Deutschland 2019 Tag 9 – Der Abschied

Friteusen-Wunderwelt

Die Nacht war durchwachsen. Eigentlich kann man hier ganz gut schlafen, wenn nicht irgendwie alles in diesem Haus nach Pommes oder Schnitzel riechen würde! Irgendwie scheinen sich 100 Jahre Gastronomie in jeder Faser abgesetzt zu haben!Ich glaube, ich schmeiße Kulturbeutel, Ortlieb-Tasche und meinen Helm auch nachher direkt in die Waschmaschine!

Sind die Gemäuer des Gasthauses auch dick, so sind die Zwischenwände dünn wie Papier! Wir hatten das Gefühl, dass die beiden Jungs aus dem Nebenzimmer eher zwischen uns als in Nachbarraum lagen.  Als sie dann auch noch den Fernseher angemacht haben um sich noch etwas abzulenken, war an Schlaf nicht mehr zu denken!

 

Sonnenaufgang in Minden
Sonnenaufgang in Minden

 

Es ist ganz komisch, dass heute schon wieder der letzte Tag sein soll! Sind wir nicht gestern erst losgefahren? Sind wir nicht erst vor zwei Tagen noch an der Nordsee gewesen? Ich glaube, wir brauchen noch etwas, um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten.

Da man uns gestern keine wirkliche Startzeit des Frühstücks nennen konnte, trödeln wir etwas herum, bis wir um 8 Uhr in den Frühstücksraum gehen. Das Frühstück ist nett am Tisch angerichtet, aber bei strahlendem Sonnenschein können wir uns nicht vorstellen, in einem dunklen Gastraum zu sitzen. Wir schmieren uns unsere Brötchen, stapeln die Tassen und setzen uns draußen auf die Terrasse! So! So ist es perfekt!

 

Frühstück in der Sonne - hmmm
Frühstück in der Sonne – hmmm

 

Als wir um 9 Uhr vom Hof rollen, sind auch endlich die beiden holländischen Motorradfahrer zum Leben erwacht, die gestern Abend an Nachbartisch saßen! So unterschiedlich könne Zeitplanungen sein! 😉

 

Gut gekühlt in den Tag

Kaum verlassen wir den sonnigen Parkplatz des Gasthofs, fallen die Temperaturen auf knapp über 12 Grad! Wie gut, dass ich doch noch die winddichte Jacke drunter gezogen habe.

 

An der Sauer
Kalter Morgen an der Sauer

 

Kurz vor Wasserbillig biegen wir nach links Richtung Udelfangen und Butzweiler fast parallel zur A64 ab. Über Kordel winden wir uns hinunter bis nach Ehrang, bevor wir in Quint die wunderschönen Kilometer Richtung Binsfeld in Angriff nehmen! Die Morgenluft weht uns um die Nase und bis auf ein paar verträumte Sonntagsfahrer ist auch noch niemand unterwegs!

 

Morgendunst über den Feldern
Morgendunst über den Feldern

 

Kalt im Wald
Kalt im Wald

 

In Spangdahlem staune ich wie schon so oft über die riesige Airbase, die dort auf den Hügel gebaut ist! Die Positionslichter des Flughafens habe ich schon frühzeitig über die Hügel blitzen sehen und mich wie ebenso oft auch heute morgen wieder gefragt, was das wohl für Lichter sind! Und trotz des riesigen Areals ist bis an den Straßenrand jeder Grashalm geschnitten, jeder Strauch ordentlich gestutzt und kein Papierchen weht über die menschenleeren Flächen! Auch beeindruckend!

 

Ein Stückchen Airbase
Ein Stückchen Airbase

 

Umleitung und Kartenchaos

Es wäre nicht unsere Strecke, es wäre nicht unsere Route, wäre nicht kurz vor Manderscheid mal wieder eine Baustelle und mal wieder der Weg versperrt. Habe ich mich in Schwarzenborn noch gefreut, dass die Sperrung geradeaus geht und wir eh nach links müssen, so stehe ich an der nächsten Abzweigung doch wieder vor der Straßensperre.

 

Umleitung
Mein Freund, die Umleitung!

 

Kreuz und quer werden wir über die Lande geschickt und ich muss dann doch einmal am Straßenrand anhalten, um Navi und Straßenkarte und Wegpunkte gegeneinander abzugleichen. Vieles geht ja beim Fahren, aber wenn die Umleitungen schneller aufeinander folgen als die Orientierung hinterher kommt, gebe ich mich kurzfristig geschlagen!

Hinter Manderscheid schlagen wir uns ostwärts, da wir an die Mosel wollen!

Das nächste “Problemchen”, über das ich vorher gar nicht nachgedacht habe. Ich fahre zwar streng nach Navi, habe aber immer die passende Straßenkarte oben im Tankrucksack zur Orientierung. Aber von Manderscheid ostwärts fahre ich gerade im Zickzackkurs zwischen zwei verschiedenen Kartenausschnitten entlang. Eigentlich müsste ich alle 5 Kilometer die Karte hin- und dann wieder zurück wechseln. Aber immerhin habe ich noch grob eine Ahnung, wo wir sind, da ich ja immer mal wieder in meinen Kartenausschnitt rein fahre.

 

Schattenparker

In Oberscheidweiler ist es dann Zeit für eine kurze Rast und Ruhe! Wir haben mal gerade noch 70 gemeinsame Kilometer und dann ist eine tolle Woche schon zu Ende! Ich bin schon ein bisschen wehmütig, während ich so auf der Bank unter dem Baum vor mich hin siniere.

 

Schattenparker
Schattenparker

 

Pausenplatz
Lauschiges Plätzchen unter einem Baum

 

Stillleben
Stillleben

 

Das Leben ist schön
Das Leben ist schön

 

Auf den Fotos wirkt das Plätzchen lauschig, einsam und ruhig! Aber es hat uns lange Zeit gekostet, diese Fotos ohne Autos, Horden von holländischen Motorradfahrern und anderen Spaziergängern zu schießen. Oberscheidweiler klingt nach dem Arsch der Welt, scheint aber im Zentrum des sonntäglichen Eifellebens zu liegen!

 

Mosel – die erste

Wir kurven über Bad Bertrich bis nach Alf an der Mosel. Nach den engen Kurven und Wäldern liegt nun auf einmal das breite Flusstal vor uns – schon wieder eine ganz neue Landschaft!

 

Erster Blick auf die Mosel
Erster Blick auf die Mosel

 

An der Doppelstockbrücke in Alf-Bullay (übrigens gibt es davon nur 3 in ganz Deutschland – meine ich) haben wir Glück und es fährt gerade ein Zug durchs Bild. Das muss ich fotografieren.

 

Doppelstockbrücke in Alf-Bullay - mit Zug
Doppelstockbrücke in Alf-Bullay – mit Zug

 

Das besondere ist, dass oben die Züge der Moselstrecke fahren, auf der unteren Etage (= Stock) queren die Autos die Mosel nach Bullay. Dies ist auch unser Weg!

 

Blick aus der Brücke auf die Mosel
Blick aus der Brücke auf die Mosel

 

Doppelstockbrücke
Blick auf den oberen Stock der Brücke

 

 

Mosel – die zweite

Wir verlassen die Mosel wieder. Weiter geht es über Mesenich nach Liesenich, bevor wir in Altstrimming auf endlose Kurven nach Treis-Karden abbiegen. Herrliches Schwingen ohne jeden Verkehr, und das an einem Sonntag. Es muss einfach an der Uhrzeit liegen, dass uns noch nicht allzuviele Biker unterwegs begegnen.

 

Kurventraum nach Treis-Karden
Kurventraum nach Treis-Karden

 

Und da ist sie ja schon wieder, die Mosel. Hat sie etwa auf uns gewartet?

 

Schiffchen an der Mosel
Schiffchen an der Mosel

 

Unser letztes Ziel ist Burgen an der Mosel, wo wir im Hotel & Café Aroma die letzte gemeinsame Rast geplant haben. Die Waffeln auf der Terrasse sind köstlich und da wir auch einen kurzen Blick in die Zimmer werfen dürfen, ist das nächste Ziel für ein Wochenende klar!

Die Betreiber sind selber leidenschaftliche Biker, eine Schrauberecke ist daher ebenso selbstverständlich wie Trockenraum, Stellplätze und Tourentips!

 

Hotel Cafe Aroma an der Mosel
Wir haben natürlich oben auf der Terrasse gesessen – mit Überblick

 

Ausblick von der Terrasse
Ausblick von der Terrasse

 

Hotel Café Aroma und 2 Bikes
Auch die zwei Rösser müssen sich gleich verabschieden!

 

Abschied

Damit ist sie auch schon vorbei die gemeinsame Zeit. Unsere Route trennt sich schon nach wenigen Kilometern. Ich muss nach Norden, Monika nach Osten! Es ist ganz ungewohnt, in den Rückspiegel zu blicken und eben nicht die silberne CBF in einem der beiden Spiegel zu entdecken. Es dauert wohl noch ein paar Kilometer, bis ich nicht mehr erschrocken bin, keinen mehr zu sehen!

 

Für mich geht es über kleine Straßen zunächst einmal Richtung Königswinter – einmal quer durch die Voreifel!

 

Raps
Ist das kitschig!

 

Es wird doch wohl nicht regnen?
Es wird doch wohl nicht regnen?

 

Das Wetter zieht sich etwas zu, aber ich bin froh, trocken zu meinem nächsten Zwischenstop zu kommen. Ich genieße noch einen leckeren Kaffee bei Hary und Biggi, zwei ebenso V-Strom-Infizierten und dazu ist er noch ein begnadeter V-Strom-Flüsterer. Ich lasse ja nicht jeden an meine schwarze Schönheit! 😉

Nach 9 Fahrtagen und 3631 Kilometern fahre ich kurz später die hübsche Dame in die heimische Garage.

Wir sind müde, aber happy – beide!

Ich mache das Garagentor zu und falle auf die Couch!

Auch schön! 🙂

 

Anmerkung des Tages

Anmerkung 1:

In Schwarzenborn fahren wir an einem großen Bauernhof an den Resten eines wohl am Vorabend stattgefunden Polterabend vorbei! Porzellan-Reste und Unmengen an Bier-Rosetten liegen quer auf dem Hof und verteilen sich mit dem Wind auf der gesamten Straße und in den nachbarschaftlichen Vorgärten! Na, die werden mit ihrem Kater nachher Spaß beim Aufräumen haben!

Anmerkung 2:

Monikas Kommentar zu dem Platz unter unserem Baum: “Wir hätten nicht schöner sitzen können an einem Freitagnachmittag an der A5!” Danke! 😉

Anmerkung 3:

Ich sag euch eins, wenn in dem Gasthof letzte Nacht ein liebestolles Pärchen gewesen wäre, hätte ich vermutlich irgendwann klopfen und mich dazu setzen müssen, damit ich zum Ton wenigstens auch Bild gehabt hätte.

Anmerkung 4:
Auf den letzten Kilometern nach Alf hatten wir eine deutlich ältere und sehr weißhaarige Dame in einem Daihatsu Cuore vor uns. Hut ab! Heißer Reifen! Ich wusste nicht, dass die Reifen vom Cuore quietschen können und die Straßenlage ist auch besser als geahnt! So möchte ich später auch noch fahren können!

 

Die Route

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13 comments on “Deutschland 2019 Tag 9 – Der Abschied

  1. Schade! … Vorbei! Was lese ich jetzt jeden Morgen???
    Kommt gut in den Alltag zurück!
    Meine V-Strom darf morgen ins Erzgebirge. LG bzw. DLzG Elke aus BBG

  2. Toll, Euer Reisetagebuch, das macht Lust auf eine solche Tour. Interessant zu lesen waren Eure Eindrücke der letzten Etappe, da sie hier unmittelbar in der Nähe meines Wohnortes verlief…. und normalerweise begegnet man um Bad Bertrich herum eher den älteren sehr gediegenen Touristenautofahrern .

    DLzG aus der Eifel… Isa

  3. Wasserbillig, Quint, Spangdahlem, Alf, Treis-Karden…oh du wundervolle Welt, da werden Kindheitserinnerungen wach. Das Stück vor Treis-Karden ist mega, schön am Bach enlang durch die Kurven kacheln…ich liebe diese Strecke (Hausrunde 2) 😉

    Euch ne gute Zeit – bis zu nächsten Tour
    Capa

    1. Hallo Tom, das wirkt nur so… Wir hatten so gut wie keinen Regen, Fehmarn war halt leider komplett in Nebel getaucht…
      Aber wir sind happy mit den neun Tagen, wenn man vergleicht, dass in Deutschland andere Bereiche abgesoffen sind…

      Wohin geht es bei euch?

  4. Ach tut das gut mal wieder etwas von der Heimat zu lesen (auch wenn es die gänzlich “falsche” Ecke davon ist)
    Wie kannst du dir eigentlich die vielen Ortsnamen, also die ganzen Koogs, Siels und Agen von unterwegs merken und am Ende auch noch in der richtigen Reihenfolge wiedergeben? Oder würfelst du zwischendurch auch mal ein bisschen…heute gibt es….ähm… [grün] zur regionaltypischen Endung. Dann war das halt Grünskoog.
    Vielen Dank fürs “mitnehmen” und ich freue mich schon nächstes Jahr von der Deutschland- Reise Teil 3 (Schwarzwald und Alpen) zu lesen…das wird bestimmt auch fahrerisch toll

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