemütlich!

Kurz hinter Maria Laach werden die Temperaturen einstellig. Ich freue mich immer noch über den vielen Platz in meinem Koffer! Diesmal aber eher, weil ich überlege, wo man unterwegs noch ein Fleecepullover kaufen kann. Wer hatte eigentlich die Idee, so wenig einzupacken und dabei vor allen Dingen auf warme Sachen zu verzichten!?

 

Mosel-Dämmerung
Mosel-Dämmerung

An der Mosel gönne ich mir einen kurzen Stopp für einen fantastischen Ausblick auf den Fluss. Aber dann höre ich ihn rufen, den Latte Macchiato in der Bäckerei. Also schnell wieder aufs Motorrad und die letzten Kilometern in Angriff genommen!

Dann ist es so weit – Treffen mit Monika, jetzt kann der Urlaub endlich so richtig beginnen. Wir stärken (und wärmen) und bei einem schönen Frühstück und rollen recht bald schon wieder los. 380 geplante Kilometer liegen noch vor uns, 380 geplante Kilometer wollen erst einmal abgespult werden.

Pause ist was für Weicheier

Wir kämpfen beide ein wenig mit den niedrigen Temperaturen und den doch erst einmal wieder ungewohnt beladenen Motorrädern. Erst langsam stellt sich so etwas wie Geschmeidigkeit ein, erst langsam klettern die Temperaturen in den mittleren zweistelligen Bereich.

 

verhangener Himmel
Die Sonne kämpft noch

Nach gut 100 Kilometern suche ich ein Café. Monika ist noch erkältet und nach gut 1,5 Stunden würde das auch irgendwie passen. Aber nicht mit Monika! “Lieber noch ein Stückchen fahren” tönt es hinter mir! OK, verstanden! 😉

Blinker wieder nach links und weiter geht es! Ich tippe kurz auf meinem Navi herum und stelle fest, dass es nun genau passt, dass wir in Hofstätten bei meinem Lieblings-Stop nicht nur auf ein Getränk sondern sogar auf ein kleines Mittagessen stoppen können. PERFEKT!!

 

Pause bei Müllers Lust
Pause bei Müllers Lust

 

Wir informieren uns über die Weiterfahrt. Eine große Baustelle liegt zwischen uns und unserem weiteren Ziel. Sei aber alles kein Problem, meint der Chef. Einfach hinterm Ort rechts den Weg entlang, dann käme man direkt hinter der Baustelle wieder auf die Straße. Recht hat er! Und Monika hat nach dieser Passage ihrer CBF auch direkt einmal wieder den geliebten Schotter zeigen können. Was haben sich beide gefreut! 😉

 

Schotter-Umleitung
Schotter-Umleitung

 

Wein, Weib und Wasser

Links und rechts der Straße deuten tiefe Furchen im Waldboden auf eine recht rege Wildschweinpopulation hin. Denen möchte ich abends in der Dämmerung lieber nicht begegnen. Und wenn, dann nur mit Knödeln und Rotkohl. 😉

Wir durchqueren riesige Apfel-Plantagen (oder heißt es Felder) und der leicht herbe Duft von Most zieht um uns herum. Auf unserem kurzen Abstecher durch Frankreich stellen wir fest, dass gerade Hochsaison der Umzüge, Feiern und Kirmes ist. Einer der vielen heutigen Umleitungen soll im großen Bogen um den Ort führen, aber ein freundlicher Ordner lässt uns passieren. “Auf der Kirmes” war ich bisher immer nur zu Fuß!

 

Kirmesbude
Mit dem Motorrad auf der Kirmes

 

Es wird immer wärmer und bei 20 Grad wird uns endlich richtig warm. Habe ich nicht mal im August behauptet, ich möchte nie wieder schwitzen? Ich revidiere meine Aussage und genieße das Gefühl, eigentlich zu warm angezogen zu sein. Unser nächstes Ziel ist der Rhein, auf der gegenüberliegenden Seite wollen wir wieder heimatlichen Boden unter die Räder nehmen. Während wir auf die Fähre warten, ist endlich mal Zeit für ein Selfie!

 

Happy im Sonnenschein
Happy im Sonnenschein

 

Die Fähre fährt
Die Fähre fährt

 

Spontan haben wir uns im schönen Oppenau auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen verabredet. Wir liegen gut in der Zeit, passt also! Wie aus dem Nichts taucht plötzliche der Schwarzwald vor uns auf. War der schon vorher da?

Ich freue mich riesig, denn durch die vielen Besuche dort, stellt sich eine gewisse Vertrautheit ein!

 

Schwarzwald am Horizont
Schwarzwald am Horizont

 

Über kleine und dann kleinste Straßen nähern wir uns auf direktem Wege Oppenau, um kurz vorm Ziel auf TomTom hereinzufallen und uns noch einmal die örtliche 30-er Zone im Wohngebiet anzusehen. Aber es ist und bleibt jammern auf hohem Niveau, da uns das treue Gerät bis hierher fantastisch gerouet hat!

Der Treffpunkt in Oppenau ist perfekt gewählt. Eine gigantische Kuchentheke lässt unsere guten Vorsätze sich in Luft auflösen. So sitzen wir gemütlich in unseren Sesseln, lauschen den Kirchenglocken des Ortes, während die “Schlepperfreunde” irgendeines Ortes mit ihren Traktoren und Anhängern durch den Ort fahren. Mittendrin, statt nur dabei!

 

Blumenmädchen
Blumenmädchen in Oppenau

 

Endspurt

Wir könnten hier noch viel länger sitzen und quatschen, aber es liegen noch gut 120 Kilometer vor uns. Also die Rösser wieder gesattelt, herzlich verabschiedet und über Oberharmersbach wieder auf die Socken gemacht. Ein paar kleinere Täler weiter wundern wir uns über im Nichts auftauchende Schwarzwaldhöfe zwischen engen Wiesen und Felsen. Man kann sich nicht nur wegen der Unmengen Kaminholz neben dem Haus gut vorstellen, dass hier ein Winter lang und dunkel werden kann.

 

Kirche
Irgendwo eine Kirche

 

Wir haben über 500 Kilometer im Sattel gesessen und freuen uns, dass die Restkilometer so langsam weniger werden. 8 Kilometer vorm Ziel dann eine der unzähligen Baustellen und Umleitungen heute. Ich mag nicht mehr. Aber um 18:45 Uhr haben wir es dann doch geschafft. Mit etwas über 600 km (davon ca. 180 Autobahn) stelle ich die kleine Schwarze in Ewattingen auf den Parkplatz. Monika hat 50 km weniger, diese 550 km sind aber allesamt ehrlich auf der Landstraße gefahren worden!

Jetzt noch duschen, essen, Bier und Bett. Wobei das Bier hier “Federweißer” heißt, sehr süffig süß ist und auch bettschwer macht.

Bis morgen!

 

Anmerkungen des Tages

Anmerkung 1:

Liebe Umleitungsbauer! Ich bitte euch, einmal eure Umleitungen selber abzufahren. Wenn ich auf einer ausgeschilderten Umleitungsstrecke auf einmal an eine T-Kreuzung komme, an der sowohl die Schilder nach rechts wie auch die nach links durchgestrichen sind, komme ich mir veräppelt vor. Solltet ihr also Motorradspuren im Sand entdecken, dann waren dies vermutlich frustrierte Biker, die nach der 10. Umleitung des Tages schlichtweg die Geduld verloren haben.

Anmerkung 2:

Gibt es überhaupt Bonndorf? Auf der abendlichen Suche nach unserem Hotel folgen wir – wieder mal – einer Umleitung, da wir von Norden aus nicht Richtung Bonndorf kommen. Die kleine Umleitung abends um 18 Uhr kostet uns mal gerade 30 Minuten. Macht ja nichts, wir waren ja eh schon unterwegs. Wenn man sich dann allerdings dem Zielort nähert und auch von der Umleitung aus Bonndorf nicht zu erreichen ist, komme ich mir wieder veräppelt vor. Sollte sich das Hotel also wundern, warum zwei Biker aus der Baustelle heraus auf den Parkplatz abbiegen, mag das daran liegen, dass sie schlichtweg die Geduld verloren haben. Nehmen wir zumindest an. 😉

 

Anmerkung 3:

Meine Kamera zaubert verzerrungsfrei aus vorbeifahrenden Auto kleine Kunstwerke deutscher Ingenieurskunst. Hier der kleine Kompaktwagen.

 

Kompakter Kompaktwagen
Kompakter Kompaktwagen

 

Anmerkung 4:

Wir haben wieder mal ein Hotel mit Hochzeitsgesellschaft erwischt. Die drei Jungs von der bayrischen Band heizen mächtig ein. Hupalapuh!

 

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10 comments on “Sardinien – Anreise 1 – Es geht los

  1. Der Chef von Deinem Lieblings Stop in Hofstätten ist der Dieter, den hatte ich schon vor Jahren durch meine Pfälzer Motorradfreunde kennengelernt, damals hatter er noch eine Honda Motorrad und BMW Autowerkstatt!

  2. Da schaffe ich es heute erstmalig in eure Berichze zu schauen!!!!
    Ab jetzt versuche ich, alles nachzuholen und dran zu bleiben!
    Alles Gute euch beiden auf eurer Reise! In Gedanken wiedermal dabei…fällt nicht schwer, bei dieser Berichterstattung!
    Beste Grüße,

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