Endurofahren an der Ardéche – Part 2

Nach “Plumbs” kommt wieder die Vorfreude

Wie ihr in meinem ersten Bericht zur Endurotour an die Ardéche lesen konntet, haben meine Schulter und ich den Ausflug nicht ganz unbeschadet überstanden.

Dies hindert mich – 4 Monate danach – aber nicht daran, schon wieder von den nächsten Abenteuern auf den holprigen Pisten Frankreich zu träumen. Der an den Fenstern herabrinnende Regen tut sein Übriges dazu!

Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen und euch mit meinen Träumen von Südfrankreich ordentlich den Mund wässerig zu machen.

Aber wie und wo fange ich an…..

 

Über Endurofuntours:

Ich starte zuerst mal beim Reiseanbieter! Wie auch bei einigen meiner Straßentouren starte ich Reisen in ein unbekanntes Land oder in unbekanntes Gelände gerne mit einem erfahrenen Reiseanbieter.

Endurofuntours ist seit über fünfzehn Jahren Anbieter im Bereich Endutortouren. Das Angebot reicht von Kurzreisen nach Mecklenburg oder den Nord-Ostsee-Kanal hinzu mehrtägigen geführten Touren in die Provence, an die Ardéche oder nach Polen. Beide Länder kann man ebenfalls mit Endurofuntours auch mit dem ATV erfahren. Es ist einfach ganz toll, an welchen unscheinbaren Abzweigungen wir abgebogen sind, wo für die erfahrenen Fahrer kleine “Spielplätze” zum Austoben gefunden wurden und wie die gesamte Gruppe über die Woche ganz langsam an immer anspruchsvollere Passagen gewöhnt worden ist. Meines Erachtens muss man sich in der jeweiligen Gegend zum Endurofahren bestens auskennen, sonst wird man schnell zum versehentlichen Rowdy auf Privatgelände oder versinkt hoffnungslos im Wald. Oder man setzte auf einen Kenner der Region – und das ist Jochen Ehlers einfach.

An die Ardéche geht es bei ihm bereits schon dieses Jahr im Frühling und dann gibt es auch wieder einige Termine im Spätherbst, aber auch ein Stückchen weiter in der Provence gibt es entsprechende Angebote zu dieser Zeit. Schaut doch einfach mal rein!

Wer lieber auf festem Untergrund bleibt, ist herzlich eingeladen, bei den zahlreichen “onroad”-Touren den Lavendelduft in Südfrankreich, Kurvenspaß auf Korsika oder die Mittsommernacht in Schweden zu erleben.

In jedem Fall gilt “Entdecken Sie neue Welten!”

 

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Ach ja, die neuen Termine 2019 sind bereits online! Nicht verpassen – sonst ist es ausgebucht!

 

Die Strecken:

Rund um den zentralen Ausgangspunkt Joyeuse kann man zu Endurotouren in alle Himmelsrichtungen aufbrechen. Sicherlich werde ich Jochens Geheimtipps hier nicht verraten, aber es sind tolle Ziele mit spektakulären Ausblicken und kleinen Abenteuern dabei!

In südliche Richtung überquert man mehrfach den Chassezac und kann in Les Vans einen Kaffee trinken oder die Olivenmühle besichtigen. Auch Barjac, Grospierres oder Beaulieu liegen an der Wegstrecke, die auch den ein oder anderen Tunnel oder auch mal eine beeindruckende Brückenüberfahrt bereit hält. Immer wieder verändert sich die Landschaft. Auf enge Walddurchfahrten folgen weite Ausblicke in die Täler und die gegenüberliegenden Berghänge.

 

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Richtung Osten ist die Ardéche der begleitende Fluß. Vorbei an Vallon-Pont-D’Arc folgt man auf Höhenzügen der Route des Cretes ardechoise (nicht zu verwechseln mit der in den Vogesen), kann noch Villeneuve-de-Berg einen Besuch abstatten, bevor es wieder auf kleinesten Pfaden Richtung Stützpunkt in Joyeuese geht.

Weiter westlich liegt der Tour de brison, der auf einem Aussichtsberg in den Ausläufern der Cevennen steht. Ein 360 Grad Rundumblick ist garantiert – die passenden Orientierungstafel erläutern einem auch die vor einem liegenden Hügel und Berge! Die beiden Sendemasten sind – anders als der Turm – nicht aus dem 8. Jahrhundert – wer hätte das gedacht! 😉

 

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Dies sind aber nur ein paar Beispiele für die vielfältigen Routen und Varianten, die es in dieser Gegend zu entdecken gibt! Also, worauf wartet ihr noch?

 

Der Ort Joyeuse:

Joyeuse war das Ausgangszentrum unserer Touren und abendlicher Treffpunkt im Hotel. Das kleine mittelalterliche Dorf liegt mit seinen knapp 2000 Einwohnern in der südlichen Ardéche. Mit seinem mediterranen Klima ist es idealer Ausgangspunkt für Enduro- oder Motorradtouren zwischen den Cevennen und der Provence.

Man findet alle wichtigen Einrichtungen direkt in Joyeuse wie Banken, Supermärkte, Werkstätten, Apotheke, ein großes Ärztezentrum, Tankstellen und verschiedene Bars. Der kleine Wochenenmarkt, der jeden Mittwoch unterhalb der Altstadt abgehalten wird, hat Joyeuse über die Stadtgrenzen hinaus berühmt gemacht. Hier kann man sich mit allerlei regionales Spezialitäten eindecken.

 

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Die gesamte Region ist bekannt für seine Esskastanien. Dementsprechend gibt es unzählige Spezialitäten rund um die Kastanie (chataigne) in und um Joyeuse zu probieren.

 

Museen in der Umgebung:

Aber auch bei schlechtem Wetter oder akutem Muskelkater sollte man wissen, was einen in der Gegend noch so erwartet.

Kastanienmuseum:

Pflicht sollte ein Besuch im Kastanienmuseum sein. Es liegt mitten in Joyeuse und ist damit fußläufig vom Hotel erreichbar. Neben einer einmaligen Sammlung von Gerätschaften wird in liebevollen Details allerlei um den “Brotbaum” der Region, Gerätschaften der verschiedenen Epochen und die vielen Arbeitsschritte der Verarbeitung verraten.

In der Nebensaison sind die Öffnungszeiten nur am Nachmittag. Am besten informiert man sich vorher selber einmal auf der Website des Museums.

Keine Lust auf ein Museum? Dann empfehle ich im Herbst einen Besuch eines der berühmten Kastanienfeste, z.B. in Joyeuse oder St. Andre Lachamp, bei denen sich die Organisatoren gegenseitig übertreffen, neben der Kastanie als Genussmittel auch das Holz der Kastanie in den Mittelpunkt zu rücken!

 

Lavendelmuseum:

Das Lavendelmuseum liegt an der Route des Gorges, kurz vor Saint-Remèze. Ab Ende März ist es wieder für Einzelbesuche geöffnet, Gruppen können sich separat anmelden und bekommen dann auch mal eine Extra-Öffnungszeit! Für 6,90 Euro (Kinder zahlen 5 Euro) kann man dann in die Geschichte des Lavendels, der Botanik, einzelne Arbeitsschritte in der Verarbeitung und in die Ausstellung landwirtschaftlicher Gärten eintauchen.

 

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Für mich das beste am Museum ist aber immer noch der Museums-Shop, denn schlechten Lavendel bekommt man überall, guten zum Beispiel hier. Holt euch mal eine Lavendel-Essenz, packt im Winter davon 3 Tropfen auf einen Waschlappen und werft diesen mit in das warme Badewasser! Einfach genial! Mehr braucht es nicht! Oder ein kleines Säckchen mit Lavendelblüten neben das Kopfkissen und ihr schlaft wie Murmeltiere!

 

Caverne du Pont-D’Arc

Wer schon mal in der Nähe ist, darf sich die nur 10 Kilometer entfernte “Caverne du Pont-d’Arc“ nicht entgehen lassen. Sie ist ein Nachbau der unmittelbar in der Nähe befindlichen Grotte “Chauvet-Pont-d’Arc”, die die ältestens bis heute bekannten Höhlenmalereien zeigt, die vor ca. 36.000 Jahren entstanden sind.  Der Nachbau ist quasi ein “best-of” der eigentlich Grotte aus Kunstharz und Beton. Viel zu empfindlich und zu wertvoll sind die Malereien in der Originalhöhle, in der permanent Klima und Luftfeuchtigkeit kontrolliert und reguliert werden.

Aber selbst in den 55 Millionen Euro teuren Nachbau darf immer nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern, die über den Eintrittspreis automatisch an einer der Führungen (verfügbar in französisch, englisch und deutsch) teilnimmt. Ist gerne keine passende Führung dabei, kann mittels Audioführer auch an einer anderssprachigen Führung teilgenommen werden.

Das Fotografieren in der Höhle ist streng verboten. Die folgenden Fotos sind aus der offiziellen Mediathek der Grotte!

 

Genussvoll:

Wer es lieber kulinarisch mag, kann sich eines der vielen Weingüter in der Umgebung ansehen.

 

Mas d’intras:

Ein Weinberg von Mas d'Intras
Ein Weinberg von Mas d’Intras

 

An den weitläufigen Weinbergen des Familienweinguts “Mas d’Intras” in Valvignères kann man fast nicht vorbeifahren. Die rein biologisch produzierten Weine profitieren vom trockenen Mittelmeerklima, wobei der Rotwein mit 45% der produzierten Menge den größten Anteil für sich in Anspruch nimmt. Es werden sowohl bekanntere Rebsorten wir Merlot oder Chardonnay angebaut, aber auch ganz typisch regionale Sorten wie der Viognier, der eine edle und seltene weiße Rebsorte ist und den berühmten “Condrieu” produziert.

 

Beta vor Mas d'Intras
Beta vor Mas d’Intras

 

Wer nach einem Besuch des Weinguts und einer ausführlichen Weinprobe nicht mehr fahren kann oder möchte, kann sich in einer der familiär geführten Ferienwohnungen bzw. Studio direkt in der Nähe für ein paar Tage einquartieren.

Wer den Wein zuhause in Deutschland testen möchte, kann dieses auch im Online-Shop bestellen. die Lieferung efolgt ab einer bestimmten Bestellmenge kostenfrei per DHL.

Spannender ist es sicherlich, auf eine der beiden bundesweiten Weintouren von Denis (Sohn des Gründers des Weinguts) und Werner Thiem (Deutscher Lieferant von Mas d’Intras) zu warten, die dann den Wein persönlich bis nach Hause bringen.

 

Neovinum:

Einen ganz anderen und interaktiven Rundgang mit allerlei Wissenswertem rund um den Weinanbau an der Ardéche kann man in Ruoms, im Neovinum, erleben.

In drei verschiedenen Räumen entführt der Winzerverband der Ardéche (UVICA – Union des vignerons des Coteaux de l’ardéche) seine Besucher in die Welt des Weinanbaus, der Herstellung und des Geschmacks rund um die regionalen Weine. Eine mehrsprachige Tour mit einem Audioguide lässt einen in die Welt der ca. 14 genossenschaftlichen Weingüter blicken und man darf virtuell an der Entstehung eines Cuvées teilnehmen. Eine Weinprobe oder ein Rundgang durch den Shop, der neben den vielen Weinen und Sektsorten auch andere regionale Produkte und Spezialitäten zu bieten hat, runden diesen eindrucksvollen Besuch ab.

 

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Aber auch die verschiedenen Ölmühlen sind einen Besuch wert, für die Naschkatzen empfiehlt sich dagegen die Verkostung des für die Region so ntypischen Nougats.

 

Übernachtung:

Hotel de l’Europe (https://www.ardeche-hotel.net/)

Wir waren im Hotel de l’Europe untergebracht – ein tolles Hotel mit leckerem regionalen Essen und riesigen Pizzen. Man ist sehr auf Motorradfahrer eingestellt und hat für alle Sorgen und Nöte ein offenes Ohr. Hinter dem Hotel ist ein großer Parkplatz, auf dem Zwieräder sicher vor Blicken geschützt hinter einem großen Tor stehen. Platz zum Schrauben ist ebenfalls vorhanden. Auch ein Anhänger findet für ein paar Tage einen guten Platz.

In Frankreich mitunter wichtig: Der Patron Bernard spricht englisch.

 

Praktisches:

Die Anreise erfolgt am einfachsten über die A7, die Route du soleil. Wie viele Autobahnen in Frankreich ist diese mautpflichtig, die Kosten halten sich aber in Grenzen. Bezahlen kann man bar oder mit Karte jeweils an den Mautstationen. Die Autobahn ist in bestem Zustand, das Fahren ist extrem entspannt, da die Geschwindigkeitsbegrenzung bei 130 km/h liegt und daher der Verkehr gut rollt. Selbst mit Anhänger darf man hier 130 km/h fahren, kein Streß mit dem Überholen, es rollt einfach so vor sich hin!

Sonst bleibt einem nur die deutlich längere Anreise über die Nationalstraßen, was aber bei ausreichender Zeit bereits ein eigener Urlaub für sich sein kann, da sich pitoreske Orte, atemberaubende Landschaften und jede Menge Kultur links und rechts der touristischen Routen finden lassen.

 

Und sonst?

Noch nicht genug erlebt an der Ardéche? Dann sind ein oder mehrere Nachfolgebesuche einfach Pflicht. Es gibt doch noch so viel zu entdecken…

… Nougat, Reiten, Kanufahren auf dem Fluß, Mountainbiketouren, Canyoning, Klettern, Gleitschirmfliegen, Höhlenerkunden, Wandern, Konzerte, provencalische Märkte, Ausstellungen, Angeln, Tierpark,  …

Ich kann mich einfach nicht entscheiden! 😉

Es bietet sich hier auch der “Ardéche-Pass” an, der einem den Zugang zu 35 tollen Attraktionen in der Region ermöglicht. Die Preise variieren vom 3-Tages-Pass bis hin zur Jahreskarte.

Aber auch ein Ausflug in die Literatur kann die Wartezeit bis zur nächsten Reise verkürzen. Der Kriminalroman Brennende Cevennen von Anne Chaplet spielt im kleinen Ort Belleville und wer weiß – vielleicht erkennt ihr die ein oder andere Person oder Lokalität bei eurem nächsten Besuch wieder!

Diese und viele weitere Informationen erhaltet ihr auf der Seite von “Ardeche Tourisme“. An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön an Nathalie Sisteron für das tolle Infopaket und die gesamte Unterstützung!

 

One thought on “Endurofahren an der Ardéche – Part 2

  1. Oh Mann, Frankreich .. ♥ ♥ ♥

    Auch wenn ich jetzt mit Enduro-Fahren so gar nichts anfangen kann (.. ich schmecke heute noch den Moder in meinem Mund von den ersten gestürzten Erfahrungen im Matsch *g*), so kann ich dennoch im Geiste mitfahren. Zur Not würde ich mir Frankreich echt auch auf einem Stollentier antun, es gibt dort sooo viel zu entdecken..

    Vielen Dank für’s Wässrig-Machen 😉

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