Tag 1 – Eine lange Anreise

Eiskaltes Händchen

The Weather Chanel schreibt “Auf der Wetterkarte ist eine echte Winterlage zu erkennen. Hoch Stefan über den Britischen Inseln macht den Weg frei für Kaltluft aus Norden. Genauso fangen Winterlagen an. Allerdings befinden wir uns streng genommen noch im kalendarischen Sommer. Das mit der Kaltluft funktioniert trotzdem und damit wird es in den kommenden zehn Tage auch deutlich kühler in Deutschland.”

Und genauso fühlt es sich auch an, als ich mich am Freitagmorgen in Österreich auf den Weg mache, um mit Monika nach Irland zu fahren! Wer kam eigentlich auf die irre Idee, erst Mitte September Richtung Nordsee und Atlantik zu fahren?

 

Kalter nasser Start in Österreich

 

Aber ich fange noch mal ganz von vorne an:

Hat Irland Linksverkehr?

Als Monika und ich überlegt haben, wo es diesen Herbst hingehen kann, standen sehr viele Ziele auf unserer Liste: Korsika, Albanien, das Nordkap oder die Bretagne. Beim näheren Betrachten ist aus den verschiedensten Gründen dann doch das ein oder andere wieder herausgefallen. Da ich meistens die Routen plane, war mein Wunsch, vielleicht wieder einmal halb organisiert mit einem Reiseveranstalter zu fahren. Der Blick auf unseren späten Reisetermin ließ uns bei allen möglichen Anbietern verzweifeln, da kaum noch Reisen angeboten werden. Bei Schnieder-Reisen sind wir dann über eine 14-tägige Irlandtour gestolpert. Irland? Das klingt doch auch genial! Ein bisschen über die kurze Tourbeschreibung gelesen und entschieden: Ja – es wird Irland!

Am nächsten morgen bekomme ich von Monika eine WhatsApp mit dem Inhalt: “Ach du Schreck, wir fahren wieder Fähre und haben noch Linksverkehr!”

LINKSVERKEHR?! Es fällt mir wie Schuppen aus den Haaren. Ich habe doch mal irgendwann behauptet, ich fahre nirgendwo hin, wo Linksverkehr herrscht! Nun ja, da muss ich wohl gestern Abend etwas in Gedanken gewesen sein. 😉 Jetzt ist es beschlossen, und beschlossen ist beschlossen!

 

Es geht also los

Daher starte ich also am heutigen Freitag und nehme die erste Etappe zu Monika nach Frankfurt in Angriff. Es ist wirklich kalt geworden und ich habe daher alle warmen Klamotten, die unter die Kombi passen, bereits an! Vielleicht habe ich deshalb so erschreckend wenig Gepäck auf meinem Motorrad und überlege schon seit Tagen, was ich wohl vergessen haben könnte?

Mit meinen nigelnagelneuen Reifen rolle ich bei 11 Grad und feuchter Straße noch etwas vorsichtig die 11 Kehren bis zur Bundesstraße hinab. Mein gestern noch funktionierendes Headset hat die Arbeit mit meinem Navigationsgerät eingestellt! Da nützen auch 20 Minuten intensives Zureden an einer Tankstelle nichts! Ich liebe die Technik! 🙁

Unspektakulär starte ich die ersten Kilometer über die Autobahn Richtung Bregenz. Immerhin war eigentlich für den Vormittag strömender Regen angesagt. Da dieser trotz verhangenem Himmel weit und breit nicht zu sehen ist, entschließe ich kurzerhand, zumindest für den Arlbergpass die Bundesstraße zu verlassen. Bei 8 Grad werden die Fingerchen das erste Mal ganz schön kalt, aber ich genieße es wieder auf der Straße zu sein.

 

Für die Leuchtkraft der Blumen fehlt noch der Sonnenschein

 

Mein Freund – der weiße Transporter

Bis Lindau fahre ich weiter recht eintönig auf der Autobahn, aber es liegen ja noch ein paar Kilometer vor mir! Die Strecke bis Ulm vergeht im Flug. Einzig ein weißer Transporter, der mit Warnblinkanlage und 50 km/h vor sich hin hoppelt, bremst mich kurz aus. Dann fängt es aus dem Nichts heraus an aus Eimern zu schütten! Weit und breit kein Parkplatz und bis einer erscheint, bin ich auch schon nass und kalt. Jetzt brauche ich die Regenkombi auch nicht mehr!

 

Zur Hopfenernte mit neuen Reifen unterwegs – ich lerne es nie

 

Hinter Ulm auf der B10 ist mir dann endgültig so kalt, dass das wärmende “M” eines amerikanischen Restaurants meine Rettung scheint! Während ich mich in Ruhe aufwärmen und meinen Kaffee genießen möchte, werde ich von einem motorradfahrenen Gast im wahrsten Sinne des Wortes zugequatscht! Ich dachte immer, ich rede viel. 😉

Da ich noch weiter muss und auch um das Gespräch zu beenden, mache ich mich recht zügig wieder auf den Weg. Nach nur wenigen Kilometern bremst ein weißer Transporter mit Warnblinkanlage mich hoppelnd wieder aus! Sag mal, möchte der bis ans Nordkap mit dieser Warnblinkanlage? Darf der das? Muss man den nicht aus dem Verkehr ziehen?

 

Kann die Autobahn die Rettung sein?

Als es in Geislingen kilometerlang nur im Schritttempo vorangeht, habe ich die Schnauze voll und biege auf die Autobahn ab. An einem Freitagmittag auf der A8 vor Stuttgart zu glauben, dass man schneller vorankommt, ist ein aberwitziger Irrglaube! Bis hinter das Kreuz Leonberg quäle ich mich aber tapfer und verlasse dann die Autobahn wieder Richtung Landstraße. Nun ist es trocken, sonnig und ich komme fantastisch voran!

 

Endlich mal Sonne!

 

Zwar sind es nun schon 60 km mehr als geplant, aber ich genieße die Fahrerei immer noch. In Sulzbach bei Elsdorf möchte ich noch einen schnellen Espresso zu mir nehmen, aber ausgerechnet heute macht das Café um 14 Uhr zu. Dann muss es eben der käufliche Espresso in Schokolade eingehüllt sein, der meine Augen für die Restkilometer noch öffnet.

 

Tolles Wolkenspiel

 

Ankunft an Tag 1

Hinter Aschaffenburg nehme ich dann doch wieder die Autobahn für die restlichen meiner 630 km zu Monika! So langsam bin ich doch wirklich müde und hätte gerne darauf verzichten können, noch mal so richtig in zwei Regenschauer zu kommen! Mir war lange nicht so kalt und ich bin wirklich froh, als bei Monika schon die dampfende Suppe auf dem Tisch steht.

 

Eiskalte Ankunft

 

Ich habe fertig!

Es geht früh ins Bett, denn morgen steht immerhin noch die Etappe bis Amsterdam auf unserem Programm.

Tag 2 der Anreise

Ich glaube, der gestrigen Tag war anstrengend! Ich bin eingeschlafen wie ein Stein und habe sechseinhalb Stunden durchgeschlafen! Wann hat es das zuletzt gegeben? Monika erzählt mir dagegen beim Frühstück, dass sie ab 4:30 Uhr dem strömenden Regen zugehört hat. Aber beim Blick aus dem Fenster bewahrheitet sich die Wettervorhersage von gestern und es ist bereits trocken! Angenehme 10 Grad lassen uns die Regenkombies wieder in die Koffer packen!

Wir schaffen es tatsächlich fast pünktlich um 7:10 Uhr bei Monika aus der Garage zu rollen!

 

Morgens um 7:10 Uhr in Hessen

 

Vor uns wabert der Nebel über den Bäumen aus dem Taunus und hinter uns kämpft sich die Sonne mühsam durch die zähen Wolken! Eigentlich ist es ein Traum! So langsam realisiere ich, dass ich keinen Ausflug zu Monika mache, sondern wir auf dem Weg nach Irland sind! Das kribbelt ganz schön im Bauch!

 

Auf den ersten Kilometern fährt Monika noch vor

 

Die morgendlichen zweistelligen Temperaturen sind inzwischen auf irgendetwas zwischen sieben und acht Grad gesunken! Eigentlich ist es erträglich, aber auf den Höhen herrscht ganz schön frischer Wind. Die kleinen Finger werden kalt, aber auch daran werde ich mich wohl in den nächsten zwei Wochen gewöhnen müssen. Immerhin fahren wir nicht nach Südfrankreich!

 

Morgenstimmung

 

Aber es heißt noch vorsichtig fahren bei den nassen kalten Straßen

Lustige braune Kühe mit blonden Kämmen säumen den Weg! Sind das Haflinger-Rinder? 😉

Von Pause zu Pause

In Limburg sind wir zwar noch fit, aber für einen kurzen Espresso halten wir dann doch eben an! Immerhin möchte auch der Frühstückstee zu seinen Bestimmungsort gebracht werden.

 

Inzwischen kitzelt auch die Sonne von hinten unseren Nacken

 

Am Kloster in Sonnenau bereitet man sich auf eine großes Ereignis vor, Parkplätze werden abgesperrt und die ersten Helfer stehen schon am Wegesrand. Wir können wohl froh sein, hier nicht erst 2 Stunden später entlang zu fahren.

 

Einfach nur schön

 

Weiter ziehen wir westwärts, bevor wir in Linz dann endlich den Rhein überqueren. Bald hat die schöne Fahrerei ein Ende, denn Amsterdam liegt wirklich noch gefühlt unendlich weit weg. Leider bremst uns 4 Kilometer vor unserem ersten Zwischenziel noch eine Umleitung aus, aber dann können wir bei leckerem Zwiebelkuchen und einer Cola schon ein bisschen an Irland denken.

 

Zwiebelkuchen-Zeit

 

Zwischen Sonne und Wolken

Der Rest der Fahrt geht über die Autobahn! Nachdem wir den Vormittag wirklich genossen haben, wird es jetzt recht langweilig. Das einzig Spannende ist noch mal die Vollsperrung der A61, die uns zu einem Umweg über Köln zwingt! Endlich viel Verkehr! Endlich Stau! In Köln-Lövenich gibt es noch mal frisches Benzin für unsere beiden treuen Begleiter*innen (etwas gendern darf sein 😉 )  und weiter geht es Richtung Holland.

Als ich bei Krefeld einen Blick Richtung Westen werfe, bin ich froh, dass die A61 gesperrt war. Dicke Regengebiete hängen über der Autobahn und wir sind froh, auf der A57 trockenen Fußes Richtung Kamp-Lintfort zu fahren.

 

“Wetter” über der A61

 

Aber auch “Wetter” vor uns

Dort erwischt auch uns dann tatsächlich ein kurzer heftiger Schauer, aber nach wenigen Minuten im Fahrtwind sind unsere Klamotten auch schon wieder trocken.

Uns fallen so langsam die Augen zu und ich hangele mich an kleinen Highlights über die Autobahnetappe. Noch 10 km bis zum nächsten Abzweig, noch 27 km, bis es nur noch 200 km sind und so weiter! Ist das öde!

Das Fahren selber in Holland ist aber total entspannt, breite Autobahnen, ein eingehaltenes Tempolimit und entspannte Autofahrer lassen uns gut vorankommen.

 

Was für eine Wetterwand

 

Die alte Maas

 

Endlich am Hafen

Zwei Regenschauer später sind wir schon wenige Kilometer vor Ijmuiden und müssen ein zweites Mal die Rösser volltanken. Das Einchecken am Hafen geht erstaunlich schnell und mit der bisher kürzesten Anfahrt zur Verschiffung dürfen wir auch schon direkt mit dem Verzurren beginnen.

 

Nur eine kurze Wartezeit bis zum Check-In

 

Es ist und bleibt für uns ein Abenteuer, wer, wann, mit welchen Haken, wo irgendwas verzurren darf oder muss. Aber mit reichlich sinnvoller und sinnloser Hilfe stehen die beiden Motorräder sicher verschnürt und auch wir können in unsere gemütliche Außenkabine!

 

Das große Verzurren

 

Da schlafen wir heute Nacht gemütlicher 😉

 

Blick aus unserem Fenster

 

Beim Auslaufen regnet es mal wieder in Strömen und wir genießen ein gemütliches Abendessen, bevor wir bei starkem Wellengang uns gemütlich in den Schlaf wiegen lassen!

 

Selfie noch in der Sonne

 

Es geht los – Irland – wir kommen

 

Gute Nacht!

Anmerkungen des Tages:

Anmerkung 1:

Über ein Schild “Döner Brechen” können die Einwohner von Brechen wohl nicht mehr lachen! Ich dagegen amüsiere mich noch ein paar Kilometer über die Unverträglichkeit türkischer Speisen. ( und bevor einer glaubt, ich wäre rassistisch, ich hätte genauso bei Pizza, Ratatouille oder Schweinsbraten gelacht!)

Anmerkung 2:

Mein Headset oder mein Navi spinnt. Zumindest es lange still und in Limburg brüllt es mich an mit dem Wort “Dann!” Aber auch nicht mehr und ich weiß immer noch nicht was “dann” ist. Aber den restlichen Tag verbringen wir mit lustigen Ratespielen wie “in 400 Metern” (was genau ist in 400 Metern)  oder “links” (wann genau bitte nach links):

Anmerkung 3:

Monika und ich als eingespieltes Team müssen uns in diesem Jahr an viel Neues gewöhnen. Ich habe eine neue Motorradkombi, sie fährt nicht mehr einem Krefelder Kennzeichen hinterher und in meinem Rückspiegel hat die CBF heimlich die Farbe gewechselt!

Die Route:

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23 comments on “Tag 1 – Eine lange Anreise

  1. Hallo ihr Beiden. Ich wünsche euch eine schöne Tour. Grüßt mir den River Shannon. Dort haben wir vor 30 Jahren unsere Hochzeitsreise auf dem Boot verbracht.

  2. Hurra, es gibt wieder was zu lesen!
    Wünsch euch eine gute Fahrt und schöne Reise!
    Hm…das Wetter…ich bin gespannt.
    Im Linksverkehr immer bei Abfahrt (z.B. nach der Teepause) besonders konzentrieren, danach klappt es eigentlich von ganz allein. Hatte das “Vergnügen” auch schon zwei mal.
    Solltest du ein Tom Tom Navi haben – bei mir hat ein Reset (zurück setzen auf den Auslieferungszustand) nach ähnlichen Problemen ein Wunder bewirkt.
    Solltest du Routen gespeichert haben … lass dich überraschen, die auf der Speicherkarte sollten noch da sein 😉
    Freu mich schon auf die nächste Etappe.
    Lg Falk

  3. Hmm, von IJmuiden geht es doch gar nicht direkt nach Irland.
    Wie dem auch sei, viel Spaß und das mit dem Linksverkehr ist doch mit Motorrad eigentlich gar kein Problem. Auf den Single track roads merkt man das ja eh nicht.

      1. Hallo Mädels … am Rückweg … ich liege sozusagen am Weg … dann ist die Strecke ab Amsterdam net ganz so lang … also … gerne melden. Zimmer zum Verwüsten wartet auf euch

  4. Eine schöne Fahrt wünsch ich euch. September und Irland. Bin gespannt. Kollegen waren heuer im Mai in Irland, da war es auch etwas feucht.

    Hab ich was nicht mitgekriegt, du lebst jetzt in Österreich.

  5. Ihr habt ein Löwenherz, jetzt noch dahin zu fahren. Warum hast Du Dir keine “Laminatkleidung” geholt -spart die Regenkombi? Ist die silberne CBF in Rente?

    1. Hey ja, die silberne CBF ist mit 178 000 km in Rente gegangen! Ich habe mir mit der KLIM ja eine laminatkombi geholt, aber da dies die erste Tour ist, habe ich der Sache noch nicht so getraut! Außerdem ist oft bei mir ihr die Kälte ein Problem, wenn es den ganzen Tag regnet! Und da hilft die Kombi dann einfach noch mal bei den Temperaturen

    1. Hallo Mädels … am Rückweg … ich liege sozusagen am Weg … dann ist die Strecke ab Amsterdam net ganz so lang … also … gerne melden. Zimmer zum Verwüsten wartet auf euch

  6. Wir wünschen euch eine wunderbare Reise und freuen uns schon auf weitere Berichte! Wir hoffen, ihr habt von der A57 mal eben in Höhe Duisburg zu uns herüber gewunken…

  7. Ein beeindruckender Reisebericht!

    Irland – ein wunderschönes Land, mit vielen Sehenswürdigkeiten und toll zum Motorradfahren.
    Gute Reise!!!

  8. Man, da habt ihr ja schon Abenteuer pur gehabt. Jedenfalls wünsche ich euch trockenes und konstantes Wetter. Allzeit gute und sichere Fahrt.

  9. Hi Julia, dann bin ich warscheinlich schon 1000mal bei dir vorbri gefahren. Tirol ist ja grad ums Eck zu Vorarlberg. Mit etwas Glück trifft man sich mal. LG Manfred

  10. Krankenhaus – bedingt steige ich heute erst ein in die Tour! Freue mich sehr, dass ihr wieder unterwegs seid und bin sehr gern d was b er i, wie immer! Ich fand Irland 2005 toll. Mit dem Bus allerdings… *grins
    Gute Reise und tolle Erlebnisse!
    Herzliche Grüße, Ute

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