Pyrenäen – Samstag – 10.9.2016

Lama

 

Es ist ein wunderschöner Samstag morgen. Ein paar Nebel hängen noch über den Wiesen und Bäumen, aber darüber blitzt der kleine gelbe Ball, der uns seit einer Woche zuverlässig auf unserer Reise begleitet.

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Ich nutze die Stille des Morgens für eine kleine Inspektion. Es wollen Öl (für die Kleine) und Öl (für den Scotti) nachgefüllt werden.

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Hätte ich mit 40 Grad gerechnet, hätte ich auch anderes Scotti – Öl verwendet. So habe ich halt die Kette etwas reichlicher gefettet… Und wegen des kurzen Hecks auch mein Kennzeichen, die Auspufftöpfe, das Topcase und Roadine. Will halt alles gepflegt werden… 😉

Nachdem gestern einige es zum Kotzen fanden, finde ich es heute beschissen. NEIN! Nicht, wie ihr denkt. Aber schaut euch meine Sitzbank an! Diesen unvorstellbar riesigen Vogelschiss! Ich bin erschüttert und überlege, das Hotel oder den Veranstalter zu verklagen. Oder am besten beide….

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Heute scheinen alle etwas müde zu sein. Es ist neun Uhr und nur die Hälfte der Teilnehmer steht auf dem Parkplatz. Ist es der Trennungsschmerz angesichts des letzten gemeinsamen Tags oder steckt doch nun allen die bisherige Strecke in den Knochen!?

Roadine hat sich an eine alte Tradition erinnert- den Blumenschmuck an meinem Motorrad. Danke für den floralen Gruß!

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Die ersten Kilometer schwingen wir uns auf der Nationalstraße ein. Ich glaube, es tut allen gut, auf größeren Straßen langsam wach zu werden. Den Straßenbelag in Lagune habe ich selbst in Frankreich so auch noch nicht gesehen. Wie überdimensionale Waschbeton-Terrassenplatten reiht sich Waschbrett an Waschbrett. Aber schon Kilometer später ist es auch schon wieder vergessen, als das Vibrieren im Hintern wieder aufgehört hat. 😉

Wir biegen ein- oder zweimal ab und das Réservoir de Naussac liegt wunderschön und spiegelglatt vor uns. Die flachen Sandstrände laden sicherlich an heißen Tagen zum Baden ein. Ein paar Boote mit regungslosen Anglern treiben in Ufernähe, drei Pferde stehen mit hängenden Köpfen und dösen schweifschlagend im Schatten. Wir verlassen dieses für eine Postkarte zu kitschige Motiv rechts nach Fontanes, bevor wir wenig später für ein paar Foto – und Fahraufnahmen an einer kleinen Brücke anhalten.

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Ich rufe :“Da steht ein Lama in der Ruine! “

Die Gruppe beschließt, mir heute abend keinen Rotwein mehr zu geben.

Ich rufe wieder :“Da steht ein Lama in der Ruine! “

Die Gruppe beschließt, sie hätte mir besser auch gestern abend keinen Rotwein gegeben.

Aber da IST ein Lama in der Ruine.

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😉

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Über kleinste Straßen geht es kreuz und quer bis nach Ussel, wo wie aus dem Nichts ein pittoreskes Café vor uns auftaucht.

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Während des Kaffees entscheide ich, meine Kombi doch nicht zu waschen. Ich werde sie umtauschen. In den letzten Tagen mit der großen Hitze hat das Material doch sehr gelitten. Es ist eingelaufen. Gleiches ist auch dem Nierengurt, meiner langen Unterwäsche, meiner Jeans und den T-Shirts widerfahren. Ich muß eine schlechte Charge erwischt haben. 😉

Die Pause ist traumhaft. Es gibt Liegestühle, der Duft von gerade frisch gebackenem Käsekuchen weht um unsere Nasen und Madame rollt gerade die Fleischbällchen für den Mittagstisch.

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Ich genieße diesen Moment so sehr, dass ich die Gruppe spontan zum Kaffee einlade. Auf die Frage, ob es dafür einen besonderen Anlass gibt, antworte ich „Ja, das Besondere ist gerade genau dieser Moment, an dieser Stelle mit dieser Gruppe!“ Und es kam von Herzen!

Es geht weiter über kleine Straßen, durch Felder, vorbei an Bauernhöfen, beobachtet von Kühen, Hunden, Hühnern und Franzosen.

Ansonsten genieße ich einfach die Fahrt, die Strecke und die Temperaturen. So langsam werde ich wehmütig, dass heute Abend das alles vorbei sein soll…

Mir fällt ein Spruch aus früher Kindheit ein :

Le boeuf – der Ochs
La vache – die Kuh
Ferme la porte – die Tür mach zu

Vielleicht hat mein Gehirn doch einen dauerhaften Schaden durch die Hitze abbekommen. 😉

Nachdem wir einen kleinen Umweg durch eine größere Streckensperrung in Kauf nehmen mussten, folgen wir viele Kilometer der Loire, bis wir ein kleines feines Lokal finden. Auch kleines feines Essen, und kleine feine Preise. Gut… „klein“ ist gelogen bei den Preisen…

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Wir genießen die Zeit und vermuten jetzt schon, dass wir abends etwas abkürzen müssen. Die Franzosen wissen zu leben….

Das Mittagessen macht müde – sehr müde. Ich glaube, nicht nur ich kämpfe mit zufallenden Augen. Ich beginne, französische Chansons in meinen Helm zu posaunen – also die zwei Zeilen, die ich von dem einen Chanson kann. Ich singe dabei so schlecht, dass ich wieder wach bin. 😉

Nach dem Tankstopp in St. Just – St. Rambert wird es aber auf dem ersten Stück echt öde. Erst durch die Stadt, dann durch eine Stadt, anschließend durch eine Stadt und dann ganz lange geradeaus, bevor es in Feurs endlich rechts abgeht. Ab Panissières folgen wir der Route, die wir auch auf dem Hinweg genommen haben. Aber umgekehrt sieht ja alles anders aus.

Kurz hinter Tarare finden wir auf einem Marktplatz eine kleine Sportsbar, die unseren Bedarf nach Kaffee und vor allen Dingen WASSER deckt.

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Damit uns nicht so langweilig wird, ist sogar eine Hochzeit organisiert worden. Mit Trommler- und Bläserchorps werden Braut und Bräutigam in Ihre Zukunft geschickt. Wir genießen den Schatten, lassen ein paar Eindrücke Revue passieren und schauen auf der Karte, wohin uns die letzten Kilometer treiben.

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Die Zeit drängt und wir fahren große Straßen Richtung Hotel. Eine Polizeikontrolle nehmen zwei von uns auch noch mal eben mit. Selbstverständlich sind die Motorräder technisch in Ordnung und auch sonst gab es nichts zu beanstanden.

Wahre Gründe haben wir erst auf den letzten 40 Kilometer geliefert. Eine Fahrt durch die Grünanlage in der City, 130 auf der Landstraße, überholen in der Stadt und permanentes Fahren über die durchgezogene Linie. Ich glaube, unsere Tourguide hatte es eilig ins Hotel zu kommen. Ich persönlich mag aber diese typisch französische Fahrweise – sportlich dynamisch. 😉

Es sind aber alle Teilnehmer sicher und unfallfrei durch die Woche gekommen, das ist die Hauptsache.

Das obligatorische Bier zum Ausklang lassen wir uns heute besonders gut schmecken.

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Gleich gibt es Essen, aber dann beginnt schon das Verladen der Motorräder bei denen, die mit Bus oder Anhänger angereist sind. Die anderen werden Karten studieren und Fahrgemeinschaften für den Rückweg bilden.

Roadine und ich sind noch nicht schlüssig, ob wir auf direktem Weg über Autobahn, Bundes – und Landstraßen fahren oder doch über zwei Tage auch wieder nach Hause gondeln. Mal sehen, wir tendieren gerade zur ersten Variante.

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Es war eine tolle Woche. Au revoir!

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