WAPU – es geht wieder nach Hause

Der letzte Morgen

Warum wartet man gefühlt eine Ewigkeit, dass man sich mit so netten Menschen trifft und warum ist dann auf einmal alles so schnell vorbei?!

Waren wir wirklich drei Nächte hier?

Waren wir wirklich zwei lange Tage gemeinsam mit den Motorrädern unterwegs?

Hat Truder es wirklich geschafft, 8 Kugeln Eis zu essen? 😉

Es ist wie es ist, es ist der letzte Morgen! Wir schälen uns relativ früh aus unseren Federn, immerhin ist das Zimmer nach der Explosion der Gepäckrolle nun wieder in seinen Ursprungszustand zu bringen. Wer das Zimmer vorher gesehen hat, hält dies für eine unlösbare Aufgabe! Nicht so bei Monika und mir. Die letzten paar Jahre haben uns geübt darin gemacht, wem welche Sachen gehören, wer schon mal für den anderen mitdenkt und wer beim Saubermachen des Helms sich auch direkt den der anderen vorknöpft.

Daher stehen wir genauso pünktlich wie die mitreisenden Jungs an den Motorrädern und verzurren unsere Siebensachen.

Alle mitreisenden Jungs?! Nun ja, Olaf ist noch nicht da, aber als bekennender Langschläfer haben wir auch noch nicht wirklich mit ihm gerechnet.

Daher schwingen wir uns die wenigen Meter bis zu Jörg und Gilla auf unsere Bikes und freuen uns auf ein letztes gemeinsames Frühstück!

 

Sunshine reggae!

 

Abschied und Abfahrt

Überpünktlich sind wir fertig und könnten nun eigentlich Richtung Heimat reisen. Nur – Olaf fehlt immer noch. Während die einen sich nicht mal sicher sind, ob er sich überhaupt wieder dem Niederrheintreck anschließen wollte, beharre ich darauf, zumindest die vereinbarten 9:00 Uhr abzuwarten. (Und dann noch mal an der Pension vorbei zu fahren.)

Aber da taucht der Ritter des ausgeschalteten Handy-Weckers auf, brummt etwas von “KFFE” und “ich muss erst was essen”und verschwindet im Inneren des Gartenhauses. Mit dem schwarzen Lebenselexier bewaffnet prangt in der anderen Hand das schnelle “to-go-Brötchen”, so dass wir tatsächlich nur wenige Minuten später dann doch Richtung Heimat starten können. Wildes Umarmen, Herzen, Grüßen, Winken, Rufen, noch mal umarmen und aufs Wiedersehen-Freuen macht uns den Abschied nicht gerade leichter.

Auf den ersten Metern die gerade Straße den Berg hinunter habe ich das Gefühl, dass mit meinem Vorderreifen etwas nicht stimmt. An der nächsten Ampel stimmt ich mich dazu kurz mit Hary ab. Er hat das gleiche Problem. Scheinbar sind unsere beiden Metzler Tourance Next nun so weit runter gefahren, dass das Kurven hetzen der letzten beiden Tagen den Reifen den Rest gegeben hat und sie angesicht des Lastesel-Zustands gefühlt ein zu leichtes Vorderrad vermitteln.

Aber egal, schnell daran gewöhnt und weiter Richtung Heimat.

 

 

Es ist windig und kalt. Uns es ist kalt! Sehr kalt! Kälter als erwartet! Scheiße, ist das kalt! Verflucht, sooo kalt habe ich das nicht erwartet.

Schon nach einer knappen halben Stunde entscheide ich mich, dem Erfrierungstod noch einmal von der Schippe zu springen und setze an der nächsten Bushaltestelle den Blinker nach rechts.

“Jungs, ich muss nur eben was drunter ziehen” rufe ich meinen Mitfahrern entgegen.

Hary wird später behaupten, das hätte man filmen müssen, wie ich ohne Schulterfraktur dieses Meisterstück vollbracht habe.

 

Der große Houdini

Um zu erklären, warum ich mich mit dem großen Entfesselungskünstler Houdini vergleiche, sei etwas zu meiner Bekleidung gesagt.

Also: Ich trage so ein modernes Zeug, welches 3 Lagen hat, Jacke, wasserdichte Membran und Futter. Das Futter war natürlich zu Hause. Ich bin aber auch zu faul, diese blöde Membran immer ordentlich fest zu machen. Also trage ich diese wie eine Unterjacke, zippe dann die Moppedjacke an der Hose fest, ziehe dabei 8 Mal die Innenjacke wieder aus dem blöden Reißverschluß und versuche dabei, nicht auch noch dem Riemen meiner Gürteltasche im Wege zu stehen.

Ja, es ist so kompliziert, wie es sich anhört.

Dementsprechend habe ich überhaupt keine Lust, “mal eben” am Straßenrand dieses technische Wunderwerk zu entkoppeln, eine Jacke drunter zu ziehen und dann alles wieder fluchend zusammenzubauen.

Daher lasse ich die Moppedjacke an die Hose gezippt, während ich sie ausziehe und mir nach vorne gebeugt auf den Rücken lege.

Nun kann ich darunter die wasserdichte Membran ausziehen und auf dem Motorrad parken.

In dieser unwürdigen Haltung öffne ich nun den Seitenkoffer, um an meine Softshelljacke zu kommen.

Diese ziehe ich mir in der gebeugten Haltung an, mache den Reißverschluss zu, nehme die wasserdichte Membran und ziehe sie ebenfalls darüber.

Nun kommt der große Trick, die Moppedjacke so geschickt über alle diese Lagen zu werfen, die Arme wieder in den dafür vorgesehenen Ärmeln verschwinden zu lassen und entspannt lächelnd den Jungs mitzuteilen, dass es schon weiter gehen kann.

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht!

 

TomTom

TomTom und ich haben scheinbar wieder zueinander gefunden: Ich habe ganz einfach “kurvenreich nach Hause” eingegeben und wir werden durch wunderschöne Gegenden gelotst. Breite weite kurvige Straßen wechseln sich mit kleinen feinen Wegen durch Wald und Wiesen ab. Ich finde es perfekt, dass man auf der einen Seite ein bißchen Strecke machen kann, aber bevor es einem zu öde wird, man wieder herausfordern kleine Sträßchen in mir unbekannten Gegenden unter die Räder nehmen kann.

 

 

 

Noch weit vor Mittag fahren wir durch eine Gegend, die schwer von Stürmen getroffen sein musste. (Aber schon länger her.) Ich war wirklich bewegt, wieviel Wald hier einfach so dem Erdboden gleich gemacht wurde.

 

 

Aber auch kitschige Momente gibt es. Wie gut, dass es nicht auch noch blauen Himmel zu sehen gibt, das wäre ja widerlich!

 

 

Wie so oft zeigt es sich, dass es weit und breit kein Café gibt, wenn man eines braucht. Aber erst bei der Sichtung der Fotos habe ich bemerkt, WIE LANGE ich meine Jungs tatsächlich habe darauf warten lassen.

Sorry dafür!

Aber der Kaffee im Café del Sol in Kassel ist dafür echt lecker, die Sonne kommt raus und scheint auf unsere kalten Rücken… Hach, sind wir schon da?! 😉

Mit der Abfahrt bessert sich auch das Wetter und endlich strahlen auch alle Farben wieder um die Wette!

 

 

Pause machen wir schon im tiefen Sauerland, dabei einen weiten Bogen um Winterberg machend. Wir sehen zwar weder glücklich, noch kommunikativ, noch entspannt aus, das entspricht aber ganz und gar nicht der Wahrheit. Wir hatten eine tolle Pause in der Sonne und haben sehr lecker und frisch gegessen!

 

 

Auch hier könnten wir ewig bleiben, aber die Heimat ruft. Harry fährt nun nicht mehr weiter Richtung Westen, sondern biegt nach ein paar Kilometern nach Südwesten Richtung Westerwald ab.

Wir kurven weiter auf fast autofreien Straßen und finden auch den ein oder andern Weg durch den Wald.

 

 

Als letztes Highlight besuchen wir noch kurz vor Solingen in einem mir unbekannten Dorf an einer noch unbekannteren Straßenkreuzung das mindestens so unbekannte Dorffest.

“Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus” ist doch eine Einladung, der man einfach folgen muss. Der undeutlich vor sich hin stammelnde Einheimische versucht wohl scheinbar, den Mut des gestillten Bierdurstes zu nutzen und mir so was ähnliches wie ein Kompliment zu machen. Alleine würde ich vermutlich heute noch versuchen, mich aus den Klauen der Heiratssschwindler zu befreien. 😉

Kaffee 1 Euro, der Kuchen 1,20 – das sind noch Preise! 🙂

 

Truder lässt sich dieses einmalige Schauspiel entgehen und ist der Nächste, der dem Ruf der Heimat folgt.

Nur noch zu Dritt lassen wir uns weiter treiben und beschließen, im Café Hubraum uns kurz zu verabschieden!

Ein Missverständnis später laufen wir in getrennten Gruppen dort ein, muss man sich den ausgerechnet in den bekannten Gefilden aus den Augen verlieren?! 😉

 

Kurz nach sieben schlage auch ich dann Zuhause auf. Ich gebe zu – müde, und kalt, und hungrig. Zuerst gare ich mich also 1 Stunde sous vide bei 80 Grad in der Badewanne, dann plündere ich den Kühlschrank, bevor ich alle Vorsätze bzgl. Auspacken der Tasche fallen lasse und hochzufrieden in mein Bett plumpse!

 

Nee, wat war dat schön!

 

Anmerkungen des Tages:

Anmerkung 1:

Ich habe die Liebe meines besten Freundes zurückgewonnen! Zwar nur sehr kurz und mit nur ganz wenig Bestechung!

 

Und er liebt mich doch – ähm – mein Schinkenbrötchen!

 

Anmerkung 2:

Auf diesem Bild haben wir eine Hexe versteckt!

Und nein – sie hat KEIN schwarzes T-Shirt an!

 

Anmerkung 3:

Harry, wenn ich Dir noch mal sage, dass ich schlecht geschlafen habe, und Du antwortest noch mal, dass man das sieht, da ich unglaublich zerknautscht aussehe, dann lauf das nächste Mal ganz schnell! 🙂

 

Anmerkung 4:

Schwein gehabt! Das hätte auch ein mir um die Ohren fliegendes Navi geben können!

Und die andere Seite hing auch nur noch am seidenen Faden!

2 comments on “WAPU – es geht wieder nach Hause

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