Magischer Moment am Stilfser Joch

Magischer Moment – der erste

 

Es war ein magischer Moment, als ich am 9. August 2017 im Motorprosa-Blog von Jürgen Theiner über sein Ritual “Morgens auf’s Joch” gelesen habe.

 

Der Geruch von verbranntem Kettenfett, heißem Auspuff-Stahl und zerbröseltem Reifengummi steigt von der Maschine auf, knisternd atmet die Superduke durch die Tankentlüftung aus. In absoluter Stille weicht das Dunkel einem minütlich wärmer werdenden Licht. Farbloser, kalter Stein verändert sich, aus irgendwelchen Ritzen kommen Insekten angeflogen und kreisen um den einsamen Menschen auf dem Geröllfeld hinter der Tibet-Hütte.

 

Es waren diese Worte, die mich seit dem nicht mehr loslassen. Spontan hatte ich damals das folgende kommentiert:

 

Danke dafür, für diesen Start in den Tag, wie ich mir vor mein Bürofenster in Gedanken deine Bilder schiebe, die kalte Luft der Berge genieße und neben dir den stillen Moment des Sonnenaufgangs genießen kann…

 

Einsam zweisam?

Zwei Jahre lang hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen, zwei Jahre lang träumte ich davon, einmal zu sehen, wie sich die Sonne langsam über die Berge schiebt und mich, meine kleine schwarze Schönheit und die Bergwelt um mich herum in ihr warmes Morgenrot hüllt.

Aber kann und möchte ich alleine aufs Joch?! Oder ist es eben genau dieser Gedanke, neben dem Ideengeber den Sonnenaufgang zu erleben, der mich nicht mehr loslässt?

Ich horche ehrlich in mich hinein und entscheide, dass ich eigentlich unbedingt gemeimsam mit Jürgen “seinen” Berg erklimmen möchte und ich eigentlich an “seinem” magischen Moment teilnehmen möchte.

Nach über zwei Jahren der virtuellen Freundschaft ist ein persönliches Treffen eh überfällig. Ich freue ich daher wie Bolle, als er spontan zusagt, mich begleiten zu wollen.

 

Der Morgen

Mein Glück ist riesig! Wache ich am Tag zuvor auf dem Großglockner noch im tiefsten Nebel auf und die Sicht am morgen liegt bei 25 Metern, so scheint der Wettergott ein Einsehen mit mir zu haben und verspricht bestes Sonnenaufgangswetter für unseren Trip!

Liegt es an meiner Aufregung, am warmen Zimmer oder einfach an mir, dass ich in der Nacht unglaublich schlecht schlafe? Ich weiß es nicht! Auf jeden Fall reißt mich der Wecker um 4:45 Uhr nicht gerade aus dem Tiefschlaf – aufstehen möchte ich dennoch nicht wirklich! Aber die Sachen müssen ja auch noch in die Taschen verstaut werden, bevor um 5:15 Uhr Jürgen vorm Hotel auf mich wartet.

Also springe ich schnell in die Klamotten, packe die Rolle und muss nur noch der kleinen Schwarzen etwas Öl in ihren durstigen Behälter geben, bevor wir dann in der Kühle des Freitagsmorgens Richtung Prad starten.

 

Stilfser Joch im Dunkeln
Erstes Licht am Horizont

Unwirklich, wie die beiden kleinen Scheinwerfer unruhige Muster auf den Asphalt vor uns malen.

Unwirklich, wie mein Atem den Helm von innen beschlägt, während wir durch Orte mit dunklen Fenstern und einsamen Lichtern fahren.

Unwirklich, hier zu sein und einem zwei Jahre gehegten Traum so nah zu sein!

Kneif mich mal bitte jemand!

Wir lassen auch Trafoi hinter uns und schrauben uns Kehre für Kehre in die immer heller werdende Bergwelt. Das sich hinter jeder Kurve veraändernde Lichtspiel lässt mich langsam zweifeln, dass wir pünktlich oben sein werden.

 

Das erste Licht des Morgens – schaffen wir es pünktlich?

Aber dann sind wir irgendwann oben und ich wende meinen Kopf in Richtung Osten und freue mich! Ja, die Sonne hat mir den Gefallen getan und versteckt sich noch hinter den weit entfernten Gipfeln.

Wir sind pünktlich!

 

Stilfser Joch kurz vor Sonnenaufgang
Tibethütte am Stilfser Joch – kurz vor Sonnenaufgang

 

Wir rollen hinter die Tibethütte und stellen uns auf staubigem Geröll unmittelbar ins Zentrum des Geschehens. Motor aus – Stille!

 

Suzuki und Ducati am Stilfser Joch
Zwei Schönheiten vor imposanter Kulisse

 

Jürgen packt neben dem Foto-Equipment auch noch Kaffee aus – jetzt kann nichts mehr schiefgehen!

 

Magischer Moment – der zweite

So, jetzt sitze ich hier!

Jetzt sitze ich hier und warte auf den Sonnenaufgang! Das Wetter könnte nicht besser sein, meine Laune auch nicht. Ich habe einen Kaffee in der Hand und bin glückselig!

Und so sitzen wir da, schweigend, nebeneinander, und schauen der Sonne bei ihrem täglichen Ritual des Sonnenaufgangs zu.

Für mich ungewöhnlich, aber ich kann den Moment nicht beschreiben. Hier sagen Bilder mehr als 1000 Worte!

 

Freude am Stilfser Joch
Da strahlt jemand! (Foto. Jürgen Theiner)

 

Gruppenbild am Stilfser Joch
Da freuen sich aber zwei, ach nee – vier! 😉 (Foto: Jürgen Theiner)

 

Warten auf den Sonnenaufgang
Warten auf den Sonnenaufgang

 

Kurz vorm Sonnenaufgang
Kurz vorm Sonnenaufgang

 

Sonnenaufgang
Da ist sie!

 

Spiegelbild
Sonne, Stilfser Joch, V-Strom und Jürgen

 

Lichtspiel am Stilfser Joch
Rote Berghänge im Sonnenaufgang

 

V-Strom im Sonnenaufgang
Auch die V-Strom freut sich

 

Ducati und Suzuki
Parmesanfeile und schwarze Schönheit (Foto: Jürgen Theiner)

 

Blumen am Stilfser Joch
Blumen am Morgen (Foto Jürgen Theiner)

 

V-Strom vor Talfahrt
Sehnsüchtiger Blick ins Tal

 

Faszinierende Lichtverhältnisse
Faszinierende Lichtverhältnisse

 

Julia und V-Strom am Stilfser Joch
Zwei sehnsüchtige Blicke in die Berge (Foto: Jürgen Theiner)

 

Gruppenfoto in der Morgensonne
Gruppenfoto in der Morgensonne (Foto: Jürgen Theiner)

 

Danke

Ein Blog der eher wenigen Worte! So war auch der Morgen – mal schweigend, mal redend, aber für mich ganz emotional! Zwei Jahre auf den Moment gewartet – zwei Jahre zurecht darauf gewartet!

Ein Moment, den ich so bald nicht vergesse und Bilder, die sich in mein Herz gebrannt haben.

Danke Jürgen!

(Er hat noch Worte gefunden, im Gegensatz zu mir! Aber lest selbst!)

 

Maedchenmotorrad und Motorprosa strahlen um die Wette! (Foto: Jürgen Theiner)

 

 

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23 comments on “Magischer Moment am Stilfser Joch

  1. Spektakulär! Ausser guten Ideen kann da Einer auch richtig gut mit der Kamera umgehen! Danke für die Inspiration, ich muss mir unbedingt hier um die Ecke mein persönliches kleines „Joch“ gönnen. Schwäbische Alb ist natürlich einige Nummern bescheidener, aber die Sonne ist die gleiche

  2. Spektakulär! Ausser guten Ideen kann da Einer auch richtig gut mit der Kamera umgehen! Danke für die Inspiration, ich muss mir unbedingt hier um die Ecke mein persönliches kleines “Joch” gönnen. Schwäbische Alb ist natürlich einige Nummern bescheidener, aber die Sonne ist die gleiche … und kommentieren muss ich anscheinend noch lernen. Erst zu schnell!? ,dann doppelt !?

  3. Das erinnert mich an die Frühaufstehertouren mit unserem damaligen Töffclub. Wir, einige wenige, trafen uns früh und fuhren in die Berge. Man sah zuerst Licht in den Ställen und dann langsam auch in den Häuser und fuhr in den Morgen. Den Club gibt es schon lange nicht mehr, aber eine Frühaufstehertour werde auch wieder einmal machen. Danke für den Beitag.

  4. Ich hab Pippi in den Augen, weil ich mich so sehr für dich freue. Das nächste mal muss ich mit! Die Landschaft ist ja wohl Atemberaubend. Und du weißt, egal wo man sitzt Sonnenaufgang geht immer! Lg Heike

  5. Wunderbar! Danke fürs mitnehmen in einen so magischen Moment und so schön bebildert! ja es lohnt sich so früh aufzustehen… wenn man nämlich (so wie wir) sich zulange beim Frühstück aufhält, weil es doch sooo lecker ist, dann hat man statt friedlicher Stille, Krieg in den Kehren ;-). Eine Geschichte aus dem #häschteckchen die ich demnächst sicher mal erzähle…

    Sonnige Grüße
    Suse

  6. Das war schon ganz ein spezieller Morgen – Straße, Wetter, Motorräder und die Begleitung, alles hat perfekt gepasst 😉

    Manchmal müssen Träume halt zwei Jahre lang warten – ich freu’ mich sehr, dass ich bei der Erfüllung Deines Traums dabei war!

    😉

  7. Liebe Julia, wieder mal super klasse geschrieben und beschrieben. Kann es etwas nachvollziehen, wie ihr euch gefühlt habt. Wir haben dieses Jahr die Route de Grand Alpes in Angriff genommen und waren am Col de la Bonette auch fast vor der Sonne als erste oben. Mach weiter so, damit ich noch viel zu lesen habe. Grüße aus der RHön.

  8. Hallo VrauStrom , wirklich genial – die Tour zu dieser Zeit und natürlich die genialen Fotos. Meine V-Strom hatte mich nach Schweden, Schottland, England, Italien und Frankreich gebracht…
    67. 000 km total zuverlässig.
    Dann der “Tausch” mit der BMW… zuerst 800er GS, dann 800 ADV und seit über 2 Jahren die 1200 GS…
    Allseits gute Fahrt und tolle Momente auf deinem Bike

  9. Ha, sehr cool!

    Ich kenne den Artikel von Jürgen. Er hat das Talent so zu schreiben, dass man wirklich emotional gepackt wird und beim Lesen Bilder im Kopf entstehen, die man nicht mehr vergisst. Damals beim Lesen habe ich gedacht: DAS würde ich auch gerne mal machen. Und Jürgen kennenlernen sowieso.

    Das Du das jetzt wahr gemacht hast ist cool!

  10. Wow, eine Frau die 30 Minuten vom klingeln des Weckers bis zur Abfahrt bereit ist, sollte man auf der Stelle heiraten!!! Wo allerdings genau ( Ort ) der Start zum Stilfser Joch war, kann ich dem Bericht nicht entnehmen. Da ich bereits 2x den Großglockner und ca. 8 oder 10x auf dem StilfserJoch war kann ich nicht glauben dass man die Strecke von 5.15 Uhr bis vor Sonnenaufgang schafft. Also war der Start nicht am Glockner. Im Hotel Fransenhöhe am Stilfs habe ich ja schon mal übernachtet und kann die tolle Tour nachvollziehen. Tagsüber werde ich aber die Strecke nicht mehr fahren,weil total überlaufen von schwankenden Rennradlern kranken Motorradfahrern und verrücken Fahrzeugen wie Oldtimer-Traktoren mit Bauwagen und Reisebussen. Alle wollen da hin wo es schön ist, wenn dann alle dort sind ist es nicht mehr schön

    1. Hallo Willi!
      Danke für das Kompliment! In den 30 Minuten ist auch noch das Packen meiner Tasche und das rausholen des Motorrads aus der Garage enthalten!
      Zwischen dem Großglockner und dem Stilfserjoch liegen zwei Nächte. Also am ersten Abend im strömenden Regen rauf auf den Großglockner und in Nebel wach geworden, dann bis nach Laas gefahren und dort dann übernachtet, um es nicht mehr so weit bis zum Stilfserjoch zu haben

    1. Noch besser!!!!!und oben dann eine Bratwurst aber das wäre sogar mir zu stressig außer man hat das Hotel ohne alles gebucht nur schlafen. Dieses Jahr waren wir 2 Tage in Livigno aber Stilfs sind wir nur zur Hälfte von Bormio aus hoch gefahren dann links auf den Umbrail und plötzlich kaum noch Fahrzeuge. Dann nach Bozen, Lienz, Kitzbühel über Glöckner alles auf 6 Tage verteilt.

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